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insbesondere aber in der Medizin. Hier meint Diagnose das Erkennen und
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Feststellen einer Krankheit, und unter Diagnostik wird die Fähigkeit und
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Lehre verstanden, Krankheiten zu erkennen und daraus Indikationen für
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deren Behandlung abzuleiten.
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Diagnose als Mittel zur Professionalisierung
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Ärzte stellen eine der drei klassischen Professionen dar ( Kap. 3.1); ihr
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Expertentum zeigt sich insbesondere in der ärztlichen Diagnose. Dass die
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Sozialarbeiterin Mary Richmond in ihrem 1917 in New York erschienen
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Buch ›Social Diagnosis‹ den Begriff erstmals auch für die Soziale Arbeit
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beanspruchte, gilt als Meilenstein in der Professionsentwicklung. Bei
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Richmond basieren soziale Diagnosen auf einer umfassenden
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Datenerhebung zur sozialen Situation und zur Persönlichkeit eines
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Menschen, der in eine soziale Notlage geraten war, und sie dienen zur
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Ermittlung des Hilfebedarfs und zur Vermeidung unpassender Hilfe. Alice
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Salomon hat den Text von Richmond übersetzt und an die deutschen
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gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen angepasst; mit ihrem
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Buch ›Soziale Diagnose‹ wurde der Begriff 1926 auch in Deutschland in den
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Diskurs eingeführt (vgl. Buttner et al. 2918a:11 f., Harnach-Beck 1999:42).
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Gemäß Salomon ist nicht nur eine sorgfältige Sammlung von Daten
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entscheidend, sondern auch deren Deutung unter Rückgriff auf
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wissenschaftliche Erkenntnisse (vgl. Salomon 1926:13). Es dauerte
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allerdings noch lange, bis sich Diagnose als Aufgabe in der Sozialen Arbeit
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etablieren konnte und nicht mehr (bzw. nur noch selten) an die
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Nachbardisziplinen Psychologie und Medizin delegiert wurde. In den
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1980er wurde kontrovers diskutiert, ob der Diagnosebegriff für die Soziale
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Arbeit geeignet ist und wie er professionsspezifisch gefüllt werden kann
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(vgl. u. a. Kunstreich et al. 1988). Insbesondere die Arbeiten von Schütze
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(1993), von Müller (2017; 1. Ausgabe 1993) und von
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Mollenhauer/Uhlendorff (1992; 1995) haben die Entwicklung einer
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eigenständigen Diagnostik in der Sozialen Arbeit vorangetrieben (vgl. u. a.
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Jakob 1999:103 ff., Schrapper 2008:199). In den letzten beiden Jahrzehnten
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sind viele Publikationen erschienen, u. a. die Sammelbände zu Diagnostik
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herausgegeben von Jakob/Wensierski (1997), Peters (1999),
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Ader/Schrapper (2002), Heiner (2004), Schrapper (2004), die sich alle als
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Beitrag zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit verstehen. Der neuste
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Stand des Diskurses zu Sozialer Diagnostik ist in zwei Handbüchern
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aufgearbeitet (Buttner et al. 2018, Buttner et al. 2020). Die rege Publikation
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von Forschungsbeiträgen hält nach wie vor an, was nicht nur ein Anzeichen
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dafür ist, dass die Entwicklung und Ausdifferenzierung von diagnostischen
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Konzepten und Methoden in der Sozialen Arbeit im Gange ist, sondern auch
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den hohen Stellenwert der Diagnose für die Professionsentwicklung
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aufzeigt. Denn Diagnose und Professionalisierung gehen miteinander
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einher, sie bedingen sich gegenseitig und sind ohne einander kaum denkbar,
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so die These von Turner 2002 (vgl. Goblirsch et al. 2007:236 f.).
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Aufgabe und Anforderungen
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