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Hochuli Freund

31.7.17 S. 66

Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen

nennt als Beispiele etwa die Behandlung einer Krankheit, oder die ein Semester dauernde Auseinandersetzung mit einem als schwierig erlebten Studierenden, vgl. 1983:278). Der Reflexionsbegriff wird von Schön neu gerahmt. Wenn seine Praxis-Epistemologie Nachdenken während des Handelns nicht auf kurze Aktionszeiten (z. B. von Minuten) beschränkt ist, löst sich ein vermeintlich grosser Unterschied zum Konzept KPG auf, welches einen Rahmen zur strukturierten, planenden Gestaltung des Denkens und Handelns im Voraus bietet. Reflexion ist bei Schön auch keineswegs auf nachträgliche Reflexion beschränkt.7 Die drei Vorgehensschritte im Umgang mit ungewissen, problematischen Situationen nach Schön Problembestimmung, Untersuchung, Problemlösungsvorschläge entsprechen der analytisch-diagnostischen Prozessphase bei KPG. Auch dort wird ein präsentiertes Problem nicht einfach als gegeben hingenommen und man beginnt nicht sofort mit der Problemlösung. Weil wir wie Schön davon ausgehen: »The situation is complex and uncertain, and there is a problem in finding the problem« (ebd.:129), sehen wir eine sorgfältige Situationserfassung und Analyse vor, um herausarbeiten zu können, worum genau es in einem besonderen Fall geht. Die Fallthematik bei KPG kann als Entsprechung der Problembestimmung in Schöns Praxis-Epistemologie gesehen werden. Für den Untersuchungsprozess nach Schön sind bei KPG in den Prozessschritten Analyse und Diagnose eine Vielfalt möglicher Methoden enthalten sowie methodische Hilfemittel der Komplexitätserweiterung und -reduktion. Auch bei KPG ist das Versuchen zu Verstehen im Diagnoseschritt nicht Zweck an sich, sondern zielt darauf ab, Erkenntnisse für das weitere Vorgehen zu gewinnen. Schliesslich ist bei beiden die Reflexion über das eigene Vorgehen ein Bestandteil bzw. ein Kennzeichen professionellen Handelns. KPG ist nach dem Konzept von Schön ein theoretischer Bezugsrahmen (overarching theory) für den Prozess von Problembestimmung, Untersuchung und Lösungsfindung. Wenn wir wiederum das Konzept reflecting-in-action als theoretischen Rahmen für die Methodik KPG heranziehen, können die Ausführungen von Schön zu Untersuchungsprozess und professioneller Haltung dazu beitragen, einige Missverständnisse hinsichtlich der Methodik zu klären, denen wir ab und zu begegnen. Sie können uns als Autor und Autorin auf Aspekte hinweisen, die wir bislang wahrscheinlich zu wenig betont haben. So geht bei KPG vielleicht auf Grund der vielen methodischen Hinweise und Hilfsmittel z. B. zur Komplexitätsreduktion bei Analyse und Diagnose, zur Bildung von Fallthematik bzw. Arbeitshypothese tendenziell das Experimentierende des Zugangs verloren. Es wird zu wenig deutlich, dass Prozessgestaltung stets ein Prozess voller Überraschungen ist, und es Raum für das Überraschende, Neue, oder Verunsichernde während der Exploration braucht (das, was Schön als listen to the situations talks back bezeichnet). Bei den methodischen Ausführungen und Regeln zum theoriegeleiteten Fallverstehen sollte noch stärker betont werden, dass der diagnostische Prozess dann beendet wird, wenn eine Fallsitua7 Das ist in Kapitel 1 erwähnte Konzept Schlüsselsituationen (Kunz et al. 2016), das auf nachträgliche Reflexion fokussiert ist und sich dabei auf Schön bezieht, legt die Praxis-Epistemologie von Schön allzu einseitig aus.

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