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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 64
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Teil 1 Konzeptionelle Grundlagen
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deutungssystemen, erfolgreiche Handlungen – in ihrem Erfahrungswissen also
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– nach irgendetwas Ähnlichem. Schön will das nicht als Subsumption missverstanden wissen. Ein Fall werde dabei nicht in Standard-Kategorien eingeordnet
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und darauf reduziert, vielmehr gehe es darum »to see the unfamiliar, unique situation as both similar to and different from the familiar one« (ebd.:138). Auf
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Grund dieser Ähnlichkeit gelte es, eine allgemeine Metapher für den Fall zu finden und von hier aus ein Untersuchungsexperiment zu beginnen. »It is our capacity to see-as and do-as that allows us to have a feel for problems that do
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not fit existing rules« (ebd.:140).
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Wenn ein Praktiker daraufhin ein ›frame experiment‹ durchführt, lässt er
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sich leiten von seinem professionsbezogenen Bedeutungssystem und seiner theoretischen Orientierung. Die Theorie stellt Begriffe zur Verfügung, um eine Situation rahmen und eine Untersuchung entwickeln zu können (in der Psychotherapie z. B. die psychoanalytische Theorie). Nur mit solchen Wissenssystemen
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lasse sich die Untersuchung entlang eines roten Fadens entwickeln, nur so könne sie den Charakter einer reflexiven Konversation mit der Situation bekommen (ansonsten wäre es nur eine Serie unverbundener Episoden, vgl. ebd.:272).
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In jeder Profession gebe es konkurrierende Theorien und Orientierungssysteme
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(im Beispiel neben Psychoanalyse auch Gestalttherapie, Verhaltenstherapie
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etc.); eine Praktikerin müsse in der Lage sein, hier – grundsätzlich für sich oder
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aber fallbezogen – eine Wahl zu treffen (vgl. ebd.:19, 108).
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»An overarching theory does not give a rule that can be applied to predict or control a
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particular event, but it supplies language from which to construct particular descriptions and themes from which to develop particular interpretations. […] If a practitioner has such a theory, he uses it to guide his reflection-in-action. The nature of the
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reflective conversation varies, from profession to profession and from practitioner to
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practitioner, depending on the presence or absence, and on the content, of overarching
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theory.« (Ebd.:273f.)
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Ein guter Praktiker braucht nach Schön also ein Repertoire an Erfahrungen, ein
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professions-bezogenes, wertebasiertes Bedeutungssystem und eine theoretische
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Orientierung. Grundlegend ist ausserdem eine bestimmte Haltung des fortwährenden Reflektierens (vgl. ebd.:164). Diese Haltung wird sichtbar, indem
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sich eine Praktikerin einer problematischen Situation als einzigartigem Fall nähert und bereit ist, in diese Fallsituation einzutauchen. Sie ist fähig, zunächst
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einen bestimmten Fokus und Rahmen zu setzen. Wenn sie die Implikationen erforscht, die sich aus ihrem Ordnungssystem ergeben, nutzt sie ihren Erfahrungsschatz ebenso wie disziplinäres Wissen. Sie arbeitet mit einer doppelten
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Brille (double vision), denn sie entwickelt kontinuierlich einen bestimmten Untersuchungs- und Verstehensweg, bleibt zugleich aber offen für weitere Möglichkeiten. Ihr Experimentieren hat etwas spielerisch Leichtes und ist zugleich
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eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Fall, die auf ein vertieftes Verständnis und auf Lösungssuche zielt (vgl. ebd.:163f., 269). Die gute Praktikerin
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hinterfragt ihr eigenes Vorgehen auch immer wieder kritisch. Ohne eine solche
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›reflection-on-action‹ – eine Reflexion also über das eigene Handeln – bliebe ihr
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Verstehen implizit und begrenzt, und ihr Wissenssystem könnte allenfalls unbe-
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