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sei distanziert und durch Vorurteile geprägt. Idealerweise bereichern,
durchdringen und befruchten sich die beiden Systeme gegenseitig:
Professionelle nutzen wissenschaftliches Wissen um einen konkreten
Einzelfall einordnen und verstehen zu können und auf dieser Basis
Interventionen planen zu können. Wissen ist eine notwendige
Voraussetzung für professionelles Handeln. Gleichzeitig lassen sich aus
wissenschaftlichem Wissen keine Regeln für das konkrete berufliche
Handeln im Einzelfall ableiten, ist der Nutzen von wissenschaftlichem
Wissen immer beschränkt. Auch wenn es unabdingbar ist, den konkreten
Einzelfall auf der Folie des Allgemeinen beleuchten zu können, so reicht das
theoretische Wissen nie aus, um das konkrete Handeln im Fall bestimmen
zu können. Professionelle der Sozialen Arbeit müssen nicht nur in der Lage
sein, wissenschaftliches Wissen auf den Fall zu übertragen, zu
transformieren, sondern darüber hinaus auch zu verknüpfen mit den
Informationen von Klientinnen zu ihrer Lebenssituation und zu ihrer
eigenen Deutung dieser Situation (vgl. u. a. Merten 2013a:670;
Kap. 10.2.1).
2.2
Praxisfelder, Professionsauftrag und
Grundorientierungen
Im vorangehenden Kapitel haben wir bereits auf die Vielseitigkeit der
Aufgaben der Sozialen Arbeit und auf den historischen Prozess der
zunehmenden Ausdifferenzierung von Praxisfeldern und Hilfeangeboten
hingewiesen. Dieser Prozess kann nur verstanden werden vor dem
Hintergrund des sozialen Wandels und der zunehmenden Komplexität der
Gesellschaft. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich der
gesellschaftliche Modernisierungsprozess umschreiben mit den
Stichworten Enttraditionalisierung von Milieus und Sozialformen sowie
Pluralisierung der Lebensformen, Strukturwandel der Institution Familie,
Krise der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft, Erosion der sog.
Normalarbeitsbiografie, Entkoppelung von Bildung und Beruf,
demografischen Veränderungen (u. a. in Bezug auf das Alter), Veränderung
der Geschlechterrollen, Strukturwandel der Jugendphase etc. (vgl. u. a.
Chassé/von Wensierski 2004a:10 f.; Parpan-Blaser 2005:136). Im Zeitalter
von Globalisierung und Wissensgesellschaft ändern sich die sozialen
Probleme und die Muster sozialer Ungleichheit und Benachteiligung immer
schneller und damit verändern sich stets auch die Aufgaben sozialer
Integration.
2.2.1
Praxisfelder
Die Antwort der Sozialen Arbeit auf den beschleunigten gesellschaftlichen
Wandel lässt sich zunächst als Expansion beschreiben, als quantitativer
Ausbau ihrer Angebote. Einerseits wurden neue Aufgabenfelder
erschlossen, andererseits vollzog sich innerhalb der Aufgabenfelder eine
Diversifizierung und Spezialisierung der Angebote, die auf eine höhere
Qualität der Hilfe hinweisen. Otto/Thiersch (2011:V) sprechen von einer