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Einschätzungen z. B. in einer Familie erfragen. Erst wenn sie gelernt hat, die
in der Analyse erhobenen Daten auszuwerten und zu gewichten und die
Themen darin herauszuarbeiten, kann sie ein Gespräch mit einer Familie so
führen, dass gemeinsam die Fallthematik bestimmt wird. Ein Prozess der
Expertentätigkeit ist Voraussetzung dafür, in einen dialogischen
Aushandlungsprozess eintreten und dort die Expertenposition vertreten zu
können. Kooperative Prozessgestaltung bedeutet, zwischen beiden Ebenen
der Fallbearbeitung der Fachebene (und hier auch im Diskurs mit
Kolleginnen) und der Kooperationsebene mit Klienten(systemen) flexibel
wechseln zu können bzw. sich auf beiden Ebenen gleichzeitig zu bewegen.
Wenn das Grundprinzip erst verstehen, dann handeln jedoch
internalisiert, die Suchbewegung des Fallverstehens habitualisiert und
beides zu Bestandteilen der professionellen Grundhaltung geworden ist,
dann kann ein Prozesszyklus auch sehr schnell ablaufen und in
Alltagssituationen realisiert werden (bspw. in einer halben Minute, wie in
Kap. 7.3.1 dargestellt).
Daneben braucht es Strukturen für die Fallarbeit auf der Ebene der
Organisation. Der größere Zyklus der Fallarbeit soll institutionalisiert
werden, u. a. mit Hilfe von zeitlichen und räumlichen Gefäßen. Insbesondere
bei komplexen Fällen ist es unabdingbar, dass ein Team gemeinsam diese
Suchbewegung des Fallverstehens unternimmt und auf dieser Basis
Interventionsmöglichkeiten entwirft. Professionalisierung ohne
entsprechende Arbeits- und Reflexionsgefäße für die Professionellen
Fallarbeitssitzungen, Inter- bzw. Supervision ist nicht zu vertreten, vor
allem im Zeitalter zunehmender Ökonomisierung des Sozialen nicht.
Möglichkeiten für die Fallbearbeitung systematisch zu nutzen kann sich als
deutlich effizienter erweisen und ist aus professionsethischer Sicht
angemessener als auf ein Problem in wiederholter Weise mit einer
Symptombehandlung zu reagieren. Ein ganz grundlegender Aspekt von
Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche
Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen. Hierfür sind
Gefäße zu institutionalisieren, welche die Grundlage für professionelles
Handeln bilden.
Wir haben in der Übersicht in den Kapiteln 8 bis 14 jeweils die
Kompetenzen aufgelistet, die für die Gestaltung jedes Prozessschrittes nötig
sind. Zusammen genommen ergibt sich daraus eine Vielzahl von
Kompetenzen, über die Professionelle der Sozialen Arbeit verfügen
(müssen). Dabei ist es nötig, praxisfeld- und aufgabenbezogen zu beurteilen,
welche Kompetenzen besonders wichtig sind und erworben bzw.
weiterentwickelt werden sollen. Die Kompetenzen strukturieren den
Bildungsprozess von angehenden Sozialarbeiterinnen, welcher mit dem
Studium beginnt und weit darüber hinausreicht. Professionskompetenz
umfasst all diese Kompetenzen und besteht aus vielen unterschiedlichen
Aspekten (wie z. B. persönliches Zeitmanagement, Arbeitsbündnisse mit
Klienten(systemen) schaffen, sich mit anderen Professionen vernetzen
können etc.). Voraussetzung zur Erlangung von Professionskompetenz
bilden zudem interaktive und kommunikative Kompetenzen ( Kap. 5).
Professionskompetenz setzt eine hohe Reflexionsfähigkeit voraus, gründet
sich auf ethischer Reflexion, orientiert sich an den übergreifenden Zielen
Sozialer Arbeit und stützt sich ab auf einen professionellen Habitus. Indem