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Hochuli Freund

31.7.17 S. 265

Bedürfnisse aufnehmen

überzeugt sind, bestimmte, erwünschte Ereignisse herbeiführen und unerwünschte vermeiden zu können. Kontrolle meint demnach die subjektive Einschätzung einer Person, Kontrolle zu haben. Diese subjektiv wahrgenommene Kontrollmöglichkeit muss sich nicht mit der tatsächlich vorhandenen oder ausgeübten Kontrolle decken, weshalb von kognizierter Kontrolle gesprochen wird (vgl. Frey/Jonas 2002:14f.). Der Mensch versucht, durch Kontrolle angenehme Lebenssituationen zu realisieren bzw. unangenehme zu umgehen. Dies kann durch primäre Kontrolle oder sekundäre Kontrolle erreicht werden. Gemäss dem Konzept der primären Kontrolle sucht eine Person durch ihr Verhalten ihr Umfeld ihren Zielen entsprechend zu beeinflussen. Bei sekundären Kontrolle versucht sie, sich selber über kognitive Umstrukturierung an die Gegebenheiten der Umwelt anzupassen (vgl. ebd.:15f.). Frey und Jonas (2002:17) beziehen sich einerseits auf die Erkenntnisse von Heckhausen und Schulz und erläutern, dass die Hauptfunktion von sekundärer Kontrolle darin bestehe, den Verlust primärer Kontrolle zu minimieren. Andererseits nehmen sie den von Skinner postulierten Begriff Kontrollagent ein: Manchmal delegieren Individuen die Kontrolle an andere Personen oder Systeme, von denen sie annehmen, dass diese eine Situation besser verändern können als sie selber, oder sie setzen Hilfsmittel der Kontrollausübung ein (vgl. ebd.:22). Als weitere sozialpsychologische Theorie wird die Kognitive-transaktionale Bewältigungstheorie von Lazarus genutzt. Menschen reagieren auf bedrohliche und belastende Ereignisse in ihrem Leben unterschiedlich. Wenn immer sich eine Person subjektiv in ihrer Handlungsfähigkeit oder ihrem Wohlbefinden bedroht fühlt, zeigt sie spezifische Bewältigungsreaktionen (vgl. Wentura/Greve/ Klauer 2002:101). Als Bewältigungsreaktionen werden alle Bemühungen bezeichnet, »solche Situationen zu meistern, die (zunächst) so eingeschätzt wurden, dass sie die eigenen Ressourcen übersteigen« (ebd.:106f). Die psychologische Bewältigungsforschung geht davon aus, dass die kurz- und längerfristigen Folgen von Belastungen v. a. von der psychischen und kognitiven Verarbeitung abhängen. In einer Belastungs- bzw. Krisensituation können einerseits primäre und andererseits sekundäre Einschätzungen vorgenommen werden. Die primäre Einschätzung betrifft die Situation und ihre Bedeutung für die Person. Hierbei wird abgewogen, ob die Situation positive (Wohlbefinden), negative (Bedrohungen, Herausforderungen) oder keine Auswirkungen für die Person haben. Speziell bei negativen Auswirkungen schliessen sich sekundäre Einschätzungen an, welche die aktuellen Möglichkeiten im Umgang mit der Situation taxieren. V. a. diese sekundären Einschätzungen sind abhängig von Selbstwirksamkeitsund Kontrollüberzeugungen. Bei der Bewältigung wird zwischen problem- und emotionszentrierten Reaktionen unterschieden, wobei beide Formen der Bewältigung gleichzeitig auftreten können, also keine alternativen Strategien darstellen (vgl. ebd.). Mit den beiden Theorien kann ich nun theoriegeleitete Fallüberlegungen anstellen. Nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner haben Aussagen gemacht, dass sie gewisse Tätigkeiten auf Grund ihrer Sehbeeinträchtigung nicht mehr vollzie265