32 lines
5.3 KiB
Markdown
32 lines
5.3 KiB
Markdown
# 15 Schlusswort
|
||
|
||
Dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung liegt ein spezifisches Fachlichkeitsverständnis zugrunde, ([das die Kooperation mit Klient*innen in den Mittelpunkt stellt und ein Prozessmodell als Orientierungsrahmen für professionelles Denken und Handeln bereitstellt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-1)). Im Lehrbuch wurden die wichtigsten Methoden und Instrumente im deutschsprachigen Raum systematisiert. Das zentrale Anliegen ist die Vermittlung eines Grundverständnisses professionellen Handelns, das sich in Kurzformeln fassen lässt: ›zuerst verstehen, dann handeln‹ als Suchbewegung des Fallverstehens, Offenheit und Neugier, die Verschränkung von Fachebene und Kooperation mit Klient*innen sowie das Wissen, in welchem Prozessschritt man sich bewegt.
|
||
|
||
## Gewichtung der Prozessphasen
|
||
|
||
Dieses Grundverständnis verändert die übliche Gewichtung: ([Nicht Interventionen allein stehen im Zentrum einer oft unter grossem Handlungsdruck stehenden Praxis](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-2)), vielmehr kommt der analytischen Phase eine bedeutende Stellung zu, weil sie erst die Voraussetzungen für angemessene Interventionen schafft. Der ersten Phase ist mehr Raum und Zeit zuzumessen — für genaue Analyse, Diagnose und sorgfältige Evaluation.
|
||
|
||
## Ausbildung und Kompetenzerwerb
|
||
|
||
([Ziel einer Ausbildung auf Hochschulebene ist die Entwicklung eines solchen Grundverständnisses; erforderlich dazu ist zunächst Wissensvermittlung zu den Grundlagen Sozialer Arbeit, zum Konzept und zu einzelnen Methoden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-3)). Für den Kompetenzerwerb braucht es didaktische Arrangements mit Verlangsamung und Komplexitätsreduktion sowie zwingend zwei Lernorte: die Hochschule zur handlungsentlasteten Fallarbeit und die Praxis mit realen Handlungssituationen.
|
||
|
||
Am Lernort Praxis stehen Studierende vor der Herausforderung, dass Organisationen nach eigener, oft bürokratischer Logik funktionieren. Kooperative Prozessgestaltung in verlangsamter Form ist für die Kompetenzentwicklung unerlässlich: ([Erst wenn eine Studentin gelernt hat, die in der Analyse erhobenen Daten auszuwerten und die Themen herauszuarbeiten, kann sie ein Gespräch so führen, dass gemeinsam die Fallthematik bestimmt wird](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-4)). Ist das Grundprinzip internalisiert und die Suchbewegung habitualisiert, kann ein Prozesszyklus auch sehr schnell ablaufen.
|
||
|
||
## Organisation und Reflexion
|
||
|
||
([Auf Organisationsebene braucht es Strukturen: Der grössere Zyklus der Fallarbeit soll institutionalisiert werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-5)), insbesondere bei komplexen Fällen, in denen ein Team gemeinsam die Suchbewegung des Fallverstehens unternimmt und Interventionsmöglichkeiten entwirft. ([Ein grundlegender Aspekt von Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen; hierfür sind Gefässe zu institutionalisieren](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-11)).
|
||
|
||
In den Kapiteln 8 bis 14 wurden die ([für jeden Prozessschritt nötigen Kompetenzen aufgelistet — zusammengenommen ergibt sich eine Vielzahl, über die Professionelle verfügen müssen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-6)). Professionskompetenz umfasst viele Aspekte, setzt hohe Reflexionsfähigkeit voraus und orientiert sich an den übergreifenden Zielen Sozialer Arbeit.
|
||
|
||
## Methodenintegration und Praxiseinsatz
|
||
|
||
([Der methodenintegrative Anspruch des Lehrbuchs setzt sich dem Eklektizismus-Vorwurf aus](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-7)): Manche Methoden stammen aus eigenständigen Theorien, deren Gesamtzusammenhang bei der Eingliederung in die KPG-Systematik nicht vollständig berücksichtigt wird — dies wird zugunsten des umfassenden Konzepts in Kauf genommen.
|
||
|
||
([Das Konzept ist für den praxisfeldübergreifenden Einsatz in unterschiedlichsten Organisationen konzipiert, was einen gewissen Abstraktionsgrad bedingt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-8)). In Forschungs- und Entwicklungsprojekten wurde mit Praxisorganisationen erarbeitet, wie KPG für spezifische Arbeitsfelder konkretisiert werden kann. ([Als grösste Herausforderung erweist sich der Übergang von der analytisch-diagnostischen zur Handlungsphase: gemeinsam mit Klient*innen Grobziele zu formulieren und die Interventionsplanung auf erarbeiteten Erkenntnissen aufzubauen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-12)).
|
||
|
||
## Professionalisierung
|
||
|
||
Soziale Arbeit wurde als professionalisierungsbedürftige Profession mit spezifischen Strukturbedingungen und Widersprüchen dargestellt. ([Professionalisierung ist durch mindestens zwei Merkmale gekennzeichnet: strukturiertes, reflektiertes methodisches Vorgehen und die Verwobenheit der Fallbearbeitung aus Expert*innensicht mit dem dialogischen Verständigungsprozess mit Klient*innen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-9)).
|
||
|
||
([Das Lehrbuch soll dazu beitragen, dass Klient*innen in ihrem Autonomiebestreben und ihrer sozialen Integration verstanden und gut unterstützt werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-10)), dass Sozialpädagog*innen ihre Kompetenz selbstbewusst in die interprofessionelle Zusammenarbeit einbringen und sich zunehmend in den politischen Diskurs um soziale Gerechtigkeit einmischen.
|