2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/427.md

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Resümee oder was das gemeinsame Tun uns bringt.
Durch die Vermittlung von Fachwissen an die Mädchen* und Jungen* ist Traumapädagogik immer wieder Thema in den Gruppen. Das fordert die Leitungen
auf allen Ebenen, traumapädagogisches Wissen bereitzustellen, sei es durch Fortund Weiterbildungen, durch pädagogische Tage, in den Teamsitzungen etc. sowie
die Nachhaltigkeit der Workshops regelmäßig zu überprüfen. In größeren Einrichtungen bietet sich ein gruppenübergreifender offener Treff mit Expert*innen
und Fachmenschen an.
Resümee oder was das gemeinsame Tun uns bringt.
Selbstverstehen durch Fachwissen eröffnet den Mädchen* und Jungen* einen anderen, erkennenden Blick auf sich selbst. »Ich glaube, dass mein Professor noch nie
ein Wörtchen mitgeredet hat. Ich flippe so schnell aus. Kann es sein, dass meine Katze bei allem sofort auf den Alarmknopf haut und die Eidechse geht ab.« Meist erkennen sie auch, welche originellen Regulationsmechanismen sie hatten und haben,
sie haben also einen positiven Blick auf sich: »Wenn ich ganz viel Stress habe, hilft
es, wenn ich mich auf den Boden lege. Der ist fest und kalt.« Selbstverstehen durch
Fachwissen korrigiert das Gefühl, anders zu sein. »Wer ein chronisches Trauma
erlitten hat, fühlt sich unwiderruflich anders oder verliert jegliches Gefühl für sich
selbst« (Herman 1993, S. 23). Durch Verhaltensweisen wie Übererregung, Dissoziation, Erstarren wird das verstärkt: »Ich habe mich bis dahin nicht getraut zu denken, dass ich normal bin. […] Bisher hatten mir alle gesagt, dass ich nicht normal sei,
ins Heim musste und nicht mehr bei meinen Eltern leben durfte.« Durch Verstehen
scheint es möglich, dieses Grundgefühl zu korrigieren, zumindest zu minimieren.
»Jetzt kann ich mich annehmen und muss nicht mit dem Gefühl leben, dass ich nicht
in die Gesellschaft passe.« (Weiß/Sauerer 2018, S.14).
Mehr noch als das Selbstverstehen heilt das gemeinsame Verstehen. »Die Wiederanknüpfung sozialer Beziehungen beginnt mit der Entdeckung, dass man nicht
allein ist. Nirgendwo spürt das Opfer das so unmittelbar und in so überzeugender
Deutlichkeit wie in einer Gruppe.« (Herman 1993, S. 308). Es sei die Zeugenschaft
anderer so Anja Sauerer die dazu führt, »[…], dass das innere Erleben und die
Vergangenheit wahr werden und so ein Ja zu sich selbst als Basis für weitere heilsame Prozesse entsteht.« (Weiß/Sauerer 2018, S. 179) »Wir, die jungen Autorinnen
des Buches: »Hey ich bin normal« haben zunehmend erfahren dürfen, dass wir einen
Ausdruck finden für das, was uns widerfahren ist. Wir konnten unseren Erlebnissen
und herausfordernden Erfahrungen nicht nur Worte geben, sondern sind auch mit
dem Schmerz in Verbindung gegangen. Wir erlebten, dass wir nicht der Schmerz und
die Verletzung sind« (Ebert et al. 2022). Eine neue Verbundenheit mit sich und mit
anderen zu erleben, kann Menschen eine sinnstiftende und heilsame Erfahrung
schenken.
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