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In der Handlungslogik der Organisation ist eine solche Standardisierung
und Schematisierung des Unterstützungsprozesses sinnvoll: Nicht nur, weil
damit Gleichbehandlung und Transparenz gewährleistet werden können,
sondern auch, weil sie einen Rahmen für fallbezogene Interventionen
darstellen und die fachliche Diskussion um angemessene Interventionen
abkürzen können. Hier scheint ein möglicher Widerspruch auf zur bislang
in diesem Lehrbuch propagierten Notwendigkeit, Interventionen auf der
Basis der Analyse und Diagnose des je besonderen Falles zu konzipieren
zumindest dann, wenn Prozessabläufe nicht modifizierbar sind und
Stufenpläne sehr eng umgesetzt werden. Merchel verweist denn auch auf
die spezifischen institutionellen Bedingungen, unter denen sich Planung in
der Sozialen Arbeit vollzieht und die den Planungsprozess in besonderer
Weise beeinflussen, und nennt dabei insbesondere »das
Beharrungsvermögen der Organisationen sowie die in den
Organisationsstrukturen und im Organisationsleben zum Ausdruck
kommenden Sinnstrukturen« (2005:1365). Diese Sinnstrukturen einer
Organisation können der Handlungslogik in einem Fall entgegenstehen und
erschweren, dass fallbezogen angemessene Interventionen realisiert
werden können. So berichten beispielsweise Goblirsch et al. in
Zusammenhang mit einem Projekt rekonstruktiver Diagnostik in einer
Einrichtung der stationären Jugendhilfe, dass die organisationsbezogenen
Folgen des Projekts zunächst unterschätzt worden waren; aufgrund von
Falldiagnosen seien Interventionsvorschläge gemacht worden, welche für
die Flexibilität der Organisation eine große Herausforderung darstellten
(vgl. 2007:236 f.).
Zusammen mit ständigem Handlungsdruck und dem Fehlen
institutionalisierter, handlungsentlasteter Reflexionsgefäße können
geschlossene, schematisierte Planungskonzepte in Organisationen bei
Professionellen eine Grundhaltung präformieren des immer bereits wissen,
worum es in einem Fall geht und was zu tun ist. Eine Organisation mit
einem offenen Planungskonzept hingegen bietet einen Rahmen für die
Entwicklung und Realisierung fallbezogen sinnvoller Interventionen; die
Standardisierung von Prozessabläufen die bei Bedarf variierbar sind
kann dabei unterstützend wirken. Flexibilität ist ein Kennzeichen solcher
Organisationen. Erfahrungswissen wird hier genutzt als ein Schatz, auf den
beim Entwurf diagnosebasierter Interventionsszenarien zurückgegriffen
werden kann, die aber auf ihre fallbezogene Angemessenheit hin überprüft
werden.
12.3
Konzepte und Methoden
Wir wollen in diesem Abschnitt der Frage nachgehen, auf welche
grundlegenden handlungsleitenden Konzepte sich die Interventionsplanung
abstützen kann, wie diese beschaffen sind und welche Bedeutung ihnen
zukommt. Dabei interessiert auch die Frage, ob sie spezielle
Interventionsmethoden enthalten, die bei der fallbezogenen
Interventionsplanung berücksichtigt werden müssen. Unter dem Begriff
Evidence Based Practice (EBP) wurden in letzter Zeit in der Forschung
empiriegestützte Methoden für die Interventionsplanung entwickelt, die