2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/513.md

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Wie sollte beforscht werden?
Biografien, Lebenslagen, Lebensstilen, Wünschen, Werten, Absichten, Gefühlen
und Wirklichkeiten) schwer einzufangen, sie ist stets im Fluss, also prozesshaft
(was heute besprochen wird, gilt vielleicht morgen schon nicht mehr), sie ist einzigartig (was in einem Fall funktioniert, muss noch lange nicht in einem anderen
Fall funktionieren), und die beforschte Konstellation ist immer schon vorbei (sie
wird nie wieder genau so sein allenfalls ähnlich) (vgl. Gahleitner/Ortmann 2006,
S. 41). Zudem sind auch die politischen und gesellschaftlichen Systeme in die
psychosoziale Praxis eingebettet, von denen sie aber auch teils erheblich beeinflusst ist in ihren Strukturen komplex und hohen Veränderungsdynamiken unterworfen. Aus Forschung abgeleitetes theoretisches Wissen ist unerlässlich, die
Schematisierung individueller, biografisch bedingter Problemlagen jedoch herausfordernd. Hilfeprozesse da macht die Traumapädagogik keine Ausnahme
sind daher sehr schwer zu (er-)fassen. Andererseits haben Traumabetroffene, insbesondere früh traumatisierte Personen mit spezifischen Förderbedarfen, ohne
Zweifel ein Anrecht, auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten und
Erkenntnisse über psychosoziale Praxis Hilfe zu erfahren.
Auf der Suche nach Tragfähigkeit und Generalisierbarkeit von Ergebnissen
haben in den letzten Jahren auch in der Sozialen Arbeit evidenzbasierte Methoden an Bedeutung gewonnen (vgl. hier und im Folgenden Gahleitner/Schmid
2014; Schmid 2012; Gahleitner/Taube 2024). »Evidence-based« bedeutet zunächst »auf Beweisen beruhend«. In der Logik der klassischen evidenzbasierten
Medizin wird dabei nur quantitativen Forschungsdesigns mit randomisierten
Kontrollgruppenstudien eine Tragfähigkeit bescheinigt. Für viele Aspekte der
Traumapädagogik und viele andere Bereiche der Sozialen Arbeit und des Bildungsbereichs ist diese Form der Forschung jedoch nicht oder nur sehr schwer
unter hohem Ressourceneinsatz umzusetzen. Forschung nach diesem Goldstandard geht daher nicht selten an der Realität der Praxis vorbei (zu weiteren Problemen Schmid et al. 2009).
Diese Tatsache hat zu einer kontroversen Debatte über evidenzbasierte Forschungsmethoden geführt, die noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Die aktuell gültige Übersicht über »Multiple Types of Research Evidence« aus den USA gibt
inzwischen z. B. praxisnahen, qualitativen Vorgehensweisen und partizipativen
Forschungsanliegen deutlich mehr Gewicht als früher (Petr/Walter 2009; Levant
2005). Professionelles Fallverstehen und qualitative Fallstudien werden nach diesem aktuellen Verständnis evidenzbasierter Ansätze als Generierungsmöglichkeiten von Wissen um Wirkung ausdrücklich formuliert, randomisierte Kontrollgruppenstudien dagegen werden als eher selten erreichbare Form von
Wirkungsnachweisen ausgewiesen (Schmitt 2011). Radikale Positionen hätten also eigentlich ausgedient (zu den Diskussionen vgl. u. a. Hüttemann/Sommerfeld
2007; zusammenfassend Gahleitner/Taube 2024), werden aber im deutschen
Sprachraum teilweise nach wie vor vertreten.
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