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und diese aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls vor allem
Verunsicherung und Ratlosigkeit auslösen, vermeidet er alle sozialen
Situationen, welche diese Fragen aktualisieren könnten.
Fallüberlegungen auf der Basis des interdisziplinär-systemischen Ansatzes
Wie eingangs erwähnt, ist für P. der Umgang mit Druck ein stetes Thema.
P. beschreibt eine Intrasystemdynamik bezüglich seiner meist
vergeblichen Versuche zu arbeiten (vgl. Schwing/Fryszer 2013:52 ff.).
Seinen Aussagen gemäß besteht ein Druck zu arbeiten. Wenn P. nicht
arbeite, steige der Druck von Mutter und Sozialpädagoginnen; wenn der
Druck steige, fühle er sich noch weniger in der Lage, arbeiten zu gehen
etc. Das führe so weit, dass er nur schon Druck verspüre, wenn er an
Arbeit denke, obwohl ihm die Arbeit in der Küche eigentlich oft viel Spaß
mache. Hier interessiert nun nicht, worin der Grund oder Auslöser für
diesen Druck besteht, sondern es gilt Systemregeln und -dynamik zu
erfassen. Das von P. beschriebene System besteht aus P., seiner Mutter
und den Professionellen, die für P. in der Einrichtung zuständig sind. Die
expliziten Regeln (vgl. Hochuli 2009:6.) sind klar, Herr P. hat gemäß
vereinbartem Auftrag jeden Tag zwei Stunden zu arbeiten. Wenn er nicht
pünktlich erscheint, hat dies eine Konsequenz zur Folge, die jeweils mit
ihm besprochen wird (z. B. Mithilfe im Nachmittagsdienst). Es lässt sich
folgende Dynamik beschreiben: Je klarer die Aufforderungen, arbeiten zu
gehen, von Mutter und Sozialpädagogen P. gegenüber geäußert werden,
desto mehr Druck verspürt er. Je grösser der Druck wird, desto weniger
sieht er sich in der Lage zu arbeiten. Je weniger er sich in der Lage sieht
zu arbeiten, desto mehr fühlen sich Mutter und Sozialpädagoginnen
gezwungen zu reagieren und desto mehr sieht er sich mit Aufforderungen
von Mutter und Sozialpädagoginnen konfrontiert. Diese Dynamik weist
einen eskalierenden Verlauf auf und führt dazu, dass P. nur noch Druck
von allen Seiten spürt, sich noch mehr zurückzieht und sich durch diesen
Rückzug noch mehr isoliert. Auf der anderen Seite haben Mutter und
Professionelle den Eindruck, immer mehr den Kontakt zu P. zu verlieren,
je mehr sie auf ihn eindringen, arbeiten zu gehen. Und so geht es weiter.
Es sind zwei Teufelskreise festzumachen, die im Moment nicht aufgelöst
werden können und im schlechtesten Fall dazu führen, dass P. überhaupt
nicht mehr arbeiten geht und sich nur noch als Niemand einschätzt und
Mutter wie auch Sozialpädagoginnen völlig ratlos sind.
Erklärende Hypothese (systemischer Ansatz):
Aus dieser kurzen systemischen Bewertung lässt sich folgende erklärende
Hypothese formulieren:
• Weil P. von seinem direkten Umfeld dauernd Druck verspürt, versucht
er sich diesem Druck durch Passivität zu entziehen, was den Druck
wiederum verstärkt und in ihm die Rückzugstendenzen erhöht und zu
Ratlosigkeit bei allen Beteiligten führt.