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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 114
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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Eine Diagnose mündet direkt in die Handlungsphase, was anhand der handlungsleitenden Arbeitshypothese gut illustriert werden kann. Neben dem Blick
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in die Vergangenheit geht es bei dieser Hypothesenform auch darum, ein prognostisches Element einzubringen (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:218). Eine
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handlungsleitende Arbeitshypothese wird aus den verschiedenen erklärenden
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Hypothesen hergeleitet, hierzu werden die für die Erhellung der Fallthematik ergiebigsten Erklärungen ausgewählt. An sich liesse sich jede erklärende Hypothese in eine handlungsleitende Arbeitshypothese umformulieren, könnte also eine
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Vielzahl von Arbeitshypothesen formuliert werden. Für die Weiterarbeit jedoch
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ist es wichtig, an dieser Stelle eine strukturierte Komplexitätsreduktion vorzunehmen. Die Fokussierung der wichtigsten Erklärungs-Elemente in einer handlungsleitenden Arbeitshypothese ist wichtig. Formal ist die handlungsleitende
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Arbeitshypothese eine Wenn-dann-Formulierung und fällt damit in die Kategorie der nomopragmatischen Hypothesen nach Staub-Bernasconi (siehe 1.2.)
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Wie im Prozessschritt Analyse ist es auch in der Diagnose zentral, die Erkenntnisse mit dem Klienten zu validieren, d. h. als erklärende Hypothesen zur
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Diskussion zu stellen und auch die handlungsleitende Arbeitshypothese gemeinsam kritisch zu prüfen. Denn in einer Diagnose soll neben dem Fremdverstehen
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auch dem Selbstverstehen von Klienten Raum gegeben werden (vgl. Rätz-Heinisch/Köttig 2007:251). Das bedeutet für Professionelle neben ihrer Expertinnentätigkeit rund um das Fallverstehen, einen Dialog in der Diagnose sicherzustellen und mit der Haltung einer kooperativen Diagnostik an einen Fall
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heranzutreten (vgl. Ursprung 2014:42f.).
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Fallbeispiel
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Erklärungsbedürftig aus der Fallthematik erscheint nun, weshalb Sven sich
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nicht ernst genommen und unterstützt fühlt, obwohl die Lehrerin laut eigenen Aussagen einen Zusatzaufwand betreibt (1) und wie die tiefgreifenden
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Vorkommnisse in der Familie auf Sven und sein Verhalten einwirken (2).
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Hierzu wird die Methode ›Theoriegeleitetes Fallverstehen‹ genutzt.4
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Zu (1): Sven fühlt sich nicht ernst genommen und unterstützt.
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• Weil Sven im Unterricht jeweils stark mit seinen Konzentrationsbemühungen beschäftigt ist, hat er keine kognitiven Kapazitäten mehr frei
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und kann Unterstützungsangebote gar nicht als solche wahrnehmen und
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einordnen.
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Folgerungen für die Handlungsphase abzuleiten (nähreres zur Methode vgl. Artikel
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›Fallbesprechungs-Materialien‹ von Hochuli Freund in diesem Band).
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4 Auf Basis des in der Fallthematik festgehaltenen Erklärungsbedarfs hat sich die Autorin in einem ersten Schritt gedanklich hauptsächlich folgende theoretische Wissensbestände vergegenwärtigt: Kognitive Entwicklung (Piaget), Konzept der biografischen Lebensbewältigung (Böhnisch), Männliche Sozialisation (Böhnisch), Selbstwirksamkeit
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(Bandura). In einem zweiten Schritt wurden daraus erklärende Hypothesen hergeleitet.
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