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Handlungsmonopol).
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Wissensbasis und wissenschaftliche Ausbildung
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Angehörige von Professionen müssen in besonderer Weise kompetent sein,
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damit sie nicht selbst Schäden anrichten in den sensiblen Lebensbereichen,
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für die sie zuständig sind und wo sie Hilfe leisten sollen. Daraus ergeben
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sich hohe Anforderungen an die Wissensbasis einer Profession und an den
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Kompetenzerwerb. Professionen verfügen über ein besonderes Wissen in
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Bezug auf die sozialen Handlungsprobleme, sie haben eine exklusive
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Wissensbasis, ein systematisiertes, wissenschaftlich fundiertes
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(Sonder-)Wissen. Dieses bedarf spezieller Verfahren der Aneignung, d. h., es
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braucht akademische Ausbildungsgänge, die zumeist auch lange dauern.
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Autonomie in der Berufsausübung
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Menschen, die bei privaten, intimen Angelegenheiten Hilfe suchen bei
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Professionellen, sind in hohem Masse verletzbar. Deshalb muss verhindert
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werden, dass irgendwelche Interessensgruppen hier Einfluss nehmen
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könnten. Professionelle sind deshalb unabhängig von Weisungen in
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fachlichen Dingen, die praktische Berufsausübung geschieht in
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weitestgehender Autonomie. Das Ideal ist die selbständige, freiberufliche
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Tätigkeit. Mittel, um die Unabhängigkeit zu sichern, sind das
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Zeugnisverweigerungsrecht sowie eine materielle Privilegierung, welche
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die finanzielle Unabhängigkeit sicher stellen soll. Die Berufsausübung ist
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auch durch ein hohes Maß an Freiheit von Fremdkontrolle, d. h. von
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Beurteilungen der Leistungen von außen, gekennzeichnet. An deren Stelle
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tritt die Selbstkontrolle: Eine berufsständische Organisation übt eine
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fachliche Selbstkontrolle innerhalb der Profession aus und beschränkt die
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Möglichkeit, geschäftliche Eigeninteressen zu verfolgen. Dieses Recht der
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Profession auf Selbstkontrolle basiert auf einem impliziten Vertrag
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zwischen Gesellschaft und Profession.
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Berufsethische Codices
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Durch die Zuständigkeit für Probleme in sensiblen Lebensbereichen und die
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gemeinnützige Aufgabe ergeben sich ein spezifischer Wertbezug und eine
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am Gemeinwohl ausgerichtete Handlungsorientierung. Diese Bindung an
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zentrale gesellschaftliche Werte wird im Berufsethos verkörpert, welches
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die Standesorganisation (Berufsverband) auch nach außen hin offensiv
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artikuliert. In einer explizit artikulierten Professionsethik wird ein Kanon
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an kodifizierten Verhaltensregeln (code of ethics) festgelegt. Die
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Standesorganisation hat die Aufgabe, die Berufsausübung auch nach
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ethischen Standards zu überwachen. Mangelhafte Qualität der Arbeit in
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einem sensiblen Lebensbereich kann schwerwiegende Folgen für die
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Klienten haben, die abhängig sind von fachlicher Hilfe. Das wichtigste Mittel
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zur Vermeidung des Missbrauchs dieser Abhängigkeit ist die (Aus-)Bildung
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eines spezifischen professionellen Habitus: D. h., Professionelle
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internalisieren das Berufsethos und die zentralen professionellen
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