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kontinuierlicher Selbstreflexion.
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13.3.2 Emotionale Verstrickungen
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Dieses Loslassen und sich Zurücknehmen stellt den Sozialarbeiter vor
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spezifische Herausforderungen hinsichtlich seiner Persönlichkeit. Musste er
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zu Beginn einer Arbeitsbeziehung vielleicht akzeptieren können, dass seine
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Unterstützung gar nicht willkommen scheint (siehe oben), so muss er gegen
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Ende möglicherweise aushalten können, dass seine Unterstützung nicht
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mehr oder nur noch sehr punktuell benötigt wird. Auch das beinhaltet – je
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nach Persönlichkeitsstruktur des Sozialarbeiters – Kränkungspotential und
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erfordert ein Nachdenken darüber, was die Aufgabe, als Person
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›Arbeitsinstrument‹ zu sein, bedeutet. Es kann aber auch die Klientin sein,
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die nicht loslassen möchte und immer neue Wege findet für eine
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Intensivierung der Beratungsgespräche (nicht selten in Fällen, in denen die
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Arbeitsbeziehung zu Beginn von Widerständen geprägt war). Hier ist es
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Aufgabe des Sozialarbeiters, die Autonomietendenzen der Klientin zu
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unterstützen und die Arbeitsbeziehung sachte loser zu gestalten. Eine Falle
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für Professionelle kann darin bestehen, emotional darauf angewiesen zu
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sein, gebraucht zu werden. Schmidbauer hat dies in seinem erstmals 1977
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erschienenen Buch ›Hilflose Helfer. Über die seelische Problematik der
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helfenden Berufe‹ plastisch herausgearbeitet. Tatsächlich stellt es eine hohe
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Anforderung dar, als Sozialpädagogin einerseits fähig sein zu müssen, Nähe
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zu Klienten zuzulassen und ›herzustellen‹, zugleich aber auch emotionale
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Distanz, Auseinandersetzung und Loslösung zulassen und ertragen zu
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können. Arbeitsbeziehungen sind aufgabenbezogen und zeitlich befristet
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( Kap. 5.1.1).
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Klienten müssen weder die Verhaltenserwartungen der Professionellen
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erfüllen noch sie ›lieben‹ oder ihnen dankbar sein. Eine Sozialpädagogin
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wird sich über positive Rückmeldungen von Klienten freuen; sie darf aber –
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und hier formulieren wir bewusst normativ – nicht darauf angewiesen sein,
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dass ihr Bedürfnis nach Selbstbestätigung und Akzeptanz in der
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Arbeitsbeziehung mit Klienten befriedigt wird. Sie soll in der Lage sein, sich
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diese Anerkennung (›das habe ich gut gemacht‹) selbst zu geben. Auch in
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der reflexiven Auseinandersetzung mit Kolleginnen kann und soll dieses
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menschliche Grundbedürfnis nach Bestätigung befriedigt werden. Dies ist
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ein weiterer Grund für die Notwendigkeit eines institutionalisierten
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Austausches auf der Fachebene (Supervision, Intervision).
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Als Professionelle der Sozialen Arbeit die eigene Person als
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Arbeitsinstrument zu nutzen meint auch, die persönlichen Fähigkeiten und
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den eigenen Enthusiasmus in der Arbeit einsetzen. Eine gute
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Sozialpädagogin wird zugleich aber auch immer überprüfen, inwieweit
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diese persönlichen Ressourcen und Vorlieben den aktuellen Bedürfnissen
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und Interessen der Klientinnen(gruppe) entsprechen. Auch hier kann die
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Außenperspektive von Fachkollegen hilfreich sein, um die Verstrickung in
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eigene Vorliebe-Projekte erkennen und auch die Kompatibilität mit
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Organisationsauftrag und -ressourcen kritisch prüfen zu können.
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So wird die Sozialpädagogin mit Zusatzausbildung in Erlebnispädagogik,
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die in ihrer Freizeit begeistert Klettertouren unternimmt, vielleicht ein
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