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Mit Hilfe des Prozessmodells gewinnen Sozialarbeiterinnen einen
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Überblick über ihr momentanes professionelles Handeln und können
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erkennen, was in sinnvoller Weise als nächste Aufgabe anzugehen ist. In
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diesem Sinn hilft die Ausrichtung am Prozessmodell das eigene Handeln zu
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systematisieren. Die dem Prozessmodell inhärente Orientierungsstruktur
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bietet auch die Möglichkeit zu prüfen, welche der gängigen Methoden,
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Techniken und Handlungsansätze, mit denen in einer Organisation
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gearbeitet wird, sich eignen und wie man diese fruchtbar machen und in die
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einzelnen Prozessschritte integrieren kann. Studierende der Sozialen Arbeit
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können das Prozessmodell als Hilfsmittel nutzen, Theorien, Konzepte und
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Methoden, die sie im Studium kennenlernen, einzuordnen und dabei deren
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Eignung und Reichweite für das methodische Handeln zu prüfen.
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Das zirkulär gedachte Prozessmodell ist als Denkstruktur zu betrachten,
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die eine Hintergrundfolie bildet, vor der das professionelle Handeln
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fallbezogen und situativ zu entwickeln ist. Es vermittelt eine Vorstellung
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davon, wie die einzelnen Prozessschritte zusammenhängen und bildet eine
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Struktur für professionelles Denken und Handeln. Diese Denkstruktur
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vermittelt, dass jeder Prozessschritt seine Bedeutung hat und während
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eines längeren Hilfeprozesses mindestens einmal zu durchlaufen ist. Es geht
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in der Sozialen Arbeit immer wieder darum, eine Situation möglichst genau
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zu erfassen, die relevanten Informationen zusammenzutragen,
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anschließend zu klären, worum es bei diesem Fall eigentlich geht und zu
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verstehen, was hinter dem Verhalten einer Person steht oder was z. B. dazu
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geführt hat, dass sich die Situation in einem Stadtteil so zugespitzt hat, dass
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sich ältere Leute nach Einbruch der Dämmerung kaum mehr trauen, auf die
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Straße zu gehen. Für Studierende der Sozialen Arbeit kann dieser
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Denkrahmen ein hilfreiches Modell darstellen, sich mit der Prozessstruktur
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vertraut zu machen und sich die Abfolge der einzelnen Prozessschritte zu
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merken wie auch deren inneren Zusammenhang zu begreifen.
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Viele Geschehnisse im Berufsalltag in den verschiedenen Praxisfeldern
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der Sozialen Arbeit sind nicht voraussehbar, etliche Entscheide fallen
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simultan, es entsteht manchmal eine Dynamik, in die sich ein
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Sozialpädagoge selbst verwickelt, dabei den Überblick verliert und in der
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plötzlich alles ganz anders kommt, als er es sich vorgestellt hat.
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Möglicherweise fragt er sich, von welchem Nutzen denn in dieser Situation
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ein Prozessmodell ist, das zwar übersichtlich wirkt und in dem jeder
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Prozessschritt ganz klar abgegrenzt aufgezeichnet ist, aber ohne Bezug zur
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momentanen Situation erscheint. Wir meinen, gerade weil der Alltag
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manchmal so unübersichtlich ist, Verhalten und Handlungen von Klienten
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unerwartet geschehen, Professionelle sich im Unklaren sind, welche
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›Intervention‹ denn nun in sinnvoller Weise angebracht wäre, braucht es
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einen Orientierungsrahmen, an dem sich das eigene Handeln immer wieder
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auszurichten vermag.
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Ein Beispiel mag dies illustrieren: Ein Sozialarbeiter arbeitet mit einer
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Familie zum Thema ›respektvoller gegenseitiger Umgang‹. Mitten in
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einem Rollenspiel stellt er fest, dass von einem Teilnehmenden plötzlich
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ein neues Thema eingebracht wird, auf das alle anderen
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Familienmitglieder sehr emotional reagieren und dass sich innert kurzer
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Zeit eine enorme Spannung aufbaut. Nun kann er sich in Bezug auf das
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Prozessmodell fragen, was in dieser Situation am Sinnvollsten zu tun ist:
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