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Ethik kann verstanden werden als Denken über Moral und Ethos; Ethik
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Sozialer Arbeit ist nach Lob-Hüdepohl »die kritisch-konstruktive Reflexion
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moralischer Dimensionen und normativer Grundlagen beruflicher Sozialer
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Arbeit« (2007:117). Heiner versteht Ethik als Wissenschaft, die in
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systematischer Weise die Phänomene Ethos und Moral kritisch diskutiert
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(vgl. 2010:169 f.). Dabei geht es nach Eisenmann darum, dass Ethik die
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individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Voraussetzungen von Ethos
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und Moral anerkennt, die Folgen ihrer Ausprägung erfasst und beschreibt
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(deskriptive Ethik) sowie auch ihre Angemessenheit begründet (normative
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Ethik) (vgl. 2006:36 ff.). Moral kann aufgefasst werden als das Insgesamt
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von nicht reflektierten tradierten und biografisch gefärbten Vorstellungen
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vom ›richtigen‹, ›guten‹ ›sozial adäquaten‹ Verhalten, das handlungsleitend
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ist für ein gelingendes Leben. Diese Vorstellungen sind geleitet von Zielen,
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Normen, Deutungsmustern und Gewissheiten vom richtigen Tun. Als Ethos
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können Verhaltensmaßstäbe, Wertvorstellungen und Zielsetzungen gesehen
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werden, die reflektiert sind und bewusst übernommen wurden (vgl. Heiner
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2010:169 f.; Lob-Hüdepohl 2007:117; Stimmer 2012:54 f.).
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Deskriptive wie normative Ethik orientieren sich an Kriterien und
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Prinzipien, die wiederum hergeleitet werden müssen. Dabei stellt sich die
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Frage, an welcher übergreifenden, allgemeinen Ethik oder Moraltheorie sich
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diese Prinzipien orientieren. Geschah die Ausrichtung in der Sozialarbeit
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und Sozialpädagogik in früheren Zeiten nach emanzipatorischen oder
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religiösen Grundüberzeugungen, können Sozialpädagoginnen die Wahl
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ihrer Referenztheorie im Zeitalter der Globalisierung und
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Individualisierung nicht willkürlich auf individueller Ebene vornehmen in
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dem Sinne, dass sie nach ihren Vorstellungen von Gerechtigkeit, Fairness,
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gutem Leben ihren beruflichen Alltag gestalten. Die Orientierung soll
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einerseits in Bezug auf den Gegenstandsbereich der Sozialen Arbeit
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erfolgen. Das bedeutet, dass die spezifischen Anforderungen, Ausprägungen
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und Eigenheiten des jeweiligen Arbeitsbereichs der Sozialen Arbeit
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besonders zu berücksichtigen sind. Anderseits ist auf die fachliche
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Eigenlogik der Sozialen Arbeit zu achten, die sich erst in der
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wissenschaftsgestützten Entwicklung entsprechender Ansätze und
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Konzepte herauskristallisiert. Damit wird die »Ethik Sozialer Arbeit
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integraler Bestandteil einer reflexiven Theorie beruflicher Sozialer Arbeit
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insgesamt (…). In diesem Sinne reflektiert eine Ethik Sozialer Arbeit alle
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moralischen Orientierungen und normativen Implikationen, die dem
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einzelnen sozialprofessionellen Handeln wie den institutionellen
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Vermittlungsformen (…) und strukturellen Rahmenbedingungen (…)
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Sozialer Arbeit faktisch innewohnen« (Lob-Hüdepohl 2007:118).
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Schlittmaier (vgl. 2006:45 f.) zeichnet verschiedene Dimensionen einer
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Ethik Sozialer Arbeit auf, auf die kurz eingegangen werden soll, weil sich die
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Herausforderungen dabei gut aufzeigen lassen. Als erste Dimension nennt
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er die Praxis Sozialer Arbeit als Resultat einer komplexen
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Konstitutionsleistung, an der verschiedene Variablen wie z. B.
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Professionelle, Klientinnen, Organisationen etc. beteiligt sind und in der die
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Ethik ein bestimmendes Element darstellt, weil sie auf die Intentionen und
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Interventionen der Professionellen, auf die Ausrichtung und Gestaltung von
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Organisationen sowie auf rechtliche Normierungen einwirkt. Im Bereich der
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Wissenschaft Sozialer Arbeit, die ja auch Auswirkungen auf die Praxis hat
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