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Eine Organisation im stationären Kontext der Sozialen Arbeit ist
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beispielsweise zu ihrem Erhalt auf eine bestimmte Belegung ihrer Plätze
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angewiesen und ist deshalb möglicherweise bereit, Klienten
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aufzunehmen, auf die das Unterstützungsangebot nur teilweise zutrifft.
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Sozialpädagogen haben immer wieder kritisch zu prüfen, ob die
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Organisationsstrukturen die nötige Abstimmung unterstützen. Sie haben
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allfällige differierende Interessen offen zu legen und Möglichkeiten des
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Ausbalancierens zu schaffen. Damit soll verhindert werden, dass bestimmte
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Handlungsansätze (wie z. B. Maßnahmeorientierung oder Strategie des
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minimalen Eingriffs oder Konfrontative Pädagogik) zu Maximen werden, die
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weniger eine planvolle Unterstützungsleistung darstellen als das Ergebnis
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einer Handlungsweise, die sich an der Eigenlogik innerhalb eines
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Hilfssystems orientiert.
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Wir haben an anderer Stelle ausgeführt, dass Handeln immer
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ergebnisoffen ist und Sozialpädagoginnen immer ein Wagnis eingehen, weil
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sich erst in der Alltagssituation herausstellt, welche Handlungsoptionen
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Klienten wählen. Nicht selten ist es so, dass sie auf Handlungsstrategien
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zurückgreifen, die sie internalisiert haben, weil sie sich zu einem gegebenen
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Zeitpunkt als nützlich erwiesen haben, aber in der Gegenwart wenig
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hilfreich sind. Die Chance, dass sich nach einer Zielvereinbarung gleich alles
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zum Guten wandelt und Klienten vor allem in belastenden Situationen neu
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erworbene oder erarbeitete Strategien und Handlungsmuster anwenden, ist
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nicht sehr hoch und es besteht ein Risiko zu scheitern. Es wäre deshalb naiv
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anzunehmen, dass es keine Stagnation oder Rückschläge gibt.
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So kann beispielsweise von einer Familie mit Problematik ›Schulden‹
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nicht erwartet werden, dass es bei einem Engpass Ende Monat trotz
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Begleitung durch eine Sozialarbeiterin nicht zu einer Krise kommt.
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Realistischerweise sind von Anfang an Szenarien des Scheiterns oder des
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Eskalierens von bestimmten Situationen miteinzubeziehen (siehe dazu
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Szenario des worst-case in Kap. 12.5), dies nicht im Sinne einer sich
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selbst erfüllenden Prophezeiung, sondern zur Verhinderung einer
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inadäquaten Erwartungshaltung, die unnötigerweise Druck erzeugt.
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Die Interventionen sind nicht nach eigenen Werten und
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Normvorstellungen der Professionellen durchzuführen, denn
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Wunschdenken, Ideale können zu Enttäuschung führen. Deshalb ist der
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Blick zu richten auf das, was für die Klientinnen vorstellbar ist, was sie mit
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ihren Erfahrungen und Erlebnissen in einen Zusammenhang bringen und
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deshalb eher realisieren können. Dies bedeutet im Sinne der Kooperativen
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Prozessgestaltung, bei Differenzen achtsam zu sein, bei Unstimmigkeiten
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oder auftretenden Uneinigkeiten immer wieder auszuhandeln, wovon die
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Beteiligten ausgehen, welches ihre Vorstellungen und Anliegen sind.
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Achtsamkeit schließt auch eine Reflexion von teils unbewussten eigenen
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Wertorientierungen ein (vgl. Ader 2006:176 ff.).
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So wird z. B. in systemisch orientierten Handlungskonzepten meist davon
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ausgegangen, dass Systeme wie die Familie erhalten bleiben sollen. Die
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Unterstützung richtet sich auf den Zusammenhalt der Familie und nicht
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unbedingt auf die emotionale und soziale Bedürfnislage eines
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vernachlässigten, traumatisierten Kindes, was die gesamte
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