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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 117
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Bedeutung und Funktion von Hypothesen im Konzept KPG
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grössern, Klientinnen werden konsequent als autonom, nicht-instruierbar und
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als Experten ihres eigenen Lebens angesehen und erst wo es die Situation erforderlich macht, finden Eingriff und Begrenzung statt (vgl. ebd.:199ff.). Grundsätzlich sind Zusammenhänge zirkulär und nicht linear zu denken und zu verstehen, die systemische Praktikerin versucht sich gegenüber von Personen,
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Problemen und Ideen möglichst neutral zu verhalten, und dabei kongruent zu
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bleiben. Geleitet von einer fast unstillbaren Neugierde sucht die systemische
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Praktikerin stets nach neuen Beschreibungen, um die im System immanente
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und wirksame Eigenlogik zu erfassen, ohne dabei selbstgewiss eigene Glaubenssätze zu reproduzieren, sondern diese bei Bedarf transparent zu machen.
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Systemische Therapie und Beratung handelt stets ressourcen-, lösungs- und
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kundenorientiert, soll mit ihren Interventionen vielseitig und kreativ Anregen,
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mit dem Ziel Klientinnen zu verstören und damit dysfunktionale Muster zu
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durchbrechen. Die hier letztgenannte Prämisse/Haltung ist diejenige der Hypothesenbildung: Systemische Hypothesen sollen nützlich sein, in dem sie ordnen
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oder anregen und durch ihre Vielfalt Perspektiven und Möglichkeiten erweitern
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(vgl. ebd.:205ff.).
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3.2
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Bedeutung und Funktion systemischer Hypothesen
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Die Vertretenden der Mailänder Schule, die sich sehr ausgiebig mit der Familientherapie befasst haben, nehmen in Anlehnung an den Oxford Dictionary
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zum Hypothesenbegriff folgende Klärung vor: Eine Hypothese ist eine »Annahme, die als Grundlage für Überlegungen getroffen wird, ohne Berücksichtigung
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ihrer Richtigkeit; als Ausgangspunkt für eine Untersuchung« (Palazzoli et al.
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1981:126). Die Autoren ergänzen zum funktionellen Wert einer Hypothese im
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Allgemeinen, dass eine Hypothese weder richtig noch falsch sei, sondern mehr
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oder weniger nützlich; denn auch eine falsche Hypothese trage zu neuen Informationen bei, indem Variablen ausgeschlossen werden können (vgl. ebd.). In einer konkreten Familiensitzung hilft die Hypothesenbildung der Sitzungsleitung
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beim Aufspüren von Beziehungsmustern. Durch den Ausspruch des Unerwarteten und Unwahrscheinlichen wird bewusst ein neuer Akzent gesetzt, um bisherige in einer Familie wirksame Zuschreibungen nicht zu reproduzieren. Eine
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Hypothese ist dann systemisch, wenn sie alle Komponenten einer Familie umfasst und eine Annahme zur Funktion der Beziehungsverhältnisse innerhalb der
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Familie trifft (vgl. ebd.:127f.). In diesem Zusammenhang wird von unterschiedlichen Autoren hervorgehoben, Hypothesenbildung in der systemischen Arbeit
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wolle den natürlichen menschlichen Vorgang unterbrechen, Komplexität des
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Zusammenlebens in die Kategorien Ursache und Wirkung reduzieren. Solche
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gewohnheitsmässig erstellten Kausalitätsvorstellungen würden zwar eine vermeintliche Sicherheit liefern, jedoch auch die Zuschreibung von Verantwortung
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oder Schuld unterstützen, welche für die Arbeit mit Menschen wenig zielführend ist (vgl. z. B. Hosemann/Geiling 2013:102). Das Datenmaterial für systemische Hypothesen wird grundsätzlich aus zwei Quellen gespeist: aus Wissen
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über spezifische Systeme, Erfahrung und Forschung sowie aus den eigenen Be117
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