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Neben all diesen Begrenzungen der professionellen Beziehungen, die
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Giesecke herausarbeitet und betont, weist er jedoch auch auf die
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Notwendigkeit einer ganzheitlichen Vorstellung vom Kinde hin: »Die im
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professionellen Rahmen gebotenen Begrenzungen im Hinblick auf den
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spezifischen Zweck, die Dauer, das Alter der Partner schließen jedoch eine
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darüber hinausgehende, möglichst umfassende Vorstellung über die
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Zöglinge und ihre Bedürftigkeit ein« (ebd.:254), insbesondere in Bezug auf
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altersspezifische Bedürfnisse. Diese personale Ganzheit des Kindes ist
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jedoch nicht der Gegenstand pädagogischen Handelns: Ganzheitliches
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Verstehen und aufgabenbezogen begrenztes Handeln müssen ausbalanciert
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werden.
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Aus dem Nohlschen Konzept des pädagogischen Bezugs übernimmt
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Giesecke, dass der Bildungsprozess eines Kindes der personalen
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Vermittlung bedarf, der professionellen pädagogischen Beziehung also eine
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zentrale Bedeutung zukommt. Während diese professionelle Beziehung bei
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Nohl durch Nähe und Emotionalität (Liebe) wie auch durch Distanz geprägt
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ist, so betont Giesecke – aus den oben dargestellten Gründen – den Aspekt
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der Distanz: »Es geht um distanziertere Formen des Umgangs, wie sie auch
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sonst in der Öffentlichkeit üblich sind, also um Höflichkeit und Respekt eher
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als um Identifikation« (ebd.:258), der Begriff Liebe sei unangebracht. Die
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Beziehung ist bei Giesecke als eine asymmetrische und nur beschränkt
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wechselseitige konzipiert: »Die Professionalität des Erziehers zeigt sich
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insbesondere darin, dass er die Art und Weise der Beziehung definiert,
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damit das Kind sich darauf einstellen kann. Vom Kind, vom Schüler, vom
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Zögling aus kann die Beziehung nicht bestimmt werden« (ebd.:259). Wie bei
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Nohl ist sie auf Gegenwart und Zukunft des Kindes hin bezogen und auf
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Auflösung hin angelegt. Hingegen betont Giesecke den Zweckcharakter der
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professionellen Beziehung, welche für ihn den Kern professioneller
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Legitimation ausmacht: »Eine pädagogische Beziehung ergibt nur Sinn,
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wenn sie auf der Seite des Erziehers geprägt ist durch eine bestimmte
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Kompetenz, um derentwillen es sich für Kinder als lohnend erweisen kann,
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diese Beziehung überhaupt einzugehen. (…) Nur im Hinblick auf diese
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professionelle Kompetenz, nicht auf den Pädagogen als Person, kann das
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Kind Vertrauen entwickeln. (…) Die Beziehung ist kein Selbstzweck, die
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bloße Berufung darauf, dass sie gut sei und alle Beteiligten sich in ihr
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wohlfühlten, also nicht hinreichend« (ebd:260 f.).
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Grundsätzlich tragen (sozial-)pädagogische Beziehungskonzepte stets
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der Tatsache Rechnung, dass es um eine Beziehung zwischen Kindern (bzw.
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Jugendlichen) und Erwachsenen geht und Letztere einen Erziehungsauftrag
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haben. Dadurch unterscheiden sie sich von allen anderen
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Beziehungskonzepten in der Sozialen Arbeit.
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5.1.3
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Psychoanalytische Beziehungskonzepte
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Vor allem in den 1970er Jahren haben verschiedene psychologische Schulen
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die Gestaltung der Arbeitsbeziehung in der Sozialen Arbeit mit beeinflusst,
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u. a. die Humanistische Psychologie von Rogers (vgl. u. a. 2009) und die
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Themenzentrierten Interaktion (vgl. Lotz 2003, der auf dieser Basis ein
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Konzept Sozialpädagogischen Handelns und der sozialpädagogischen
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Beziehung entworfen hat). Vor allem aber wurde – seit den Anfängen in den
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