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Beziehung: Nur wenn diagnostische Überlegungen zur Einschätzung geführt haben, dass es in einem Fall nicht nur um die Vermittlung von Informationen oder Ressourcen geht, sondern um Veränderung der Person und ihrer Lebensweise, dann ist persönliche Hilfe notwendig – und hier wird die ›helfende Beziehung‹ als methodisches Hilfsmittel genutzt (vgl. ebd. 94). Bang unterscheidet vier Phasen des Hilfeprozesses: Die erste Phase beinhaltet das »Herstellen eines günstigen Arbeitsklimas« (ebd:98). Die zweite Phase nennt sie »Selbstkritik« (ebd.:107); hier soll die Beziehung des Klienten zu sich selbst thematisiert und die Fähigkeit zu Selbstkritik gestärkt werden. Thema der dritten Phase ist »Gewinn neuer Einsichten« (ebd.:112); dabei hat die Sozialarbeiterin neue Perspektiven aufzuzeigen und Leistungsforderungen zu stellen. In der letzten Phase geht es um das »praktische ›Üben‹ der neu gewonnenen Einsichten (Realisieren und Integrieren)« (ebd.:124). Die Gestaltung der Beziehung ist nach Bang insbesondere in der ersten Phase wichtig. Das Arbeitsklima ist anfänglich bestimmt von widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen der beteiligten Personen. Ein Klient komme zum Gespräch zunächst mit Gefühlen von Kummer bis Wut, von Misstrauen, Zweifel und Angst, von Unzulänglichkeit ebenso wie von Hoffnung – wobei anzunehmen sei, dass negative Gedanken und Gefühle ein Übergewicht haben (vgl. ebd.:99). Bei der Sozialarbeiterin herrscht anfangs vielleicht Unsicherheit vor. Ihre Aufgabe in dieser Situation ist nun, ein »emotionelles Angebot« (ebd.:101) an die Klientin zu machen, welches darauf abzielt, die Spannungen zu reduzieren. Sie kann sich dabei auf die latente Beziehungsbereitschaft der Klientin stützen, auf das emotionale Grundbedürfnis nach befriedigenden mitmenschlichen Beziehungen, das bei jedem Menschen vorhanden, wenn auch vielleicht verborgen ist. Bang umschreibt das emotionelle Angebot des Sozialarbeiters u. a. mit Wohlwollen, das mit Wärme und Herzlichkeit verbunden sei, oder auch mit Sorge, Interesse und Anteilnahme (vgl. ebd.:103 f.). Die Gestaltung dieses Beziehungsangebots sieht Bang als einen schöpferischen Akt: Was zu tun ist, kann theoretisch lediglich in Grundzügen skizziert werden, in der konkreten Situation bedarf es des emotionellen Einsatzes und der Phantasie der Professionellen (vgl. ebd.:100). Es gibt nach Bang keine Techniken, um ein günstiges Arbeitsklima herzustellen. Erforderlich seien vielmehr eine akzeptierende, nicht verurteilende Grundeinstellung des Sozialarbeiters sowie eine diagnostische Vorarbeit, die sich auf den Hintergrund von ablehnendem oder schwierigem Verhalten des Klienten bezieht: »Diese gedankliche Vorarbeit bewirkt den Wunsch zu verstehen; der Wunsch zu verstehen mindert Gefühle von Ablehnung, Neigung zu Verurteilung und Geringschätzung, macht den Weg gleicher Weise frei für sachliche Objektivität und für das emotionelle Angebot« (ebd.:105) – denn dieses Vorgehen ermöglicht es, schwierige Verhaltensweisen eines Klienten nicht auf sich persönlich zu beziehen. Auch während der nachfolgenden Phasen des Hilfeprozesses gilt es, das emotionelle Angebot aufrecht zu halten, um beim Klienten einen Wandlungsprozess zu unterstützen, der eine neue Sicht auf sich selbst und neue Verhaltensweisen beinhalte. Wichtiges Element dabei ist die Identifizierung des Klienten mit der Sozialarbeiterin: Es sind nach Bang