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Raw Blame History

Gefühle des Klienten (wenn er heftigen Ärger verspürt, die den versteckten Ärger des Klienten widerspiegeln). Wenn sich Ängste, Abwehrstrategien und Überforderungsgefühle im Klientensystem in den Affekten der Professionellen widerspiegeln, wird dies in der systemischen Familientherapie und der Gruppendynamik als Spiegelungs- und Übertragungsphänomen bezeichnet (vgl. Schrapper 2008:201 f., Hochuli Freund 2009). Diese Phänomene können genutzt werden als analytischer Zugang zu einer Fallsituation. Für die Medizin hat Balint diesen Zugang methodisiert (vgl. u. a. Luban-Plozza 1984). Eine sog. Balint-Gruppe ist eine Supervisions- oder Intervisionsgruppe, bei der nach Vorstellung eines Falles alle Anwesenden ihre Gefühle und Phantasien dazu äußern. Diese assoziativen Äußerungen werden in einem gemeinsamen Prozess dazu verwendet, die verborgene Thematik in einem Fall zu erkennen (und in einem nächsten Schritt dann auch mit Hilfe von Erfahrungs- und Theoriewissen zu deuten). Auch in der Sozialen Arbeit kann dieser Zugang der Reflexion des Erlebens der Professionellen genutzt werden, indem beispielsweise in einer Fallbesprechung die Professionellen assoziativ ihre Gefühle äußern, die in der Arbeit mit einem Klienten(-system) virulent geworden sind (z. B. Resignation, Lähmung). Gegebenenfalls kann einzeln kurz reflektiert werden, ob es sich dabei um eigene (d. h. in der eigenen Biografie zu verortende) Gefühle handelt, oder ob die Gefühle spezifisch in der Gegenübertragung durch einen Klienten ausgelöst wurden und somit für die Analyse eines Falls aufschlussreich sind (vgl. Hochuli Freund 2017b:201). In der zweiten, der Auswertungsphase wird danach gemeinsam herausgearbeitet und benannt, worum es in einem Fall vielleicht geht (z. B. Fixierung auf einen Beziehungsverlust). Auf diese Weise kann ein sozialpädagogisches Team in kurzer Zeit einen undurchsichtigen Fall, der oft viel Energie absorbiert, über die Analyse der eigenen Gegenübertragungsgefühle fassbarer machen. Anders als in einem therapeutischen Setting wird dieser analytische Zugang weniger dazu genutzt, diese Gefühle mit den Klienten direkt zu besprechen, sondern eher dazu zunächst auf der Fachebene einen vertieften Verstehensprozess in Gang zu setzen (Diagnose) und den Unterstützungsprozess zu modifizieren (Intervention). Es handelt sich bei der Analyse auf der emotionalen Ebene um eine nichtstandardisierte, offene Methode für die Fachebene, die sich für alle Praxisfelder eignet, insbesondere aber für diejenigen, wo es um längere Unterstützungsprozesse geht und für Fälle, in denen sich Muster wiederholen oder etwas zu stocken scheint.

9.4

Notationssysteme

Als Notationssysteme werden Analyseinstrumente bezeichnet, die eine Struktur zur Erhebung und zur Visualisierung von fallbezogenen Daten und darauf bezogenen subjektiven Einschätzungen zur Verfügung stellen. Die Struktur kann eine Liste, eine Grafik, ein Schema oder auch ein Bild sein, welche jeweils ein bestimmtes Thema fokussiert (vgl. u. a. PantučekEisenbacher 2019:158). Aufgrund der Visualisierungsmöglichkeit sind Notationssysteme besonders geeignet für die Analyse mit Klientinnen. Im Folgenden soll zunächst das Genogramm vorgestellt werden, das in der