2026-001/documents/arbeit/pages/025.md
KPG Mentor 0cec1b5740 feat: extract individual page markdown files from PDFs
Generated pages/ subfolders for all documents:
- arbeit: 386 pages
- praxis: 297 pages
- EPG: 11 pages

Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer.
Extracted using pdftotext.
2026-03-05 11:13:56 +00:00

50 lines
3.3 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

selbsttätige Subjekt (vgl. Reyer 2002:27 f.; Hochuli Freund 2005:174 f.).
Eine weitere Wurzel der Sozialpädagogik liegt in den wirtschaftlichen
und sozialen Folgen der industriellen Revolution, welche im 19. Jahrhundert
zur Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungskreise geführt hat.
Mit den Anstalten zunächst für arme, verwaiste und gefährdete Kinder und
in der zweiten Jahrhunderthälfte auch für verwahrloste Jugendliche
entstand jenes Praxisfeld, das später Heimerziehung genannt wurde (vgl.
Hochuli Freund 1999). Die Anstalten verstanden ihren Auftrag als
Erziehung von Kopf, Herz und Hand (gemäß Pestalozzi), als Rettung im
religiösen Sinne sowie als Rettung aus verkommenen gefährdenden
Verhältnissen, und schließlich und dies war in der Realität wohl am
bedeutsamsten als Disziplinierung mit dem Ziel gesellschaftlicher
Anpassung. Sozialpädagogik kann also auch verstanden werden als
gesellschaftliche und pädagogische Antwort auf die sozialen Probleme des
19. Jahrhunderts, als Versuch, diesen mit Mitteln der Erziehung zu
begegnen (vgl. Hochuli Freund 2005a:174 f.).
Die Praxisfelder der Sozialpädagogik sind im Verlaufe des
20. Jahrhunderts vielfältiger und breiter geworden. Sozialpädagogik als
Kinder- und Jugendhilfe befasst sich mit den Entwicklungsproblemen von
jungen Menschen beim Hineinwachsen in das gesellschaftliche Umfeld und
mit angemessenen Unterstützungsangeboten zur Bewältigung dieser
Schwierigkeiten. Darüber hinaus beansprucht die Sozialpädagogik
zunehmend Zuständigkeit für den ganzen Lebenslauf, indem sie sich auf ein
erweitertes Sozialisationskonzept als Metakonzept bezieht, das Bildung als
lebenslange Aufgabe ansieht; Chassé/von Wensierski (2004a:8) bezeichnen
dieses Phänomen als Sozialpädagogisierung der Lebensphasen.
Entsprechend vielfältig sind heute die sog. sozialpädagogischen
Praxisfelder. Böhnisch bezeichnet die Sozialpädagogik einerseits als
erziehungswissenschaftliche Disziplin und gleichzeitig als Theorie
besonderer Praxisinstitutionen, insbesondere der Jugendhilfe. Als Disziplin
beschäftige sie sich »mit jenen sozialstrukturell und institutionell bedingten
Konflikten zwischen subjektiven Antrieben und Vermögen der Kinder und
Jugendlichen und gesellschaftlichen Anforderungen, wie sie in Familie,
Schule, Arbeitswelt und Gemeinwesen vermittelt sind. Sie versucht, diese
Konflikte aufzuklären, ihre Folgeprobleme zu prognostizieren und in diesem
Kontext die Grundlagen für erzieherische Hilfen zu entwickeln« (Böhnisch
1979:22 zit. in Hamburger 2003:14).
Sozialarbeit
Die Sozialarbeit hingegen hat sich aus der Armenfürsorge entwickelt und
steht im Kontext der Herausbildung des Sozialstaates in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Hintergrund war auch hier die Entstehung der
Industriegesellschaft und der mit ihr verbundenen sozialen Problemen. Das
Armutsproblem verschärfte sich und verwandelte sich in die sog. soziale
Frage, der allein mit polizei- und ordnungspolitischen Strategien nicht
mehr begegnet werden konnte. Zuvor war die Armenpflege seit langer Zeit
kommunal organisiert gewesen. Die Gemeinden waren zur Unterstützung
der Hilfsbedürftigen verpflichtet. Voraussetzung allerdings war die Prüfung
der Anspruchsberechtigung. Die materielle Unterstützung war knapp
bemessen und an diskriminierende Umstände gebunden (vgl. Müller