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5fb38dc4ee
@ -100,3 +100,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md)
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- **Lines:** 2766-2766
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- **Quote:** "Bei jeder Zielfindung und -setzung ist in zweifacher Hinsicht Bezug zu nehmen auf den Prozessschritt Diagnose bzw. Analyse."
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## Reference 13
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen
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- **Pages:** 275
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- **Lines:** 2611
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- **Quote:** "Abgeleitet vom griechischen Begriff ›Telos‹ (Ende, Schluss(punkt)) besagt der Begriff Ziel in den verschiedensten Disziplinen und Lebensbereichen, dass das Denken oder Handeln auf etwas ausgerichtet ist, das man erreichen möchte."
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## Reference 14
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen
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- **Pages:** 275
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- **Lines:** 2611
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- **Quote:** "In unserem Konzept unterscheiden wir einerseits den in verschiedensten Konzeptionen angesprochenen Zeithorizont der Ziele mit den drei Ebenen Fernziele, Grobziele und Feinziele."
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## Reference 15
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** Lösungsorientierung
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- **Pages:** 277
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- **Lines:** 2621
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- **Quote:** "De Shazer et al. suchen in der lösungsorientierten Arbeit mit Klienten nach Situationen, in denen ein bestimmtes Problem nicht aufgetaucht ist."
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## Reference 16
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** 11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen
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- **Pages:** 276
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- **Lines:** 2613
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- **Quote:** "Das gemeinsame Entwickeln von Zielen stellt auch eine Antwort dar auf die ethische und fachliche Anforderung, Klientinnen nicht zu manipulieren, weil man ja nur das Beste für sie erreichen möchte und möglicherweise glaubt, den Verbesserungsbedarf bereits erkannt zu haben."
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## Reference 17
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** Hierarchisierung
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- **Pages:** 288
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- **Lines:** 2709
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- **Quote:** "Als Kriterien für gute Grobziele gelten: sie sind - im Falle von Bildungszielen - den Klientinnen wichtig, bedeutsam und diagnosebasiert . Sie sind motivierend, werden als erreichbar angesehen und sind akzeptiert."
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## Reference 18
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 11 Zielsetzung
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- **Section:** 11.4 Formulierung von Zielen
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- **Pages:** 289
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- **Lines:** 2748
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- **Quote:** "In unserem Konzept werden im Prozessschritt Zielsetzung deshalb ausschließlich Grobziele formuliert. Sie sollen analyse-diagnosebasiert entwickelt werden und für die Beteiligten wichtig und motivierend sein."
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# 11 Zielsetzung
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Das Kapitel zur Zielsetzung beschreibt Aufgabe, Bedeutung und Formen der Arbeit mit Zielen in der Sozialen Arbeit. Es behandelt die kooperative Zielfindung mit Klientinnen, einschließlich der Arbeit mit wenig motivierten Klientinnen, und stellt Methoden der Zielformulierung und -hierarchisierung vor.
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Die Zielsetzung bildet den vierten Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung und markiert den Übergang von der analytisch-diagnostischen Phase zur Handlungsplanung. ([Mit der Formulierung der handlungsleitenden Arbeitshypothese wird ein erster Schritt von der Diagnose zu den Zielsetzungen unternommen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-1)), indem der Fokus auf das gerichtet wird, was den Interventionsprozess leiten soll. Dem eigentlichen Setzen von Zielen geht ein längerer ([Prozess der Zielfindung voraus, der einen analytisch-diagnostischen Prozess miteinschließt](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-2)) und als äußerst bedeutsam erachtet wird.
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**Seiten:** 274-292
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**Zeilen im Quelldokument:** 2603-2822
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## Begrifflichkeit und Bedeutung
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## Key Concepts
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([Abgeleitet vom griechischen Begriff ›Telos‹ besagt der Begriff Ziel, dass das Denken oder Handeln auf etwas ausgerichtet ist, das man erreichen möchte](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-13)). Ein Ziel bezeichnet einen zukünftig zu erstrebenden Zustand und ist dadurch charakterisiert, dass ein Mensch zu dessen Erreichung aktiv werden muss. Damit aus einer Wunschvorstellung ein Ziel wird, braucht es einen Verwirklichungsvorsatz — eine Willenserklärung und Entscheidung, die eigenen Kräfte auf das Ziel zu konzentrieren, auch wenn das Erreichen ergebnisoffen bleibt.
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- Aufgabe, Bedeutung und Formen
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- Die Arbeit mit Zielen in anderen Konzepten
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- Lösungsorientierung
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- Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)
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- Zielfindung und Zielsetzung in Kooperation
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- Zielfindung mit wenig motivierten Klientinnen
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- Dialogisches Aushandeln von Zielen
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- Formulierung von Zielen
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- Bildungs- und Unterstützungsziele
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- Kopf, Herz, Hand: Ein mögliches Zielentwicklungssystem
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Es gibt unterschiedliche Formen und Ebenen von Zielen. Das KPG-Konzept ([unterscheidet den Zeithorizont der Ziele mit den drei Ebenen Fernziele, Grobziele und Feinziele](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-14)) und differenziert zudem, wer im Fokus eines Zieles steht: Bildungsziele von Klient*innen und damit zusammenhängende Unterstützungsziele der Professionellen.
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## Evidence References
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## Lösungsorientierung und Zürcher Ressourcen Modell
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- [11 Zielsetzung](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-1) (S. 274, Z. 2605)
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- [11.1 Aufgabe, Bedeutung und Formen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-2) (S. 276, Z. 2613)
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- [Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-3) (S. 279, Z. 2625)
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- [Zielfindung mit wenig motivierten Klientinnen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-4) (S. 281, Z. 2639)
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- [Dialogisches Aushandeln von Zielen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-5) (S. 283, Z. 2651)
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- [11.4 Formulierung von Zielen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-6) (S. 284, Z. 2667)
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- [Bildungs- und Unterstützungsziele](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-7) (S. 285, Z. 2677)
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- [Kopf, Herz, Hand: Ein mögliches Zielentwicklungssystem](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-8) (S. 286, Z. 2700)
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- [Fernziel](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-9) (S. 287, Z. 2722)
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- [11.5 Reflexion des Prozessschrittes](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-10) (S. 289, Z. 2752)
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- [11.5.1 Methodenreflexion](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-11) (S. 290, Z. 2760)
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- [11.5.1 Methodenreflexion](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-12) (S. 290, Z. 2766)
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Zwei Konzepte aus psychosozialen Nachbardisziplinen sind für die Zielfindung besonders relevant. Der lösungsorientierte Ansatz basiert auf dem Modell der Kurzzeittherapie: ([De Shazer et al. suchen in der lösungsorientierten Arbeit mit Klienten nach Situationen, in denen ein bestimmtes Problem nicht aufgetaucht ist](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-15)). Der Fokus liegt auf Gelingendem und Ressourcen statt auf Problemerklärungen. In der Sozialen Arbeit sind jedoch Setting und Auftragsstruktur zu berücksichtigen — Problemdefinition und -erhellung bleiben wichtige Schritte, ehe gezielt Lösungen konstruiert werden können.
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Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), ([dessen Ausführungen auf den Arbeiten von Maja Storch und Frank Krause basieren](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-3)), betont die Rolle somatischer Marker und unbewusster Bewertungsprozesse bei der Zielarbeit. Über Bilder und deren Transformation in Sprache entstehen sogenannte Motto-Ziele — Haltungsziele, die als Annäherungsziele formuliert werden, vollständig der eigenen Kontrolle unterliegen und eine positive Affektbilanz aufweisen sollen.
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## Kooperative Zielfindung
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([Das gemeinsame Entwickeln von Zielen stellt eine Antwort dar auf die ethische und fachliche Anforderung, Klientinnen nicht zu manipulieren](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-16)). Übergeordnete Orientierungslinie bildet die grundlegende Ausrichtung der Sozialen Arbeit: Ziele sollen die (Wieder-)Herstellung einer autonomen Lebenspraxis unterstützen und zur Bewältigung eines gelingenden Alltags beitragen. Professionelle erkunden mit Klient*innen, was subjektiv wichtig und bedeutsam ist, und erarbeiten Bildungsziele, die einen Kompetenzzuwachs anvisieren.
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Im Zwangskontext hat die ([Soziale Arbeit häufig mit Klienten zu tun, die professionelle Hilfe nicht von sich aus gesucht haben und keine konkreten Vorstellungen vom Unterstützungsprozess haben](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-4)). Der eigene Wille bleibt auch hier das entscheidende Kriterium für Veränderung. Professionelle formulieren zunächst Unterstützungsziele als Orientierungslinie für das eigene Handeln, um Erfahrungsfelder zu schaffen, durch die Klient*innen schrittweise (wieder) eigene Perspektiven entwickeln können.
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## Dialogisches Aushandeln
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Der Zielfindungsprozess vollzieht sich als Pendelbewegung: ([Der Blick geht zurück zu den zu Beginn der gemeinsamen Arbeit formulierten Anliegen und den aufgespürten Ressourcen, auf Fallthematik und Arbeitshypothese — dann richtet er sich in die Zukunft](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-5)), erforscht bedeutsame Veränderungen und vergegenwärtigt erneut die analytisch-diagnostischen Erkenntnisse. Die Verständigung über Ziele ist aufwändig, da Machtverhältnisse, Durchsetzungsvermögen und kulturelle Aushandlungsformen berücksichtigt werden müssen. Von Professionellen verlangt dies die Rolle des ›selbstreflexiven mitbetroffenen Verhandlungspartners‹, der inhaltliche Präferenzen hat, konsensorientiert vermittelt und Partizipation ermöglicht.
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## Zielformulierung und Hierarchisierung
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([Gute Zielformulierungen stellen eine Herausforderung dar](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-6)), weil verschiedenste Qualitätsanforderungen gleichzeitig zu erfüllen sind. Zu offene Ziele (›Verbesserung des Sozialverhaltens‹), überdetaillierte Beschreibungen und Negativ-Ziele sind zu vermeiden; stattdessen sind Ziele stets positiv als Anstrebensziele zu formulieren.
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Aus dem ([übergeordneten Auftrag, wonach Unterstützungs- und Vernetzungsprozesse Bildungsprozesse von Klientinnen ermöglichen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-7)), ergibt sich die Unterscheidung in Bildungsziele (für Klient*innen, die nur von ihnen selbst bzw. gemeinsam mit Professionellen formuliert werden) und Unterstützungsziele (für Professionelle, die den Bildungsprozess ermöglichen). Bildungsziele können nie verordnet werden, sondern erfordern Partizipation.
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([Auf der Ebene der Bildungsziele soll nicht nur der Verstand, sondern der ganze Mensch angesprochen sein](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-8)) — im Sinne von Pestalozzis Grundsatz ›Kopf, Herz und Hand‹. Ziele sollen dem Kopf Aufgaben stellen, das Herz ansprechen und die Möglichkeit eröffnen, etwas Konkretes zu tun. Diese drei Ebenen müssen stimmig zusammengeführt werden, damit Bildungsziele für Klient*innen wichtig, bedeutsam und motivierend sind.
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Die Hierarchisierung erfolgt in drei Ebenen: Fernziele geben den Orientierungsrahmen, Grobziele werden aus diagnostischen Erkenntnissen abgeleitet, Feinziele operationalisieren diese für die Interventionsplanung. ([Als Kriterien für gute Grobziele gelten: sie sind den Klientinnen wichtig, bedeutsam und diagnosebasiert, motivierend, erreichbar und akzeptiert](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-17)). Feinziele folgen den SMART-Kriterien (spezifisch, messbar, ausgehandelt, realistisch, terminiert), werden aber erst im Rahmen der Interventionsplanung formuliert. ([Im Prozessschritt Zielsetzung werden deshalb ausschließlich Grobziele formuliert](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-18)), die analyse-diagnosebasiert und für alle Beteiligten motivierend sein sollen.
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Ein ([konkretes Fallbeispiel aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-9)) illustriert, wie Bildungs- und Unterstützungsziele auf Grob- und Feinzielebene gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet und hierarchisiert werden können.
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## Reflexion
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Die ([methodischen Hilfsmittel bei der Zielsetzung werden einer kritischen Reflexion unterzogen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-10)), wobei keine abgrenzbaren Methoden im eigentlichen Sinne vorliegen. Kennzeichen ist die größtmögliche Beteiligung auf Klientenseite. ([Professionsethisch sind die Vorgehensweisen gut vertretbar, da sie die größtmögliche Beteiligung der Klientinnen vorsehen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-11)); kritisch wird es im Zwangskontext, wenn Klient*innen Ziele verbal akzeptieren, sie aber nicht wirklich anstreben.
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([Bei jeder Zielfindung ist in zweifacher Hinsicht Bezug auf Diagnose bzw. Analyse zu nehmen](./chapter_11_zielsetzung.evidence.md#reference-12)): einerseits als inhaltliche Grundlage (Arbeitshypothese/Fallthematik), andererseits als Hinweis auf kritische Punkte im kooperativen Zielfindungsprozess. Der Aufwand für die gemeinsame Zielfindung wird oft unterschätzt, lohnt sich aber, weil mit der Zielvereinbarung eine Verbindlichkeit hergestellt wird, die systematisches Arbeiten an Lösungen ermöglicht.
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**Seiten:** 274–292
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**Zeilen im Quelldokument:** 2603–2822
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@ -99,4 +99,42 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md)
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- **Pages:** 312
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- **Lines:** 3043-3045
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- **Quote:** "Die verschiedenen methodischen Überlegungen zur Interventionsplanung von den Interventionsmodi über die handlungsleitenden Konzepte und spezifischen Interventionsmethoden, über EBP bis hin zu den Vorgehensschritten im Konzept Kooperative Prozessgestaltung - sollen im Folgenden kritisch reflektiert werden."
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## Reference 13
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 12 Interventionsplanung
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- **Section:** Aufgabe und Vorgehen
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- **Pages:** 295
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- **Lines:** 2835-2835
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- **Quote:** "Erst auf der Basis reflektierter Interventionsszenarien werden gemeinsam mit einer Klientin, einer Gruppe oder mit Akteuren eines Gemeinwesens Interventionen ausgewählt (= Bewegung der Schließung ) und auf eine Weise geplant, dass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist und wer wofür zuständig ist."
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## Reference 14
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 12 Interventionsplanung
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- **Section:** Organisations- und fallbezogene Handlungslogik
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- **Pages:** 300
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- **Lines:** 2885-2885
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- **Quote:** "Eine Organisation mit einem offenen Planungskonzept hingegen bietet einen Rahmen für die Entwicklung und Realisierung fallbezogen sinnvoller Interventionen; die Standardisierung von Prozessabläufen - die bei Bedarf variierbar sind kann dabei unterstützend wirken. Flexibilität ist ein Kennzeichen solcher Organisationen."
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## Reference 15
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 12 Interventionsplanung
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- **Section:** Schritt 2: Interventionsmöglichkeiten entwerfen
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- **Pages:** 308
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- **Lines:** 2981-2981
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- **Quote:** "Zunächst geht es bei der Suche nach Interventionsmöglichkeiten darum, das Blickfeld möglichst weit zu öffnen, kreativ zu sein, neue Möglichkeiten des Vorgehens vorerst ohne Einschränkungen zu erfinden, den Organisationsauftrag sowie die Ressourcen zu berücksichtigen und zugleich das Erfahrungswissen der Praxisorganisation zu nutzen"
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## Reference 16
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 12 Interventionsplanung
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- **Section:** Schritt 4: Entscheiden, planen, synchronisieren, organisieren
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- **Pages:** 311
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- **Lines:** 3026-3026
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- **Quote:** "Auf der Basis der Reflexion unterschiedlicher Interventionsmöglichkeiten werden die besten Interventionen ausgewählt."
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## Reference 17
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 12 Interventionsplanung
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- **Section:** 12.6.1 Methodenreflexion
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- **Pages:** 313
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- **Lines:** 3051-3051
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- **Quote:** "Sorgfältige Interventionsplanung bedeutet einen gewissen Aufwand , der sich u. E. jedoch unbedingt lohnt: Die kurze Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten."
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@ -1,35 +1,46 @@
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# 12 Interventionsplanung
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Das Kapitel zur Interventionsplanung beschreibt Aufgabe und Formen der Planung, diskutiert Planbarkeit und Rahmenbedingungen und stellt verschiedene Konzepte und Methoden vor. Besonders behandelt werden evidenzbasierte Soziale Arbeit, kooperative Planung und die konkreten Vorgehensschritte bei fallbezogener Interventionsplanung.
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Die Interventionsplanung ist ein zentraler Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung, der auf Analyse, Diagnose und Zielsetzung aufbaut. Bereits in vorausgegangenen Prozessschritten fanden Interventionen statt — etwa wenn Klientinnen zu biografischen Erzählungen angeregt oder diagnostische Erkenntnisse gemeinsam besprochen wurden ([S. 293](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-1)). Von Intervention im engeren Sinne wird gesprochen, wenn auf der Grundlage einer Analyse und im Hinblick auf Grobziele ein umfassender Handlungsplan entwickelt und realisiert wird. Zwei Phasen lassen sich unterscheiden: die Interventionsplanung und die daran anschließende Umsetzung.
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**Seiten:** 293-316
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**Zeilen im Quelldokument:** 2823-3114
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**Seiten:** 293–316
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**Zeilen im Quelldokument:** 2823–3114
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## Key Concepts
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## Aufgabe und Formen
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- Aufgabe und Formen
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- Aufgabe und Vorgehen
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- Interventionsmodi und -typen
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- Planbarkeit und Rahmenbedingungen
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- (Nicht-)Planbarkeit von Prozessen
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- Organisations- und fallbezogene Handlungslogik
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- Konzepte und Methoden
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- Konzepte als Handlungsorientierung
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- Spezielle Methoden und Techniken
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- Evidenzbasierte Soziale Arbeit
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Die zentrale Frage dieses Prozessschrittes lautet: Was ist zukünftig in einem Fall zu tun? Auf der Basis analytischer und diagnostischer Erkenntnisse sollen Möglichkeiten des Vorgehens entworfen und reflektiert werden — eine Bewegung der Öffnung. Erst auf der Basis reflektierter Interventionsszenarien werden gemeinsam mit Klientinnen Interventionen ausgewählt und so geplant, dass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist und wer wofür zuständig ist ([S. 295](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-13)). Dem Prinzip der Ressourcenorientierung kommt dabei besondere Bedeutung zu: Alle individuellen und sozialen Ressourcen sollen genutzt werden, um Lebensbedingungen zu verbessern und den Handlungsspielraum zu vergrößern.
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## Evidence References
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Müller unterscheidet drei Interventionsmodi: den *Eingriff* (mit Machtausübung, nur bei Gefährdung legitimiert), das *Angebot* (basierend auf Freiwilligkeit, differenziert in Rahmenangebote und spezifische fallbezogene Angebote) sowie das *gemeinsame Handeln* ([S. 295](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-2)). Als Leitlinie gilt, Eingriffshandeln möglichst zu beschränken und in gemeinsames Handeln zu überführen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen situations- und personenbezogenen Interventionen: Veränderungen der Situation bergen oft großen Mehrwert, wie ein Beispiel aus der stationären Behindertenhilfe eindrücklich zeigt ([S. 296](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-3)).
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- [12 Interventionsplanung](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-1) (S. 293, Z. 2825)
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- [Interventionsmodi und -typen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-2) (S. 295, Z. 2841)
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- [Interventionsmodi und -typen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-3) (S. 296, Z. 2851)
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||||
- [(Nicht-)Planbarkeit von Prozessen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-4) (S. 298, Z. 2875)
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- [12.3 Konzepte und Methoden](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-5) (S. 299, Z. 2889)
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- [12.3.2 Spezielle Methoden und Techniken](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-6) (S. 301, Z. 2905)
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- [12.3.3 Evidenzbasierte Soziale Arbeit](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-7) (S. 302, Z. 2922)
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- [12.3.3 Evidenzbasierte Soziale Arbeit](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-8) (S. 303, Z. 2936)
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- [Interventionsplanung zusammen mit Klientinnen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-9) (S. 305, Z. 2954)
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- [Schritt 1: Vorüberlegungen zum Vorgehen](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-10) (S. 307, Z. 2970)
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- [Schritt 3: Reflexion der Interventionsmöglichkeiten](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-11) (S. 309, Z. 3001)
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- [12.6 Reflexion des Prozessschrittes](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-12) (S. 312, Z. 3043)
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## Planbarkeit und Rahmenbedingungen
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Wegen des strukturellen Technologiedefizits sind sozialpädagogische Interventionen stets ergebnisoffen. Professionelle müssen Unterstützungsprozesse planen können im Wissen um die Eigendynamik von Bildungsprozessen und die Ergebnisoffenheit der Interventionen ([S. 298](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-4)). Die Lösung liegt in einer *rollenden Planung*: Nur die erste Interventionsphase wird detailliert geplant, weitere Phasen erst nach Zwischenevaluation konkretisiert.
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Institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen die Interventionsplanung erheblich. Geschlossene, schematisierte Planungskonzepte können eine Haltung des ›immer bereits Wissens‹ präformieren. Organisationen mit offenen Planungskonzepten hingegen bieten einen Rahmen für fallbezogen sinnvolle Interventionen, bei dem Flexibilität und Erfahrungswissen als Ressource dienen ([S. 300](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-14)).
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## Konzepte, Methoden und Evidence Based Practice
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Die Interventionsplanung stützt sich auf handlungsleitende Konzepte wie Empowerment, Lebensweltorientierung und den Lösungsorientierten Ansatz, die eine Hintergrundfolie bilden und jeweils fallspezifisch angepasst werden müssen ([S. 299](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-5)). Daneben wurden in den Praxisfeldern spezifische Interventionsmethoden und Techniken entwickelt oder aus anderen Disziplinen adaptiert, etwa Themenzentrierte Interaktion, systemische Gesprächsführung oder Psychodrama ([S. 301](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-6)).
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Unter dem Ansatz der *Evidence Based Practice* (EBP) wird systematisch erforscht, welche Interventionen sich für welche Problemlagen eignen. EBP ist ein zyklisches Entscheidungsfindungsmodell in fünf Schritten: Frage formulieren, Evidenz suchen, kritisch bewerten, mit Klientensituation abgleichen und die eigene Effektivität evaluieren ([S. 302–303](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-7)). Abschließend ist die eigene Effizienz bei der Durchführung zu bewerten und nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen ([S. 303](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-8)). EBP bietet eine sinnvolle Orientierung, insbesondere wenn für ein spezielles Problem Forschungsergebnisse beigezogen werden können.
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## Kooperative Planung
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Interventionsplanung geschieht idealerweise gemeinsam mit Klientinnen. Ein kooperatives Vorgehen bedeutet, einen Rahmen zu schaffen, in dem diagnostische Erkenntnisse vermittelt und besprochen, Grobziele formuliert und Interventionsvorschläge gemeinsam entwickelt werden — ohne sie sogleich hinsichtlich Angemessenheit zu bewerten. Auch in Zwangskontexten lassen sich Strategien finden, die am unmittelbaren Interesse des Klienten ansetzen — etwa an seinem Wunsch, die unerwünschte Hilfe wieder loszuwerden ([S. 305](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-9)). Die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten steht dabei im Zentrum.
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Auf der Fachebene dient die Hilfekonferenz als Gefäß, in dem alle am Fall beteiligten Fachpersonen und relevante Bezugspersonen gemeinsam Interventionen aushandeln und koordinieren. Die fallführende Sozialpädagogin hat die Aufgabe, den Planungsprozess auf Klienten- und Fachebene zu vernetzen und in eine gemeinsame Planung überzuführen. Noch weiter in Richtung Selbstermächtigung geht das Konzept der *Family Group Conferences* (Familienrat), bei dem die Beratung über mögliche Interventionen ausschließlich im Kreise der von der Klientin eingeladenen Bezugspersonen stattfindet.
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## Vorgehensschritte der Interventionsplanung
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Die KPG strukturiert die fallbezogene Interventionsplanung in vier Schritte:
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In **Schritt 1** (Vorüberlegungen) werden die wichtigsten Erkenntnisse aus Situationserfassung, Analyse, Diagnose und Zielsetzung zusammengefasst, damit sie als Rahmen dienen und nicht ungenutzt bleiben ([S. 307](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-10)). Dazu gehören relevante Fakten, die Fallthematik, die Arbeitshypothese und die vereinbarten Grobziele. Auch ist zu klären, ob die Organisation sich an einem handlungsleitenden Konzept orientiert.
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In **Schritt 2** (Entwerfen) geht es darum, das Blickfeld möglichst weit zu öffnen und kreativ neue Vorgehensmöglichkeiten zu erfinden, ohne vorschnelle Einschränkungen, unter Nutzung des Erfahrungswissens der Organisation ([S. 308](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-15)). Ressourcen der Klientin und des gesamten Umfelds sind einzubeziehen, wobei sich die Suche besonders auf mögliche Veränderungen von Situationen konzentrieren sollte. Als Faustregel gilt, mindestens 20 bis 25 Ideen zusammenzutragen.
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**Schritt 3** (Reflexion) bewertet die gesammelten Interventionsideen mittels verschiedener Szenarien — Best Case, Worst Case, Katastrophengeschichte und Nichts-tun-Szenario —, um Wirkungen und unerwünschte Nebenfolgen abzuschätzen ([S. 309](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-11)). Darüber hinaus werden Ressourcen, Einflussfaktoren, ethische Aspekte, Handlungsbedarf und die Team-Ebene reflektiert.
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In **Schritt 4** (Entscheiden und Planen) werden auf der Basis dieser Reflexion die besten Interventionen ausgewählt ([S. 311](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-16)), Zuständigkeiten geklärt, ein Zeitrahmen festgelegt und die erste Interventionsphase im Sinne der rollenden Planung detailliert geplant. Konkret wird beantwortet: Wer macht wann was? Wer ist wofür verantwortlich? Was wird wie dokumentiert? Wann finden Zwischenevaluationen statt?
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## Reflexion und Evaluation
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Die sorgfältige Interventionsplanung bedeutet Aufwand, der sich jedoch lohnt: Die Rückschau ermöglicht, diagnostische Erkenntnisse angemessen zu berücksichtigen und die Ausrichtung auf Grobziele zu gewährleisten ([S. 313](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-17)). Die breite Suche nach Interventionsmöglichkeiten, das Abschätzen von Wirkungen und Nebenfolgen sowie das Abwägen von Interventionsmodus und -typ können den Unterstützungsprozess optimal leiten. Die verschiedenen methodischen Überlegungen — von Interventionsmodi über handlungsleitende Konzepte und EBP bis zu den Vorgehensschritten — sind stets kritisch zu reflektieren ([S. 312](./chapter_12_interventionsplanung.evidence.md#reference-12)). Evaluationsfragen helfen rückblickend zu prüfen, ob diagnostische Erkenntnisse genutzt, die Fallbearbeitung wirklich geöffnet, Interventionsmöglichkeiten kritisch reflektiert und Klientinnen ihren Möglichkeiten entsprechend beteiligt wurden.
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@ -98,5 +98,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md)
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- **Section:** 13.6.2 Evaluationsfragen
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- **Pages:** 328
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- **Lines:** 3251-3253
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- **Quote:** "Evaluation und Reflexion auf der Grundlage strukturierter systematischer Dokumentation sind in der Interventionsdurchführung ganz wesentliche Aufgaben, die kontinuierlich zu leisten sind. Daraus ergeben sich ganz viele Fragen, welche für die Evaluation leitend sind:"
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- **Quote:** "Evaluation und Reflexion auf der Grundlage strukturierter systematischer Dokumentation sind in der Interventionsdurchführung ganz wesentliche Aufgaben, die kontinuierlich zu leisten sind. Daraus ergeben sich ganz viele Fragen, welche für die Evaluation leitend sind:"## Reference 13
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung
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- **Pages:** 317
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- **Lines:** 3121
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- **Quote:** "Im Wissen um die unterschiedliche Auslegung von Interesselage wie auch um die unterschiedliche Interpretation von Vereinbarungen kommt der Koordination eine zentrale Rolle zu."
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## Reference 14
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung
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- **Pages:** 318
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- **Lines:** 3123
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- **Quote:** "Generell besteht während der ganzen Interventionsdurchführung neben der Koordination eine Informationsnotwendigkeit , wobei auf eine angemessene Dosierung zu achten ist."
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## Reference 15
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.1 Aufgabe und Bedeutung
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- **Pages:** 318
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- **Lines:** 3132
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- **Quote:** "Die implizite Zielsetzung heißt immer, sich selbst als Unterstützerin überflüssig zu machen oder in Fällen, wo dies nicht möglich ist, dies weitestgehend zu tun."
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## Reference 16
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.2 Durchführung im engeren Sinne
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- **Pages:** 320
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- **Lines:** 3146
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- **Quote:** "Realistischerweise sind von Anfang an Szenarien des Scheiterns oder des Eskalierens von bestimmten Situationen miteinzubeziehen (siehe dazu Szenario des worst-case in Kap. 12.5), dies nicht im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, sondern zur Verhinderung einer inadäquaten Erwartungshaltung, die unnötigerweise Druck erzeugt."
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## Reference 17
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.3 Person als Arbeitsinstrument
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- **Pages:** 321
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- **Lines:** 3157-3158
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- **Quote:** "In der Interventionsdurchführung ist der Sozialpädagoge als ganze Person in die Arbeitsbeziehung mit Klienten involviert. Er hat die Aufgabe, Einheit von Theorie und Praxis in der Interaktion mit Klienten in und mit seiner Person herzustellen"
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## Reference 18
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 13 Interventionsdurchführung
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- **Section:** 13.3.2 Emotionale Verstrickungen
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- **Pages:** 323
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- **Lines:** 3180
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- **Quote:** "Eine Falle für Professionelle kann darin bestehen, emotional darauf angewiesen zu sein, gebraucht zu werden."
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@ -1,35 +1,47 @@
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# 13 Interventionsdurchführung
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Das Kapitel zur Interventionsdurchführung behandelt die Umsetzung geplanter Interventionen. Themen sind die Durchführung im engeren Sinne, die Person als Arbeitsinstrument, Rollenwechsel, emotionale Verstrickungen, Monitoring und Controlling sowie Dokumentation. Die Bedeutung der Reflexion des eigenen Handelns wird hervorgehoben.
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Die Interventionsdurchführung bildet den Prozessschritt, in dem das zuvor Ausgehandelte und Vereinbarte unmittelbar umgesetzt wird ([S. 317](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-1)). Gemeint ist die Intervention im engeren Sinne, die direkt an die Interventionsplanung anschliesst und nicht die Interventionen, die während der übrigen Prozessschritte stattfinden. Im Zentrum stehen Koordination, Vernetzung, die Person als Arbeitsinstrument, Monitoring/Controlling sowie Dokumentation.
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**Seiten:** 317-331
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**Zeilen im Quelldokument:** 3115-3297
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## Aufgabe und Bedeutung
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## Key Concepts
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Alle Beteiligten gehen von den ausgehandelten Zielen, Aufgaben und Abmachungen aus. Die Situation erweist sich trotz Planung als komplex, da Beteiligte von unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen und Prioritäten verschieden setzen. Deshalb kommt der Koordination eine [zentrale Rolle](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-13) zu. Interventionsaufgaben und -aufträge sind bei der Aushandlung sehr präzise zu fassen und schriftlich festzuhalten; sie erfüllen eine Ordnungs- und Orientierungsfunktion.
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- Aufgabe und Bedeutung
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- Durchführung im engeren Sinne
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- Person als Arbeitsinstrument
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- Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu Begleitung
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- Emotionale Verstrickungen
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- Monitoring und Controlling
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- Dokumentation
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- Reflexion des Prozessschrittes
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- Methodenreflexion
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- Evaluationsfragen
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Neben der Koordination besteht während der ganzen Durchführung eine [Informationsnotwendigkeit](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-14), wobei auf angemessene Dosierung zu achten ist. Die fallführende Sozialpädagogin, Case Managerin oder Systemvernetzerin trägt die Gesamtverantwortung und stimmt alle Leistungen aufeinander ab.
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## Evidence References
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Aufgabe in diesem Prozessschritt ist neben der Umsetzung der Interventionsplanung das Durchführen von Zwischenevaluationen, das Formulieren von weiteren Feinzielen und die Modifikation der Unterstützungsleistung. Eine zentrale Aufgabe stellt die mehrdimensionale Vernetzung dar: Abstimmung der beteiligten Personen, Verbindung von Personen und Organisationen, Informationsfluss sowie Zusammenführen gemeinsamer und paralleler Einzeltätigkeiten. Ziel ist das angemessene Einbinden aller Beteiligten, der Austausch nötiger Informationen und das [Gewinnen von Synergien](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-2).
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- [13 Interventionsdurchführung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-1) (S. 317, Z. 3117)
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- [13.1 Aufgabe und Bedeutung](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-2) (S. 318, Z. 3130)
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- [13.2 Durchführung im engeren Sinne](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-3) (S. 320, Z. 3140)
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- [13.2 Durchführung im engeren Sinne](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-4) (S. 320, Z. 3148)
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- [13.3.1 Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu ...](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-5) (S. 321, Z. 3162)
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- [13.3.1 Rollenwechsel: Von aktiver Unterstützung hin zu ...](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-6) (S. 322, Z. 3170)
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- [13.3.2 Emotionale Verstrickungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-7) (S. 323, Z. 3180)
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- [13.3.2 Emotionale Verstrickungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-8) (S. 323, Z. 3186)
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- [13.4 Monitoring und Controlling](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-9) (S. 325, Z. 3203)
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- [13.5 Dokumentation](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-10) (S. 325, Z. 3213)
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- [13.5 Dokumentation](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-11) (S. 327, Z. 3235)
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||||
- [13.6.2 Evaluationsfragen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-12) (S. 328, Z. 3251)
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Die wichtigste Zielsetzung bildet die effektive, zielgerichtete Unterstützung unter optimaler Nutzung der Mittel. Die implizite Zielsetzung heisst dabei immer, sich selbst als [Unterstützerin überflüssig zu machen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-15).
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## Durchführung im engeren Sinne
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Während der Umsetzung sind die Interventionsmodi und -typen fortlaufend auf Angemessenheit zu prüfen. Bei jeder Veränderung ist zu überlegen, ob Eingriffshandeln noch angezeigt ist, die Angebotspalette erweitert oder ob Eingriffshandeln in gemeinsames Handeln überführt werden soll.
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Bei Übergaben eines Falls an neue Bezugspersonen ist zu gewährleisten, dass alle notwendigen Informationen übermittelt werden, damit nicht die gleichen Fehler wiederholt und bisherige Bemühungen der Klienten entwertet werden. Sozialpädagogen haben kritisch zu prüfen, ob Organisationsstrukturen die nötige Abstimmung unterstützen, und allfällige differierende Interessen [offenzulegen und auszubalancieren](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-3).
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Realistischerweise sind von Anfang an [Szenarien des Scheiterns oder Eskalierens](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-16) miteinzubeziehen — nicht als sich selbst erfüllende Prophezeiung, sondern zur Verhinderung inadäquater Erwartungshaltungen, die unnötigerweise Druck erzeugen.
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Interventionen sind nicht nach eigenen Werten und Normvorstellungen durchzuführen, denn [Wunschdenken kann zu Enttäuschung führen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-4). Im Sinne der Kooperativen Prozessgestaltung gilt es, bei Differenzen achtsam zu sein, immer wieder auszuhandeln und teils unbewusste eigene Wertorientierungen zu reflektieren. Interventionsdurchführung schliesst eine kontinuierliche kritische Reflexion des eigenen Handelns im Hinblick auf die zugrunde liegende Bewertung und Erhellung des Falls ein.
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## Person als Arbeitsinstrument
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Der Sozialpädagoge ist als [ganze Person in die Arbeitsbeziehung involviert](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-17) und hat Einheit von Theorie und Praxis in der Interaktion herzustellen. Daraus ergeben sich zentrale Implikationen für den Interventionsprozess.
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**Rollenwechsel:** Beim gemeinsamen Handeln wird eine [Differenzierung hinsichtlich Aktivitätsgrad](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-5) vorgeschlagen — nicht als bipolare Unterteilung, sondern als Kontinuum eines allmählichen Rollenwechsels. Anfangs hat die Sozialpädagogin oft die Rolle der Initiatorin und Motivatorin inne; sie sucht Kontakt, formuliert Unterstützungsziele und handelt manchmal stellvertretend. Professionelle müssen den Grad an Unterstützung dosieren können — oszillierend zwischen hoher Aktivität und Begleitung aus dem Hintergrund. Die [Entscheidung erfolgt stets unter Ungewissheit](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-6). Idealerweise wandelt sich die aktive Rolle zunehmend zur Rolle des Begleiters, der die Eigentätigkeit der Klientin unterstützt. Dabei sind Fähigkeiten des Loslassens gefragt: aushalten können, dass die Klientin Dinge anders macht als vorgestellt, aber durchaus gelingend hinsichtlich ihrer selbständigen Lebenspraxis.
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**Emotionale Verstrickungen:** Loslassen und sich Zurücknehmen stellt [spezifische Herausforderungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-7) an die Persönlichkeit. Eine Falle kann darin bestehen, [emotional darauf angewiesen zu sein, gebraucht zu werden](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-18). Persönliche Verstrickungen lassen sich oft durch Überprüfung der Zielsetzung erkennen: Geht es wirklich um Ziele der Klienten, oder um Selbstbestätigung? Der Einsatz persönlicher Fähigkeiten und Vorlieben ist stets darauf zu prüfen, ob er den [Bedürfnissen der Klientinnen entspricht](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-8). Kontinuierliche Selbstreflexion — auch über Supervision und Intervision — ist unverzichtbar und kann als Chance zu persönlichem Wachstum verstanden werden.
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## Monitoring und Controlling
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Im Case Management umfassen Controlling und Monitoring die Koordination von Unterstützungsleistungen, das Aufrechterhalten eines angemessenen Informationsflusses sowie die Be- und Auswertung von Leistungen und Massnahmen. Das Controlling beinhaltet ein [vorausschauend angelegtes Überprüfen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-9), um Optimierungschancen zu erkennen.
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Strategisches Controlling richtet sich auf den Gesamtablauf; operatives Controlling fokussiert den Einsatz der Beteiligten, die gewählten Methoden und Instrumente, Umwelteinflüsse, die inter- und intraprofessionelle Kooperation, die Angemessenheit der eingesetzten Mittel sowie die entstehenden Kosten.
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## Dokumentation
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Dokumentationen werden über Klientinnen geschrieben, für ausgewählte Gruppen mit bestimmtem Auftrag verfasst und fokussieren sowohl die [Unterstützungsarbeit als auch Veränderungen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-10) der Klientin. Sie sollen reflektiert, systematisch, objektivierbar, effektiv, effizient und rechtlich legitimiert sein. Transparenz über Umfang und Zweck der Dokumentation ist gegenüber den Beteiligten herzustellen; sie unterstehen dem Datenschutz.
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Der institutionelle Auftrag beeinflusst die Berichte; deshalb ist die [Sichtweise aller Beteiligten einzubeziehen](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-11) und auf grosse Sorgfalt zu achten. Berichte bilden oft Entscheidungsgrundlagen — etwa für Sozialhilfe, Abklärungsberichte an Gerichte oder Entwicklungsberichte im stationären Kontext — und sind sachlogisch sowie gut strukturiert zu verfassen. Die Dokumentation soll den Fokus auf die Unterstützungsleistung richten, damit erkennbar wird, wie das methodische Handeln hergeleitet und realisiert wurde.
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## Reflexion
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Evaluation und Reflexion auf Grundlage strukturierter Dokumentation sind [ganz wesentliche Aufgaben](./chapter_13_interventionsdurchfuehrung.evidence.md#reference-12), die kontinuierlich zu leisten sind. Leitende Evaluationsfragen betreffen die plangemässe Umsetzung, die Koordinationsaufgabe, Zwischenevaluationen, die Anpassung der Interventionsmodi, den fallbezogenen Rollenwechsel, persönliche Verstrickungen, das operative Controlling sowie die systematische Dokumentation unter Wahrung des Datenschutzes.
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@ -99,4 +99,50 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md)
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- **Pages:** 345
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- **Lines:** 3470-3471
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- **Quote:** "Das Vorgehen bei einer einzelfallbezogenen Prozessevaluation soll im Folgenden in Bezug auf die Reflexionskriterien für Methoden in der Sozialen Arbeit in summarischer Weise überprüft werden."
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## Reference 13
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** 14.1 Formen und Aufgabe
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- **Pages:** 332
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- **Lines:** 3306-3308
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- **Quote:** "»Evaluationen sind datenbasierte und methodisch angelegte Beschreibungen und Bewertungen von Programmen, Projekten und Maßnahmen. Sie lassen sich an Gütekriterien überprüfen und zielen unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes systematisch darauf ab, zu einer rationaleren Entscheidungsfindung und zu einer Verbesserung der Problemlösungsansätze beizutragen« (Jurt 2005:53 f.)."
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## Reference 14
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** Aufgabe von Evaluation
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- **Pages:** 336
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- **Lines:** 3334-3336
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- **Quote:** "Evaluation beinhaltet die Möglichkeit zu lernen - aus den Fehlern ebenso wie aus erfolgreichen Prozessen. »Was hat's gebracht?«, lautet bei Müller folgerichtig das Motto von Evaluation (vgl. 2012:161)."
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## Reference 15
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||||
- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit
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- **Pages:** 337
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- **Lines:** 3342-3344
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||||
- **Quote:** "In der Organisationsentwicklung der 1980er und 90er Jahre wurde der Begriff der ›lernenden Organisation‹ geprägt für »Organisationen, in denen die Menschen kontinuierlich die Fähigkeiten entfalten können, ihre wahren Ziele zu verwirklichen, in denen neue Denkformen gefördert (…) werden und in denen Menschen lernen, miteinander zu lernen« (Senge 1998:11)."
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## Reference 16
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** Reflexionsgefäße und Dokumentation
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- **Pages:** 338
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- **Lines:** 3368-3370
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- **Quote:** "Evaluation braucht eine Datengrundlage . »Jegliche Form der (Selbst-)Evaluation lebt von der Qualität der Datenerhebung«, hat von Spiegel (1994:39) festgehalten."
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## Reference 17
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** Gesamtbeurteilung und Folgerungen
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- **Pages:** 344
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- **Lines:** 3448-3450
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||||
- **Quote:** "Dies ist die zentrale Dimension, gilt es doch, Schlussfolgerungen aus den (bisherigen) Evaluationsergebnissen zu ziehen. Es geht um eine Gesamtschau, um die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden."
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## Reference 18
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||||
- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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||||
- **Chapter:** 14 Evaluation
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- **Section:** 14.4.1 Methodenreflexion
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- **Pages:** 346
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- **Lines:** 3476-3478
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||||
- **Quote:** "Evaluation hat in allen Praxisfeldern eine sehr hohe Bedeutung. Diese organisierte Pause, die Distanznahme und kritische Reflexion ermöglicht, ist unabdingbar für den gesamten Prozess Kooperativer Prozessgestaltung wie auch für die einzelnen Prozessschritte."
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@ -1,35 +1,47 @@
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# 14 Evaluation
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Das Evaluationskapitel beschreibt Formen und Aufgaben der Evaluation professionellen Handelns. Es behandelt Voraussetzungen wie eine Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit, stellt das systematische Vorgehen mit Evaluationsdimensionen und -kriterien vor und verbindet die Evaluation mit den vorherigen Prozessschritten.
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Evaluation bildet den abschliessenden Prozessschritt der Kooperativen Prozessgestaltung: ([»Auswerten, Bilanz ziehen und daraus lernen: Das sind die abschließenden Aufgaben bei jedem Unterstützungsprozess«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-1)). Im Sinne von Jurt sind Evaluationen ([»datenbasierte und methodisch angelegte Beschreibungen und Bewertungen von Programmen, Projekten und Maßnahmen«, die zu rationalerer Entscheidungsfindung und Verbesserung der Problemlösungsansätze beitragen sollen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-13)). Evaluation umfasst nach König drei Aufgaben: die Sammlung von Informationen, deren Analyse sowie die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse. Im Konzept der KPG steht die fallbezogene Selbstevaluation im Zentrum: Professionelle untersuchen und bewerten ihr eigenes Handeln in einem konkreten Fall.
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**Seiten:** 332-348
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**Zeilen im Quelldokument:** 3298-3521
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## Formen und Abgrenzung
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## Key Concepts
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Evaluation lässt sich nach verschiedenen Kriterien differenzieren: extern vs. intern, Fremd- vs. Selbstevaluation, summativ vs. formativ, Output- vs. Inputevaluation. ([Eine Evaluation kann sich auf unterschiedliche Ebenen beziehen und verschiedene Funktionen erfüllen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-2)). Grohmanns Drei-Ebenen-Modell unterscheidet Evaluation professionellen Handelns (Fallebene), auf Organisationsebene und hinsichtlich der gesellschaftlichen Funktion Sozialer Arbeit. Die fallbezogene Evaluation der KPG entspricht der ersten Ebene.
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- Formen und Aufgabe
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- Formen von Evaluation
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- Evaluationsforschung und Qualitätssicherung
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- Evaluation, Supervision und Reflexion
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- Aufgabe von Evaluation
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- Voraussetzungen
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- Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit
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- Reflexionsgefäße und Dokumentation
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- Vorgehen
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- Zeitpunkte, Beteiligte und Hilfsmittel
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Auf Organisationsebene ist Evaluation eng mit Qualitätsentwicklung und -management verknüpft; Standardisierungen von Abläufen und Dokumentationsvorgaben sollen die Überprüfung von Effektivität und Effizienz ermöglichen. Von Spiegel weist der Evaluation vier eng verwobene Funktionen zu: Kontrolle, Aufklärung, Qualifizierung und Innovation.
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## Evidence References
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Von der Supervision ist die fallbezogene Evaluation klar abzugrenzen: Während Supervision die emotionale Verstrickung der Professionellen und das professionelle Setting fokussiert, richtet die Evaluation den Blick auf Bildungsprozesse der Klient:innen und die Gestaltung des Unterstützungsprozesses. ([Die Begriffe Reflexion und Evaluation sind wenig trennscharf und werden manchmal synonym verwendet](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-3)); Reflexion gilt als allgemeine, im Habitus verankerte Aufgabe, Evaluation dagegen als strukturierte, kriteriengeleitete Überprüfung des Handelns, die Reflexionsfähigkeit voraussetzt.
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- [14 Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-1) (S. 332, Z. 3300)
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||||
- [Formen von Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-2) (S. 333, Z. 3316)
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||||
- [Evaluation, Supervision und Reflexion](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-3) (S. 335, Z. 3328)
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||||
- [Aufgabe von Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-4) (S. 336, Z. 3338)
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||||
- [Kultur der Offenheit und Fehlerfreundlichkeit](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-5) (S. 337, Z. 3354)
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||||
- [Reflexionsgefäße und Dokumentation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-6) (S. 338, Z. 3364)
|
||||
- [14.3.2 Evaluationsdimensionen, -kriterien, -fragen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-7) (S. 340, Z. 3384)
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||||
- [Evaluationsdimension Handlungsphase](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-8) (S. 342, Z. 3409)
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||||
- [Evaluationsdimension ›analytische Phase‹](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-9) (S. 343, Z. 3428)
|
||||
- [Evaluationsdimension Kooperation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-10) (S. 344, Z. 3441)
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||||
- [Erfolgt die Evaluation im Rahmen eines laufenden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-11) (S. 344, Z. 3458)
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||||
- [14.4.1 Methodenreflexion](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-12) (S. 345, Z. 3470)
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## Aufgabe und Bedeutung
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Die zentrale Frage lautet ([»Was hat's gebracht?«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-14)). Evaluation beinhaltet die Möglichkeit, aus Fehlern wie aus erfolgreichen Prozessen zu lernen. Ohne sie wüssten Professionelle nicht, ob ihre Interventionen wirken, ob Ziele erreicht werden und ob ein Fall angemessen verstanden wurde. Wo Handeln nicht standardisierbar ist, sondern fallbezogen gestaltet wird, ist dieses ›sich selbst und das eigene Handeln erforschen wollen‹ ein Kernbestandteil von Professionskompetenz.
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Auf der Fallebene bedeutet Evaluation auch, die geleistete Arbeit zu würdigen: Wertzuschätzen, was erreicht worden ist, und zu benennen, was schwierig war. Bei längerfristigen Arbeitsbeziehungen stellt eine solche Rückschau einen Beitrag zur Psychohygiene und Burnout-Prophylaxe dar. Im Sinne der Ressourcenorientierung soll gemeinsam festgestellt und dokumentiert werden, was gut gelaufen und gelungen ist. ([Evaluation ist auf alle anderen Prozessschritte bezogen und diese wiederum auf die Evaluation](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-4)) — sowohl als abschliessende Gesamtevaluation wie auch als kurze Auswertung jedes einzelnen Prozessschritts.
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## Voraussetzungen
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Evaluation muss gewollt und organisiert werden. Der Begriff der ›lernenden Organisation‹ beschreibt ([»Organisationen, in denen die Menschen kontinuierlich die Fähigkeiten entfalten können, ihre wahren Ziele zu verwirklichen, in denen neue Denkformen gefördert werden und in denen Menschen lernen, miteinander zu lernen«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-15)). Analog wird eine ›lernende Profession‹ vorgeschlagen, in der Fehler und Scheitern als Chance zu gemeinsamem Lernen begriffen werden.
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Müller formuliert drei Arbeitsregeln: Evaluation erfordert ehrliches Zugänglichmachen empfindlicher Punkte, ein angstfreies Klima sowie Rahmenbedingungen, die Offenheit und ungeschützte Kritik erleichtern. ([Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die Fehlerfreundlichkeit einer Fachperson die Klientin von Versagensgefühlen entlasten und einen neuen Möglichkeitsraum eröffnen kann](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-5)). Auch die gemeinsame Evaluation mit Klient:innen setzt voraus, dass trotz struktureller Machtasymmetrie und bestehendem Abhängigkeitsverhältnis eine Atmosphäre geschaffen wird, in der ehrliche und kritische Rückmeldungen möglich sind.
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## Reflexionsgefässe und Dokumentation
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Fallbezogene Evaluation ist eine bewusst organisierte Pause im Prozess, die es ermöglicht, aus der Eigendynamik auszusteigen und Distanz zu gewinnen. ([Solche Unterbrechungen brauchen institutionalisierte Gefässe — auf der Fachebene etwa Fallbesprechungen, Intervisionen oder Fallrückblicksitzungen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-6)). Auf der Kooperationsebene dienen Beratungs- und Bezugspersonengespräche sowie Standortgespräche als Evaluationsgefässe. Es ist Aufgabe der Organisation, solche Gefässe zu etablieren, und Aufgabe der Professionellen, sie zu nutzen und zu gestalten.
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([»Jegliche Form der (Selbst-)Evaluation lebt von der Qualität der Datenerhebung«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-16)): Erforderlich ist eine systematische, kontinuierliche schriftliche Dokumentation des Unterstützungsprozesses in Form von Protokollen und Akteneinträgen. Fallbezogene Evaluation ist auf sorgfältige Dokumentation der vorangegangenen Prozessschritte angewiesen; zugleich wird auch die Evaluation selbst dokumentiert.
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## Vorgehen: Dimensionen und Kriterien
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Die Evaluation erfolgt entlang dem Prozessmodell in vier Dimensionen. ([Jeder Prozessschritt kann rückblickend anhand von Kriterien beurteilt werden, die aus der Literatur und dem Prozessmodell erarbeitet wurden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-7)). Die Sozialarbeiterin wählt fallbezogen relevante Kriterien aus und entscheidet, welche Fragen in welchem Gefäss und mit wem thematisiert werden. Neben der abschliessenden Bilanz sind bei längerfristigen Prozessen regelmässige Zwischenevaluationen zu vereinbaren, wobei die zeitlichen Abstände sich nach dem institutionellen Kontext und den Erfordernissen des Falls richten.
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**Handlungsphase:** Interventionen werden anhand der Kriterien Wirklichkeit, Wirksamkeit, Wünschbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Angemessenheit und Realitätsbezug beurteilt; hinzu kommen Bewertung der Zielerreichung und Beurteilung der Zielsetzung. ([Für die gemeinsame Evaluation mit dem Klientensystem sind die Fragen umzuformulieren und geeignete kreative Hilfsmittel zu finden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-8)).
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**Analytische Phase:** Es wird überprüft, ob sich die Arbeitshypothese bestätigt hat, ob geeignete Analysemethoden gewählt wurden und ob die Situationserfassung angemessen war. ([Klient:innen können etwa gefragt werden, ob sie sich aufgrund der Gespräche besser verstehen und welche Stärken sie entdeckt haben](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-9)).
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**Kooperation:** Die Zusammenarbeit mit dem Klientensystem und auf der Fachebene wird evaluiert — sowohl intraprofessionell im sozialpädagogischen Team als auch interprofessionell mit externen Hilfesystemen. ([Beispielhafte Fragen: »Was waren für Dich die Sternstunden Deines Aufenthaltes? Was war das Wichtigste, was jemand von uns gemacht hat?«](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-10)).
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**Gesamtbeurteilung:** ([Es geht um eine Gesamtschau und die Frage, was gelernt werden kann, wenn die Erkenntnisse insgesamt betrachtet werden](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-17)). Daraus werden Folgerungen für die Weiterarbeit im Fall, für die Organisation und die Profession abgeleitet. ([Bei Abschlussgesprächen werden Klient:innen gefragt, was sie mitnehmen und woran sie sich erinnern wollen](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-11)).
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## Methodenreflexion
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([Das Vorgehen bei der Prozessevaluation wird an den Reflexionskriterien für Methoden in der Sozialen Arbeit überprüft](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-12)). Zentral sind das Kriterium der Kooperation — die Einschätzungen von Klient:innen und anderen Professionellen sind einzuholen — sowie die Prüfung der Vereinbarkeit individueller Ziele mit den allgemeinen Zielsetzungen Sozialer Arbeit. Unter professionsethischen Gesichtspunkten ist sowohl die Ressourcenorientierung bei der Evaluation wichtig als auch die kritische Überprüfung des Eingriffshandelns im Rahmen des Kriteriums Angemessenheit.
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([Evaluation hat in allen Praxisfeldern eine sehr hohe Bedeutung; die organisierte Pause ist unabdingbar für den gesamten Prozess Kooperativer Prozessgestaltung](./chapter_14_evaluation.evidence.md#reference-18)). Der Aufwand lässt sich durch die Kompetenz, einen Fall hinsichtlich des Evaluationsbedarfs zu ›screenen‹ und relevante Dimensionen auszuwählen, auf ein handhabbares Mass reduzieren. Abschliessend reflektiert die Fachperson, ob die Evaluation auf einer echten Kultur der Offenheit basierte, ob alle wichtigen Dimensionen berücksichtigt und relevante Beteiligte einbezogen wurden.
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@ -84,3 +84,18 @@ Source document: [arbeit](../../documents/arbeit/arbeit.md)
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- **Lines:** 3552-3554
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- **Quote:** "In diesem Sinne soll das vorliegende Lehrbuch einen Beitrag leisten zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit: Dazu, dass Klienten, die mit Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung und mit sozialer Benachteiligung zu kämpfen haben, von den zuständigen Sozialarbeitern in ihrem Autonomiebestreben und [...]"
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## Reference 11
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 15 Schlusswort
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- **Section:** 15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann
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- **Pages:** 351
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- **Lines:** 3540-3541
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- **Quote:** "Ein ganz grundlegender Aspekt von Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen. Hierfür sind Gefäße zu institutionalisieren, welche die Grundlage für professionelles Handeln bilden."
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## Reference 12
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- **Document:** Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit
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- **Chapter:** 15 Schlusswort
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- **Section:** 15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessgestaltung lernen kann
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- **Pages:** 352-353
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- **Lines:** 3546-3547
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- **Quote:** "Als vielleicht größte Herausforderung erweist sich dabei der Übergang von der analytisch-diagnostischen zur Handlungsphase: Analyse- und diagnosebasiert gemeinsam mit Klienten Grobziele zu formulieren, die für sie bedeutsam sind sowie die Interventionsplanung auf den bisher erarbeiteten Erkenntnissen aufzubauen - das ist vielerorts ein neues Vorgehen, das vieler Übung bedarf."
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@ -1,20 +1,31 @@
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# 15 Schlusswort
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Das Schlusswort reflektiert, wie Kooperative Prozessgestaltung erlernt werden kann. Es fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Lehrbuchs zusammen und gibt Hinweise für die Umsetzung in Studium und Praxis.
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Dem Konzept Kooperative Prozessgestaltung liegt ein spezifisches Fachlichkeitsverständnis zugrunde, ([das die Kooperation mit Klient*innen in den Mittelpunkt stellt und ein Prozessmodell als Orientierungsrahmen für professionelles Denken und Handeln bereitstellt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-1)). Im Lehrbuch wurden die wichtigsten Methoden und Instrumente im deutschsprachigen Raum systematisiert. Das zentrale Anliegen ist die Vermittlung eines Grundverständnisses professionellen Handelns, das sich in Kurzformeln fassen lässt: ›zuerst verstehen, dann handeln‹ als Suchbewegung des Fallverstehens, Offenheit und Neugier, die Verschränkung von Fachebene und Kooperation mit Klient*innen sowie das Wissen, in welchem Prozessschritt man sich bewegt.
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**Seiten:** 349-353
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**Zeilen im Quelldokument:** 3522-3553
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## Gewichtung der Prozessphasen
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## Evidence References
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Dieses Grundverständnis verändert die übliche Gewichtung: ([Nicht Interventionen allein stehen im Zentrum einer oft unter grossem Handlungsdruck stehenden Praxis](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-2)), vielmehr kommt der analytischen Phase eine bedeutende Stellung zu, weil sie erst die Voraussetzungen für angemessene Interventionen schafft. Der ersten Phase ist mehr Raum und Zeit zuzumessen — für genaue Analyse, Diagnose und sorgfältige Evaluation.
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-1) (S. 349, Z. 3524)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-2) (S. 349, Z. 3533)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-3) (S. 350, Z. 3535)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-4) (S. 351, Z. 3537)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-5) (S. 351, Z. 3539)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-6) (S. 351, Z. 3541)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-7) (S. 352, Z. 3543)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-8) (S. 352, Z. 3545)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-9) (S. 353, Z. 3547)
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- [15 Schlusswort oder Wie man Kooperative Prozessges...](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-10) (S. 353, Z. 3552)
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## Ausbildung und Kompetenzerwerb
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([Ziel einer Ausbildung auf Hochschulebene ist die Entwicklung eines solchen Grundverständnisses; erforderlich dazu ist zunächst Wissensvermittlung zu den Grundlagen Sozialer Arbeit, zum Konzept und zu einzelnen Methoden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-3)). Für den Kompetenzerwerb braucht es didaktische Arrangements mit Verlangsamung und Komplexitätsreduktion sowie zwingend zwei Lernorte: die Hochschule zur handlungsentlasteten Fallarbeit und die Praxis mit realen Handlungssituationen.
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Am Lernort Praxis stehen Studierende vor der Herausforderung, dass Organisationen nach eigener, oft bürokratischer Logik funktionieren. Kooperative Prozessgestaltung in verlangsamter Form ist für die Kompetenzentwicklung unerlässlich: ([Erst wenn eine Studentin gelernt hat, die in der Analyse erhobenen Daten auszuwerten und die Themen herauszuarbeiten, kann sie ein Gespräch so führen, dass gemeinsam die Fallthematik bestimmt wird](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-4)). Ist das Grundprinzip internalisiert und die Suchbewegung habitualisiert, kann ein Prozesszyklus auch sehr schnell ablaufen.
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## Organisation und Reflexion
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([Auf Organisationsebene braucht es Strukturen: Der grössere Zyklus der Fallarbeit soll institutionalisiert werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-5)), insbesondere bei komplexen Fällen, in denen ein Team gemeinsam die Suchbewegung des Fallverstehens unternimmt und Interventionsmöglichkeiten entwirft. ([Ein grundlegender Aspekt von Professionskompetenz ist die kontinuierliche Selbstreflexion, der fachliche Austausch und die gemeinsame Reflexion von Professionellen; hierfür sind Gefässe zu institutionalisieren](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-11)).
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In den Kapiteln 8 bis 14 wurden die ([für jeden Prozessschritt nötigen Kompetenzen aufgelistet — zusammengenommen ergibt sich eine Vielzahl, über die Professionelle verfügen müssen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-6)). Professionskompetenz umfasst viele Aspekte, setzt hohe Reflexionsfähigkeit voraus und orientiert sich an den übergreifenden Zielen Sozialer Arbeit.
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## Methodenintegration und Praxiseinsatz
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([Der methodenintegrative Anspruch des Lehrbuchs setzt sich dem Eklektizismus-Vorwurf aus](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-7)): Manche Methoden stammen aus eigenständigen Theorien, deren Gesamtzusammenhang bei der Eingliederung in die KPG-Systematik nicht vollständig berücksichtigt wird — dies wird zugunsten des umfassenden Konzepts in Kauf genommen.
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([Das Konzept ist für den praxisfeldübergreifenden Einsatz in unterschiedlichsten Organisationen konzipiert, was einen gewissen Abstraktionsgrad bedingt](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-8)). In Forschungs- und Entwicklungsprojekten wurde mit Praxisorganisationen erarbeitet, wie KPG für spezifische Arbeitsfelder konkretisiert werden kann. ([Als grösste Herausforderung erweist sich der Übergang von der analytisch-diagnostischen zur Handlungsphase: gemeinsam mit Klient*innen Grobziele zu formulieren und die Interventionsplanung auf erarbeiteten Erkenntnissen aufzubauen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-12)).
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## Professionalisierung
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Soziale Arbeit wurde als professionalisierungsbedürftige Profession mit spezifischen Strukturbedingungen und Widersprüchen dargestellt. ([Professionalisierung ist durch mindestens zwei Merkmale gekennzeichnet: strukturiertes, reflektiertes methodisches Vorgehen und die Verwobenheit der Fallbearbeitung aus Expert*innensicht mit dem dialogischen Verständigungsprozess mit Klient*innen](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-9)).
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([Das Lehrbuch soll dazu beitragen, dass Klient*innen in ihrem Autonomiebestreben und ihrer sozialen Integration verstanden und gut unterstützt werden](./chapter_15_schlusswort.evidence.md#reference-10)), dass Sozialpädagog*innen ihre Kompetenz selbstbewusst in die interprofessionelle Zusammenarbeit einbringen und sich zunehmend in den politischen Diskurs um soziale Gerechtigkeit einmischen.
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