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Hochuli Freund

31.7.17 S. 73

KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit

schiedlichen ethnischen oder religiösen Gemeinschaften oder auf Grund persönlicher Erfahrungen stark differieren. Moral hat somit keinen wissenschaftlichen Hintergrund oder Anspruch. Ethik ist die wissenschaftliche Reflexion von Moral. Sie beschäftigt sich damit, die gewachsenen Normen und Werte auf der Basis allgemeingültiger, wissenschaftlicher Kriterien zu beleuchten und zu hinterfragen. Solche wissenschaftlichen Kriterien müssen aber erst erarbeitet und definiert werden. Hierzu sucht die normative Ethik nach allgemeingültigen Kriterien und Argumenten, die dazu beitragen, Fragen nach dem guten Leben über historische, kulturelle, religiöse oder soziale Grenzen hinweg zu beantworten. Normative Ethik ist somit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem guten Leben (vgl. ebd.:34). Die Grundfrage »wie sollen wir leben?« (ebd.) wird in der Ethik sowohl hinsichtlich persönlicher Lebensentscheidungen und Denkmuster als auch hinsichtlich des gelingenden sozialen Miteinanders diskutiert. Ethische Überlegungen zu persönlichen Lebensentscheidungen drehen sich um Fragen wie: • »Was für ein Mensch will ich sein?« • »Inwiefern stimmt mein Handeln mit dem Menschen überein, der ich sein will?« (vgl. Dallmann/Volz 2013:13) Ethische Abwägungen zu einem gelingenden sozialen Miteinander müssen über diese persönlichen ethischen Fragen hinaus auch moralische Aspekte reflektieren (vgl. ebd.). Zusammengefasst kann etwas vereinfacht gesagt werden: Ethik denkt einerseits darüber nach, was für den einzelnen Menschen als gutes Leben gelten kann, andererseits reflektiert sie Moral, indem sie fragt, ob die unterschiedlich gewachsenen moralischen Normen unter allgemeingültigen Kriterien tatsächlich zum guten Leben aller beitragen. Übertragen auf die Soziale Arbeit heisst das: Professionsethik denkt darüber nach, was denn gute Soziale Arbeit ist, und sie reflektiert die Werte und Normen, die den praktischen Handlungsvollzügen der Sozialen Arbeit zugrunde liegen daraufhin, ob sie nach wissenschaftlichen Kriterien tatsächlich zu guter Sozialer Arbeit beitragen.

1.2

Das Verhältnis von Ethik, Moral und Professionalität

Thiersch kritisiert 1987 (19ff.), dass Professionen im Namen von Moral »gesellschaftliche Chancen, Arbeits- und Lebensrollen« verteilen. Auf Grund dieser strukturellen Machtposition dürfen sich Professionelle der Sozialen Arbeit nicht an subjektiven, unterschiedlich gewachsenen moralischen Vorstellungen orientieren, denn moralische Orientierungen beinhalten immer auch die Abgrenzung gegenüber Andersdenkenden allenfalls sogar deren Abwertung. Wenn Soziale Arbeit den professionellen Auftrag der Exklusionsvermeidung und Inklusionsvermittlung (Bommes/Scherr 2000:36ff.) erfüllen will, dann muss sie selbst sich moralischer Wertungen und Zuschreibungen gegenüber ihren Klientinnen und Klienten enthalten, weil sie sonst zu deren sozialer Ausgrenzung beiträgt. Ganz 73