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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 79
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KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit
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Eine Handlungslehre aber »setzt keine Normen und sie lehrt nicht tätig zu
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sein« (Gehlen 1963:196f.). Das Prozessmodell ist somit eben nicht als normativer Standard zu lesen, sondern als idealtypische Struktur professionellen Handelns, als Orientierungshilfe und als Hintergrundfolie professioneller Reflexion.
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In diesem Verständnis kann das Prozessmodell dazu beitragen, Handlungsentscheidungen heuristisch abzuwägen. Wie die einzelnen Handlungsschritte angesichts der Erfordernisse des Einzelfalls modifiziert, gewichtet oder methodisch
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gefüllt, allenfalls sogar in einer neuen Abfolge bearbeitet werden, bleibt dabei
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jederzeit in der Verantwortung der professionell Handelnden. In der Verantwortung der Organisationen Sozialer Arbeit liegt es, sinnvolle Handlungsspielräume für eine professionelle Strukturierung des einzelnen Falls zu eröffnen.
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Die Orientierung am Modell von KPG, die Reflexion von Handlungen vor
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dem Hintergrund des Modells, bietet Professionellen der Sozialen Arbeit auf
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beiden Organisationsebenen eine Chance, die Nicht-Standardisierbarkeit und
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Komplexität professioneller Fallarbeit unter Berücksichtigung ihrer moralischen
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Qualität zu reflektieren, zu strukturieren und in der Folge zu bewältigen, ohne
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auf unzulässige Standardisierungen oder subjektive (moralische) Vorlieben zurückzufallen.
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2.2
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Soziale Diagnostik zwischen Kunstlehre
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und Begründungsverpflichtung
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Ein Alleinstellungsmerkmal des Konzepts KPG liegt in der Gewichtung und der
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ganz konkreten methodischen Beschreibung der diagnostischen Phase einer Fallbearbeitung. Hermeneutisches Fallverstehen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Wissensbestände wird in der KPG als unabdingbarer Bestandteil
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professioneller Praxis bezeichnet (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:216). Jedem
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menschlichen Handeln geht die Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung
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der jeweiligen Ausgangslage voraus – meist spielen sich diese ›diagnostischen‹
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Prozesse innert weniger Augenblicke ab und entziehen sich dem Bewusstsein der
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Handelnden (vgl. Heckhausen/Heckhausen 2010:1ff.). Eine professionelle Diagnostik jedoch beruht auf der bewussten, mehrperspektivischen Reflexion einer
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möglichst umfassend und differenziert wahrgenommenen Ausgangslage vor dem
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Hintergrund wissenschaftlichen und empirischen Wissens, Erfahrung sowie allgemeingültiger ethischer Maximen (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:215). Somit
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muss sich eine professionelle soziale Diagnostik immer auch mit dem Verhältnis
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von Theorie und Praxis beschäftigen.
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Obwohl zur Theorie-Praxis-Relationierung in der Sozialen Arbeit viel geforscht und publiziert wird (vgl. z. B. Dewe et al. 2001, May 2010, Otto et al.
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2010 und viele weitere), stellt das ganz konkrete methodische Vorgehen zu einem hermeneutischen Fallverstehen eine eigenartige Leerstelle in der theoretischen und methodischen Auseinandersetzung dar. Oevermann (2011:125) und
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viele nach ihm bezeichnen diesen Verstehensprozess als Kunstlehre. Dieser Begriff vermag die methodische Leerstelle zwar zu überbrücken, aber letztlich
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nicht inhaltlich zu füllen. Hermeneutisches Fallverstehen, als Kunstlehre ver79
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