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Raw Blame History

Adressat/innen- und Agency-Orientierung als theoriebezogene Perspektiven

Adressat/innen- und Agency-Orientierung als theoriebezogene Perspektiven Kooperation erfolgreich zu gestalten, ist also wie soeben sichtbar wurde außerordentlich voraussetzungsreich und ihr Gelingen mit Hürden gespickt. Die dazu erforderlichen Aufgaben werden häufig unterschätzt: inhaltlich wie strukturell. Systematisch und kontinuierlich auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Kenntnis und Anerkennung der jeweiligen Arbeitsaufgaben und Relevanzstrukturen fallübergreifend Kooperationsnetze zu entwickeln, füllt einen eigenen Aufgabenbereich und geht nicht »nebenbei«. Kooperation ist daher nur als ein fortwährender Prozess möglich, der stets weiterzuentwickeln ist und von allen Beteiligten gepflegt und evaluiert werden muss. In den traumapädagogischen Konzeptionen und Schulungsreihen muss dieser Aspekt also ausreichend Ausgestaltung erfahren. Diese Ausgestaltung hat nicht nur eine organisatorische, sondern auch konzeptionelle und theoriebezogene Seite. »Der junge Mensch muss im Mittelpunkt der verantwortlichen Teilsysteme stehen« (BT-Drs. 16/12860 2009, S. 13) das ist dann der Fall, wenn auch seine Agency, seine Handlungsbefähigung im Mittelpunkt steht (vgl. allgemein zu den verschiedenen Theorieentwürfen zu Agency Raithelhuber 2011). »Agency konstituiert sich jedoch nicht nur in aktuellen Handlungsbedingungen, sondern wesentlich auch aus lebensgeschichtlich akkumuliertem Erfahrungsmaterial. Biographie dramatisiert sich in der Gegenwart, in der Individuen in abnehmendem Maße in Traditionen und klare gesellschaftliche Institutionalisierungsprozesse eingebettet sind«, so Bitzan und Bolay (2013, S. 47). In die biografischen Erfahrungen fließen auch die Erfahrungen mit sozialen Diensten ein und »präfigurieren weitere Erfahrungen mit ihnen. Statt der Annahme einer vorsozial gegebenen Authentizität des Subjekts zu folgen, werden im Biographiebegriff Prozesse thematisiert, wie Individuen ihre Subjektivität gestalten situativ, widersprüchlich, als praktische Bewältigung« (Bitzan/Bolay 2013, S. 47f.; vgl. auch Bitzan/Bolay 2018, S. 46). Die Agency der Adressatinnen eingedenk eines solchen Subjektverständnisses in einer kooperativ angelegten und reflexiv operierenden Traumaarbeit zu stärken, sollte ein zentrales Anliegen gleichermaßen im Prozess von Behandlung wie auch Hilfe sein. Agency lenkt den Blick von einem Mangel an Verwirklichungschancen hin zu einer Vorstellung von Personen als Gestalterinnen ihrer Lebenspraxen auf der Grundlage ihrer Lebenslage. Vertrauen in die Bereitschaft, die eigenen Fähigkeiten, die eigene Teilhabebereitschaft am gesellschaftlichen Leben und auch die Bereitschaft, »auf eigenen Füßen zu stehen«, zu stärken, sind gleichermaßen Eckpunkte einer kooperativ fundierten Traumaarbeit. Die Kinderund Jugendhilfe hat sich auf den Kerngedanken des Kinder- und Jugendhilfegesetzes von 1990 (§ 1, Abs. 1) zu beziehen: »Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen

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