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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 58
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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2011 erschienen Buch ›Thinking. Fast and Slow‹ fasst Kahneman die wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Forschung aus mehreren Jahrzehnten allgemeinverständlich zusammen und illustriert sie mit vielen Beispielen. Kahnemans Thema
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ist die menschliche Neigung zu fehlerbehafteten Urteilen und Entscheidungen,
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sein Anliegen ist dazu beizutragen, dass Menschen Fehlurteile besser erkennen
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lernen (vgl. 2011:4).
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3.1
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Zwei Modi des Denkens
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Interessant für unser Thema ist insbesondere der erste Teil des Buches, in dem
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Kahneman seine zentrale These von zwei Arten des Denkens erläutert. Er nutzt
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für diese Unterscheidung der beiden Modi die Metaphern ›System 1‹ und ›System 2‹. System 1 funktioniert spontan, schnell, automatisch. Es ist immer aktiv,
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reagiert impulsiv, intuitiv, unbewusst, arbeitet assoziativ, stereotypisierend und
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emotional. System 2 hingegen arbeitet langsam, dafür aber logisch und präzise,
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das Denken erfolgt bewusst, erfordert Aufmerksamkeit, Anstrengung und mentale Energie. Die Aktivierung von System 2 ist ein Akt bewusster Selbstkontrolle (vgl. ebd.:19ff.; 105). System 2 hat an sich die Möglichkeit, die unüberlegtschnellen Denkvorgänge von System 1 bei Bedarf zu unterbrechen und zu ersetzen. Weil bewusstes, präzises Denken aber anstrengend ist, neigt System 2
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dazu, dem schnell und automatisch funktionierenden System 1 so bald wie
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möglich wieder das Denken zu überlassen. Kahneman bezeichnet System 2 deshalb als ›lazy controller‹ von System 1 (vgl. ebd.:38).
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Automatismus und Schnelligkeit von System 1 erleichtern das alltägliche Leben ausgesprochen, können allerdings zu voreiligen, falschen Schlussfolgerungen führen.
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»Jumping to conclusions is efficient if the conclusions are likely to be correct and the
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costs of an occasionable mistake acceptable, and if the jump saves much time and
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effort. Jumping to conclusions is risky when the situation is unfamiliar, the stakes are
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high, and there is no time to collect more information. These are the circumstances in
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which intuitive errors are probable, which may be prevented by a deliberate intervention of System 2.« (Ebd.:79)
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Situationen von Ungewissheit und Zweifel gehören in die Domäne von System 2, sich mit ihnen auseinanderzusetzen erfordert Zeit und Anstrengung.
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System 1 produziert manchmal also unzulässige Vereinfachungen. Einige dieser unbewusst erfolgenden kognitiven Verzerrungen, die auch in Zusammenhang mit professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit von Bedeutung sind,
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seien hier skizziert:
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• Assoziative Kohärenz: System 1 generiert auf Grund weniger Informationen
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ein vereinfachtes, aber in sich (übertrieben) konsistentes Bild der Wirklichkeit (vgl. ebd.:50ff., 82ff.). Ein Beispiel für diesen als ›Halo-Effekt‹ bekannten Vorgang: Eine Person wirkt extravertiert-fröhlich und sympathisch –
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also gehen wir davon aus, dass sie sicherlich auch grosszügig und sozial gut
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eingebettet ist.
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