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lediglich als rudimentäre Orientierungshilfe verstanden werden. Dennoch
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vermag sie einen Eindruck zu vermitteln von der Vielfalt und Bandbreite an
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nützlichen Methoden und Techniken. Für eine umfassende
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Interventionsplanung ist es deshalb nötig, in Anlehnung an ein
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handlungsleitendes Konzept (nach dem in der Organisation gearbeitet
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wird) und ausgehend von den Erkenntnissen aus den vorigen
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Prozessschritten fall- und praxisfeldspezifisch zu prüfen, welche
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Interventionsmethode sinnvoller Weise in Betracht zu ziehen ist.
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12.3.3 Evidenzbasierte Soziale Arbeit
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Bei der Auswahl von Methoden stellt sich seit jeher die Frage ›Was wirkt?‹.
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Im anglophonen und skandinavischen Raum wird nach dem Vorbild der
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Medizin seit einigen Jahren die Frage wissenschaftlich untersucht, welche
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Interventionen sich für welche Problemlage am besten eignen. Seit kurzem
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wird nun auch im deutschsprachigen Raum unter dem Begriff
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›Evidenzbasierte Soziale Arbeit‹ (bzw. Evidence Based Practice, EBP)
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geforscht, welches Wissen die Soziale Arbeit braucht, um wirkungsvolle
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Interventionen klienten- und aufgabenbezogen zu entwerfen. EBP wird
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bezeichnet als Prozess, »in dem es darum geht, die empirische Evidenz über
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die Wirksamkeit und/oder Effizienz verschiedener
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Interventionsmöglichkeiten zu identifizieren« (Mullen et al. 2007:13). Sie
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beabsichtigt die Optimierung der Praxis der Sozialen Arbeit (vgl.
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Hüttemann 2006:159) und beabsichtigt maximalen Nutzen für Klienten.
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EBP stellt ein zyklisches Entscheidungsfindungsmodell dar, das sich in fünf
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Schritten vollzieht (vgl. Mullen et al 2007:12 ff.).
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Im Folgenden soll das Vorgehen bei EBP dargelegt werden. Zunächst soll
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das Informationsbedürfnis als eine beantwortbare Frage formuliert werden.
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Dazu ein Beispiel (vgl. ebd.:15 ff.): Einer Organisation der Sozialen Arbeit,
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die hauptsächlich mit lateinamerikanischen Immigranten arbeitet, wird
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ein junges Paar zugewiesen, das mit den Verhaltensweisen ihrer 2 ½jährigen Tochter nicht mehr zurechtkommt. Da in der Praxisorganisation
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kein Interventionsprogramm für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten
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besteht, entschließt sich die diensthabende Sozialarbeiterin, das Problem
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evidenzbasiert anzugehen. Dazu formuliert sie folgende Frage: »Führt bei
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Einwandererfamilien aus Lateinamerika, die ein Kind mit
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Verhaltensauffälligkeiten haben, die Teilnahme an einer Elterngruppe –
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verglichen mit keiner Intervention – beim Kind zu günstigeren
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Verhaltensoutcomes?«
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Zur Beantwortung der Frage wird daraufhin nach der besten Evidenz
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gesucht.
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In unserem Beispiel findet die Sozialarbeiterin auf der Homepage der
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Campbell Collaboration einen systematischen Review zu
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gruppenbasierten Elterntrainingsprogrammen (vgl. ebd.:15 f.).
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In einem dritten Schritt ist die Evidenz in Bezug auf ihre Validität kritisch zu
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bewerten.
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