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Auch wenn es an sich möglich wäre, ein Genogramm von Professionellen aufgrund von Akten in Eigenregie zu erstellen, ist es sinnvoller, dieses mit den beteiligten Klientinnen in gemeinsamer Arbeit aufzuzeichnen. Spätestens wenn die familiäre Situation analysiert wird – indem z. B. die Beziehungen charakterisiert werden –, sind die Klientinnen direkt einzubeziehen, weil diese Bewertungen die Perspektive der Klientinnen selbst wiedergeben müssen.
9.4.2
Zeitstrahl und biografischer Zeitbalken
Die Methode des Zeitstrahls orientiert sich an der Geschichte einer Person, einer Gruppe oder eines Systems. Dabei werden zwei Dimensionen in einem zeitlichen Verlauf näher beleuchtet. Der Zeitstrahl setzt je nach Fall bei der Geburt, bei der Entstehung einer Gruppe oder einer Organisation ein und reicht auf einer Zeitachse bis zur Gegenwart. Auf der ersten Dimension Ebene wird – im Sinne einer Situationserfassung – die Geschichte einer Person, eines Systems, einer Gruppe (Gruppenanamnese) aufgeführt. Die eigentliche Analyse setzt mit der zweiten Dimension ein, die sich mit der Geschichte und Beurteilung der Probleme und Symptombildungen sowie mit den Lösungsversuchen befasst. Die Darstellung von Daten zu diesen beiden Dimensionen auf einer Zeitachse ermöglicht einen Überblick über deren Abfolge und schafft damit eine gewisse Ordnung in Bezug auf deren zeitliche Dimension. Aufgrund der Visualisierung der Daten lassen sich Prozesse erkennen im Sinne von wechselseitigen Wirkungen zwischen System, Problem und Lösungsversuchen, und es können Hypothesen gebildet werden über mögliche Zusammenhänge zwischen Situation und Problem (vgl. Schwing/Fryszer 2013:88–93; hier findet sich auch eine Anleitung für die Durchführung des Zeitstrahls). Der Hintergrund des Zeitstrahls ist auf zwei Entwicklungslinien zurückzuführen. Zum einen finden sich Wurzeln in verschiedenen Ansätzen der Familientherapie (z. B. bei Minuchin 1981). Die andere Linie führt auf Arbeiten zur Organisationslehre zurück (z. B. Glasl/Lievegoed 1996). Beide nutzen Übergangskrisen als Möglichkeiten, sich intensiv mit einer neuen (Lebens-)Phase und Aufgabe auseinander zu setzen. Mit Hilfe dieses Denkmodells können in der Sozialen Arbeit Probleme als normale Übergangskrisen gerahmt werden. Dies bringt einen entlastenden Effekt mit sich, weil es von Gefühlen der Schuld und des Versagens wegführt, einen Perspektivenwechsel ermöglicht und den Fokus auf das lenkt, was verändert werden kann. Der Biografische Zeitbalken ist ähnlich strukturiert wie der Zeitstrahl, ist aber ausschließlich vorgesehen für die Arbeit mit einzelnen Klienten. Pantuček-Eisenbacher (2019) schlägt hier vor, neben der Zeitachse die Dimensionen Familie, Wohnen, Schule/Ausbildung, Arbeit, Delinquenz, Gesundheit sowie Behandlung/Hilfe zu nutzen und darin entlang der Zeitachse jeweils alle wichtigen Lebensereignisse einzutragen (PantučekEisenbacher 2019:223 ff.; 2018:341 f.). Diese mehrdimensionale Timeline eröffnet eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Es werden lebensgeschichtliche Umbrüche durch oft nahezu gleichzeitige Veränderungen in mehreren Dimensionen einer Biografie sichtbar. Auch Besonderheiten interessieren, wie etwa Leerräume (z. B. Arbeitslosigkeit)