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Praxisrelevanz der Psychoanalyse also auf ›Erziehung zum Erzieher‹, indem sie die Reflexion der eigenen Verstrickungen und Grenzen möglich macht. Die psychoanalytische Pädagogik wurde ab den 1930er Jahren in den USA durch dorthin emigrierte Pädagogen und Psychoanalytiker weiterentwickelt (u. a. durch Fritz Redl und Bruno Bettelheim). In Europa hingegen erfuhr die psychoanalytisch orientierte Pädagogik erst in den 1990er Jahren wieder eine Renaissance (u. a. Körner/Ludwig-Körner 1997; vgl. Stemmer-Lück 2004:6 ff.). Neben diesem pädagogisch-psychoanalytischen Entwicklungsstrang gibt es eine sozialarbeiterisch-psychoanalytische Traditionslinie, die in den USA in den 1920er und 1930er Jahren ihren Anfang nahm und die Soziale Einzelfallhilfe und die Soziale Gruppenarbeit entscheidend geprägt hat. Eine wichtige Repräsentantin der psychoanalytisch orientierten Einzelfallhilfe ist Florence Hollis. Im Mittelpunkt steht bei ihr der Klient als ein emotionales, auch irrational handelndes, problembehaftetes Wesen: »Beim Aufbau ihrer Theorie hat die Soziale Einzelhilfe auf die Psychoanalyse zurückgegriffen, um sowohl die Ursachen psychischer Schwierigkeiten, wie auch die Möglichkeiten zu ihrer Verbesserung zu verstehen« (Hollis 1971:288, zit. in Müller 1991:74). Die Verbindung zur Psychoanalyse zeige sich bei Hollis einerseits in der psychodynamischen Betrachtung der Persönlichkeit des Klienten, andererseits in der Akzentuierung der Beziehung zwischen Klient und Sozialarbeiterin (vgl. Stemmer-Lück 2001:5). Müller allerdings kritisiert, Hollis habe letzteres vernachlässigt und die Theorie der analytischen Situation weitgehend ausgeklammert (vgl. Müller 1991:74). In den deutschsprachigen Ländern Europas erlangte die psychoanalytisch orientierte Sozialarbeit erst in den 1990er Jahren eine gewisse Bedeutung (vgl. Stemmer-Lück 2004:12 ff.). Psychoanalytisches Wissen wurde demnach in der Sozialen Arbeit vor allem in zweierlei Hinsicht genutzt: einerseits für die Diagnose der Problematik eines Klienten mit Hilfe psychoanalytischer Theorie, andererseits zur Reflexion der Übertragungs-GegenübertragungsBeziehung zwischen Klient und Sozialpädagoge. Arbeitsbündnis-Modell von Oevermann Der Soziologe Oevermann hat im Rahmen seiner Professionalisierungstheorie ein Arbeitsbündnismodell für die Soziale Arbeit analog dem psychoanalytischen Arzt-Patient-Verhältnis konzipiert. Konstitutiv für das Arbeitsbündnis ist der Leidensdruck des Patienten. Das Bündnis wird gestiftet durch die freiwillige Entscheidung eines Patienten zur Aufnahme des Arbeitsbündnisses. In der Freiwilligkeit liegt für Oevermann eine wichtige Bedingung der Gewährleistung von Autonomie: Der Patient anerkenne mit seinen gesunden Anteilen die Behandlungsbedürftigkeit seiner kranken Persönlichkeitsanteile und vollziehe eine autonome Entscheidung sich in Behandlung eines Experten zu begeben (vgl. Oevermann 2011:115). Oevermann geht von der Grundannahme aus, dass es in der Sozialen Arbeit eine der psychoanalytischen Behandlung vergleichbare Strukturlogik gibt: Sie sei im Kern mit der »Aufgabe der stellvertretenden Krisenbewältigung für einen Klienten auf der Basis eines expliziten methodisierten Wissens beschäftigt« (Oevermann 2009:113, Hervorh. original). Professionalisierte