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Einleitung
ziale Bezüge, wie die Traumakonzepte der Psychoanalyse, die Konzepte zu Kriegsneurosen nach dem Ersten Weltkrieg oder das ›Überlebendensyndrom‹ bei Verfolgten des Nationalsozialismus. Infolge singulärer Ereignisse wurde ein quasi universelles Traumakonzept entwickelt, das auf viele verschiedene gewaltsame Ereignisse und sowohl für Opfer als auch für Täter*innen anzuwenden sein soll. Die PTSD blendet als symptomfokussierte Diagnose den gesellschaftlichen und soziokulturellen Kontext und die sozialen Folgen von Traumatisierung jedoch weitgehend aus. Durch den Fokus auf individuelle Psychopathologie erfolgt eine Überführung politischer in medizinische Diskurse und eine Vereinzelung der Opfer – das Trauma wird nicht mehr als potenziell gesellschaftliches Problem, sondern als Einzelfall behandelt (Becker 2003; Becker 2014).
Trauma als Prozess Ein stärker prozesshaftes Traumaverständnis trägt gerade für komplexe Traumatisierung durch sogenannte »man-made disasters« (durch Menschen verursachte Katastrophen) zu einem besseren Verständnis bei. Der Sozialpsychologe Ignacio Martín-Baró (1990) prägte den Begriff des »psychosozialen Traumas«, um die Einseitigkeit individualpsychologischer Sichtweisen auf Trauma zu durchbrechen. Er wehrte sich dagegen, Reaktionen von Menschen auf Gewalterfahrungen durch die Kategorie »Trauma« zu pathologisieren und sie zu individualisieren, er benannte die sozialen Strukturen als traumatogen und sprach sich für Interventionen auf der psychosozialen Ebene aus. Das Konzept des ›psychosozialen Traumas‹ spielt jedoch in der psychotraumatologischen Fachliteratur nur am Rande eine Rolle. Die vielfältigen Folgen von kollektiver sowie transgenerationaler Traumatisierung sind hingegen zunehmend Gegenstand des psychotraumatologischen Diskurses. Das Konzept des »sozialen Traumas« umfasst dabei nicht nur die Formen kollektiver Gewalt, sondern auch die vielfältigen sozialen Folgen auf familiärer oder Gruppenebene sowie für gesellschaftliche Prozesse (vgl. Hamburger/Hancheva/Volkan 2022). Stärker rezipiert wird das Modell der sequenziellen Traumatisierung von Hans Keilson (2005), das konzeptuell die soziokulturellen und prozesshaften Dimensionen von Trauma berücksichtigt und gerade bei Traumatisierung durch Krieg, Verfolgung oder Vertreibung sowie im Kontext Flucht breite Anwendung findet. Keilson unterschied in einer Langzeitstudie mit jüdischen Kindern, die den Holocaust übererlebt hatten, drei Sequenzen der Traumatisierung. Die erste Sequenz ist die, in der sich das Unheil ausbreitet, aber noch ein Minimum von Sicherheit und Alltag für die Verfolgten möglich ist. Die zweite Sequenz ist die des unmittelbaren Terrors mit physischer und psychischer Vernichtung und schweren Verlusten. Die dritte Sequenz ist die Zeit, in der die unmittelbare Gefahr für das Leben vorbei ist und die Überlebenden in irgendeiner Form Aufnahme in der Gesellschaft, in Pflegefamilien und/oder im Exil gefunden haben. Das, was den Menschen in dieser dritten
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