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Handlungsleitende Arbeitshypothese
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Im Gespräch mit P. wurden ihm die erklärenden Hypothesen in adäquater
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Form vorgestellt. Dabei zeigte er sich ganz erleichtert, dass von den
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Professionellen dieser ›unendliche Druck‹ auch wahrgenommen und auch
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gesehen werde, dass er in solchen Momenten nicht in der Lage sei,
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irgendetwas zu tun, sondern sich einfach von allem verkriechen wolle.
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Werden die vier erklärenden Hypothesen zusammen mit dieser Aussage
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betrachtet und nach gemeinsamen relevanten Erkenntnissen gesucht,
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lassen sich folgende Hauptaspekte erkennen: Der von P. subjektiv
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verspürte große Druck bei altersgemäßen Erwartungen und
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Anforderungen, die Strategie des Rückzugs von P. und Erhöhung des
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Drucks von außen durch Mutter und Professionelle. Daraus lässt sich
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folgende handlungsleitende Arbeitshypothese ableiten, welche in
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fokussierter Form alle wichtigen diagnostischen Erkenntnisse enthält:
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Wenn von Seiten der Professionellen und der Mutter jeglicher Druck in
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Bezug auf eine Arbeitsleistung weggenommen und gleichzeitig mit ihm
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herausgefunden wird, was er wirklich tun möchte und eine angemessene
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Aufgabe (bzw. ein kleines Projekt) in diese Richtung mit ihm vereinbart
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wird, das auch soziale Kontakte mit sich bringt und er darin Anerkennung
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erfährt,
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dann kann er seine Angst vor Versagen überwinden, eigene Perspektiven
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entwickeln und sich auch anderen Menschen gegenüber allmählich
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öffnen.
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Fragestellung
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Nun ist zu überlegen, wie die Einschätzung der Professionellen von P. und
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seinen derzeitigen Möglichkeiten zu arbeiten verändert werden kann,
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damit sie Druck wegnehmen, und wie die Mutter für diesen neuen Zugang
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zu P. gewonnen werden kann. Gleichzeitig sind mit P. Kleinstprojekte zu
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entwickeln, die anschlussfähig sind und ihm Möglichkeiten von
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Partizipation vermitteln. Aus diesen Überlegungen ergeben sich folgende
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Fragen für die Professionellen:
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• Wie kann im Team sowie in Zusammenarbeit mit der Mutter die
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Erwartungshaltung an P. reflektiert und verändert werden?
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• Wie können die alltäglichen Arbeitsanforderungen so verändert
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werden, dass P. sich auf sie einlassen kann?
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• Welches kleine Projekt wäre geeignet, das P. selbstaktiv gestalten kann,
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ihn in Kontakt mit anderen Menschen bringt und das Erfahrungen von
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Gelingen und Erleben von Selbstwirksamkeit ermöglicht?
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10.3
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Rekonstruktives Fallverstehen
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Unter der Bezeichnung ›rekonstruktives Fallverstehen‹ wurden in der
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Sozialen Arbeit – ausgehend von der Traditionslinie der Chicagoer Schule
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