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3.1 KiB

Sozialen Arbeit eine breite Anwendung zur Darstellung der familiären Beziehungen erfährt. Zeitstrahl und biografischer Zeitbalken, die als zweite Methode erläutert sind, veranschaulichen die zeitliche Dimension eines Fallverlaufs. Die Silhouette ist ein Notationssystem, das eine Visualisierungsmöglichkeit für das Selbstbild eines Klienten vorschlägt. Die Netzwerkkarte mit ihrem thematischen Fokus auf die sozialen Beziehungen einer Klientin ist wohl eines der verbreitetsten Analyseinstrumente in der Sozialen Arbeit. Mit dem Soziogramm wird abschließend eine der Analysemethoden für die Arbeit mit Gruppen vorgestellt.

9.4.1

Genogramm

Genogramme werden benutzt, um Familiensysteme und die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder darin zu veranschaulichen. Im Genogramm können dazu verschiedene Symbole eingesetzt werden. Wie die meisten Autoren berufen auch wir uns dabei auf McGoldrick und Gerson (2009), die das Genogramm für die Beratung von Familien mitentwickelt haben. Die wichtigsten Symbole sind: männlich, weiblich, verstorben, Abtreibung/Fehlgeburt/Totgeburt, Ehe, Partnerschaft/Ehe ohne Trauschein, Scheidung, Trennung, Familie mit Sohn, Tochter, Schwangerschaft. Bei der Aufzeichnung eines Genogramms ist darauf zu achten, dass die Generationen (in der Regel drei) von oben nach unten platziert und neben den Symbolen Namen, Vornamen, Geburtsdatum und Beruf eingetragen werden. Mit einer unterbrochenen Linie wird deutlich gemacht, wer aktuell zusammenlebt. Je nach Ausgangslage empfiehlt es sich, weitere Daten (wie z. B. Krankheiten, Besonderheiten) aufzuführen (vgl. auch Sauer 2018). Mit dem Genogramm werden zunächst die objektiven Daten zu Familie und Verwandtschaft erfasst (Situationserfassung). Dies geschieht in der Regel anlässlich eines Erkundungsgesprächs ( Kap. 8.5). Zum Analyseinstrument wird das Genogramm dann, wenn auch Probleme aufgeführt und der Beziehungscharakter zwischen den Beteiligten qualifiziert wird. In der Sozialen Arbeit erfolgt diese Einschätzung der Beziehungen stets aus Sicht des Klienten. Das Genogramm wird also für die Analyse mit dem Klienten genutzt. Eine weitere Variante der Analyse besteht in der Kontextualisierung der aufgeworfenen Themen in der Tradition der systemischen Familientherapie. Dabei geht es nicht darum, die Probleme, Symptome oder Themen bei einem einzelnen Menschen im Sinne eines Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs zu sehen. Vielmehr werden bei der Kontextualisierung die nach außen problematisch erscheinenden Verhaltensweisen im Rahmen des familiären und außerfamiliären Umfelds betrachtet, und es wird versucht, den Sinn hinter dem Verhalten zu erkennen (vgl. Schlippe/Schweitzer 1998; McGoldrick et al 2009). Im Abbildungsbeispiel ( Abb. 15) wird Julia nicht als krank angesehen, vielmehr könnten Schulverweigerung und Magersucht als Problemlösungsverhalten gesehen werden, welches z. B. die jahrelangen, unausgesprochenen Spannungen zwischen Mutter und Vater im Familiensystem ausgleichen. In dieser Variante wird das Genogramm als Analyseinstrument für die Fachebene oder aber für die gemeinsame Einschätzung von Klient und Fachkraft genutzt.