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Hochuli Freund
31.7.17 S. 166
Teil 2 Arbeitsfeldspezifische Konkretisierungen und Arbeitsmaterialien
4
Fazit
Abschliessend soll dargelegt und diskutiert werden, welche Auswirkungen dieses drei Jahre andauernde Projekt auf die Arbeitsweise im Wohnbereich der Lebenshilfe Lörrach e. V. hat. Offene Fragen und Herausforderungen bei der Arbeit nach KPG werden dargelegt und der Weiterentwicklungsbedarf der Angebote erörtert. Zwar wurde bislang keine empirische wirkungsorientierte Evaluation durchgeführt, dennoch können die Erfahrungen und Einschätzungen der verschiedenen Beteiligten zusammengetragen werden. Zunächst lässt sich festhalten, dass durch das Projekt eine Steigerung der fachlichen Qualität bei der Begleitung der Klientinnen in den verschiedenen Angeboten stattgefunden hat und es insbesondere gelungen ist, kooperativer vorzugehen, d. h. die Klienten bewusster einzubeziehen. Insgesamt werden ihnen qualifizierte und fachliche Leistungen zur Verfügung gestellt, die sich an ihren individuellen Bedürfnissen und Empowerment orientieren. Dies beginnt beim ersten Kontakt einer Aufnahmeanfrage, bei dem nun die Sichtweise der Klientinnen eingeholt wird. Das neue Angebot Kooperative Bedarfsermittlung (KB) – bei dem KPG recht konsequent nach Lehrbuch durchgeführt wird – ermöglicht in komplexen und undurchsichtigen Fällen eine umfassende und fundierte Ermittlung des Hilfebedarfs und der Wünsche und Vorstellungen der Klienten. In der ambulanten Wohnbegleitung sind kooperative Analyse-Instrumente und regelmässige Fallbesprechungen institutionalisiert, die Arbeitsabläufe orientieren sich an KPG. Im stationären Wohnbereich finden im Rahmen der Teambesprechungen erstmals strukturierte Fallbesprechungen statt, die neben der Planung eine reflektierte Betrachtung des eigenen Vorgehens sowie erste Ansätze einer professionellen Prozessgestaltung und eines Verstehensprozesses ermöglichen. Generell hat sich das Handeln insofern verbessert, dass strukturierter und unter Verwendung bestimmter Methoden gearbeitet wird, es dadurch fachlich fundierter ist und sich besser begründen und reflektieren lässt. Weiter besteht ein stärkeres Bewusstsein dafür, die Zusammenarbeit mit den Klientinnen kooperativ zu gestalten, und es werden methodische Werkzeuge verwendet, die dies noch besser ermöglichen. Gleichzeitig bleiben in diesem Zusammenhang aber auch einige Fragen offen. So ist unklar, in welcher Qualität die einzelnen Methoden angewandt werden und inwieweit die Arbeitsweise wie vorgesehen umgesetzt wird. Denn Fachlichkeit lässt sich nicht alleine über Struktur und vorgegebene Standards herstellen. Dementsprechend bleibt offen, wie die vorhandenen Gefässe und Methoden von den einzelnen Mitarbeitenden und Teams ausgefüllt und genutzt werden. Die Arbeit mit dem Konzept KPG ist hoch voraussetzungs- und anspruchsvoll. Es erfordert spezifische Kompetenzen, um eine Fallbesprechung moderieren zu können. Die strukturierte Auswertung der Analyse oder das theoriegeleitete Fallverstehen kann bei KB nur von darin geschulten Personen umgesetzt werden. Auch braucht es eine Grundhaltung von ›Erkunden-Wollen‹ und die Bereitschaft, sich auf einen gemeinsamen, kreativen und manchmal ungewissen Prozess mit einem Klienten einzulassen. Eine weite166