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Hochuli Freund

31.7.17 S. 155

Kooperative Bedarfsermittlung und Weiterentwicklung des Wohnbereichs

Während der Verfahrensentwicklung wurde ein Standard an Instrumenten definiert, welche bei jeder KB angewendet werden. Daneben gibt es mehrere weitere Instrumente, die je nach Fall optional beigezogen werden können. Über die Wahl der Instrumente, den Zeitpunkt ihres Einsatzes und ihre sinnvolle Anwendung wird anhand des individuellen Falls entschieden. Mit dem Instrument Silhouette wird mit Hilfe einer Visualisierung gemeinsam die Selbstsicht einer Klientin auf ihre Stärken, Schwierigkeiten, Wünsche und Ängste erfasst. Die Silhouette kann zu einer Perspektivenanalyse erweitert werden, indem die Sichtweise weiterer Personen, meist von wichtigen Bezugspersonen, zu diesen vier Bereichen erfragt werden (vgl. Hochuli Freund 2013). Auf diese Weise ist es möglich, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede, allenfalls auch Widersprüche in den Einschätzungen zu erkennen. Ein weiteres Instrument, das ebenfalls der Erfassung der Selbsteinschätzung der Klienten dient, ist ein Fragebogen zum Hilfebedarf beim Wohnen. Hierzu wurde das in der Behindertenhilfe häufig verwendete H. M. B.-W. Verfahren1 herangezogen und in einen leicht verständlichen Fragebogen umgewandelt (vgl. Metzler 2001). Er enthält zu allen Items Aussagen, die von der Klientin mit »Kann ich«, »Kann ich mit Hilfe«, »Kann ich nicht«, »Weiss nicht« und »Will ich lernen« beantwortet werden können. Der Fragebogen ist optional um die Einschätzung einer Fachperson erweiterbar. Alternativ kann zur Beurteilung des Hilfebedarfs der kürze und in leichter Sprache verfasste Fragebogen des Bezirks Oberbayern (2013) zum H. M. B.-W. Verfahren verwendet werden. Um wichtige biografische Verlaufsdaten zu erfassen, wird mit einer PC-Software zur Erstellung eines Zeitstrahls gearbeitet (vgl. easyBiograph o. J.). Dieser bildet den bisherigen biografischen Verlauf der Klienten auf verschiedenen Ebenen ab (Familie, Schule/Beruf, Gesundheit, Freizeit). In einem zweiten Schritt können Einschätzungen erfragt werden: Welche Ereignisse haben Klientinnen als positiv, welche als schwierig erlebt, oder ähnliche Fragen. Anschliessend können Hypothesen zu wichtigen biografischen Einschnitten, wiederkehrenden Ereignissen oder Mustern formuliert werden (vgl. Hochuli Freund/ Stotz 2015:191193). Da bei der KB ein möglichst umfassendes Bild der Klienten gewonnen werden soll, ist es wichtig, bestehende Systeme und Netzwerke der Klientinnen zu identifizieren, die als Ressource genutzt und später vielleicht in die Empfehlungsplanung miteingebunden werden können. Zur Erfassung vorhandener Netzwerke und Beziehungen wird zusammen mit den Klienten eine Netzwerkkarte erstellt (vgl. ebd.:193195). Hierzu werden Holzfiguren unterschiedlicher Grösse bereitgestellt, die von den Klientinnen in einer Art Koordinatensystem aufgestellt und in Relation gesetzt werden. Das Koordinatensystem umfasst die Bereiche Familie, Freunde, Schule/Beruf und professionelle Beziehungen. Der Klient bildet jeweils die Mitte des Systems. Je näher eine Figur zum Mittelpunkt gesetzt wird, umso höher ist die Bedeutung der Person für die Klientin. Alterna1 Die Abkürzung H. M. B.-W. steht für Hilfebedarf von Menschen mit Behinderung beim Wohnen. Das Verfahren wird in mehreren Bundesländern in Deutschland für die Hilfeplanung und zur Bemessung der finanziellen Leistungen verwendet.

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