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Hochuli Freund
31.7.17 S. 89
Kooperation und Multiperspektivität
Ursula Hochuli Freund
Soziale Arbeit befasst sich mit komplexen Problemstellungen, an der stets unterschiedliche Akteurinnen beteiligt sind. Für jeden steht etwas anderes im Fokus, er sieht und bewertet eine Situation vor seinem eigenen Hintergrund, der
geprägt ist von persönlich-biografischen Erfahrungen, bei Fachleuten auch von
professionsspezifischem Wissen. Bei der Gestaltung von Unterstützungsprozessen in der Sozialen Arbeit ist es elementar, die Sichtweisen aller beteiligten Akteurinnen zu unterscheiden, zu erfassen und im Verlauf eines Arbeitsprozesses
zu verschränken.1
Nachfolgend wird zunächst das Prinzip von Multiperspektivität erläutert. Es
werden verschiedene Konzeptionen der fallbezogenen Verknüpfung der Perspektiven verschiedener Professionen dargelegt sowie methodische Möglichkeiten des aktiven Einbezugs der Perspektive von Klienten. Die Verschränkung all
dieser unterschiedlichen Perspektiven in der Kooperation wird als spezifische
Aufgabe und Leistung der Sozialen Arbeit beschrieben.
1
Multiperspektivität
Die Bedeutung von unterschiedlichen Perspektiven wird anhand von zwei Beispielen aus Kunst und Literatur illustriert, bevor Multiperspektivität als Fachbegriff der Sozialen Arbeit eingeführt wird.
1.1
»Was siehst du, wenn du schaust?«
Die eine Betrachterin sieht in Hollars Zeichnung einen Landvorsprung (siehe
Abb. 11), die andere ein Männergesicht. Tauschen sich die beiden nicht über
ihre Sicht auf das Bild aus, bleibt ihnen möglicherweise verborgen, dass sie etwas völlig Unterschiedliches sehen; wir können uns ein interessantes Streitgespräch vorstellen, das wahrscheinlich in beidseitigem Kopfschütteln und Unverständnis mündet.
1 Dieser Beitrag ist unter dem Titel Multiperspektivität in der Kooperation zunächst erschienen in Merten/Kägi (2015). Der Abdruck dieser leicht gekürzten Fassung erfolgt
mit freundlicher Genehmigung der beiden Herausgeber sowie des Verlags Barbara
Budrich.
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