2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/416.md

2.4 KiB

416

» … mit einer Ansammlung von Einzelkämpfern«

  1. Was soll für die Pädagog*innen gesichert werden?
  2. Was soll für die Kinder gesichert werden? »Es entsteht eine kollektive Haltung. Diese kollektive Haltung ist kein Kompromiss, sondern vielmehr eine Schnittmenge der persönlichen Haltungen aller beteiligten. In der Regel gibt es zu dieser Schnittmenge mehr oder weniger unterschiedliche persönliche Positionen an den Rändern. Bei der Pflege und Entwicklung einer gemeinsamen Haltung muss also nicht nur auf Gemeinsamkeiten geschaut werden, sondern auch auf Unterschiedlichkeiten. Erst wenn ich mit der Schnittmenge dieser unterschiedlichen, persönlichen Haltungen verbunden und bereit bin, die Unterschiedlichkeiten zu tolerieren, kann ich eine individuelle Entscheidung treffen, ob ich mich dieser kollektiven Haltung anschließe oder nicht.« (Bausum 2023)

Haltgebende Strukturen Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit belastenden und traumatischen Erfahrungen haben auch Willkür und Unzuverlässigkeit durch Erwachsene erlebt. Diese Kinder haben einerseits ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit über transparente haltgebende Strukturen, können sich andererseits aber nur schwer darauf einlassen. Das führt in der Regel zu Irritationen und Konflikten zwischen den Kindern und Jugendlichen und den erwachsenen Bezugspersonen. Haltgebende Strukturen sind beispielsweise: • ein individueller und verschriftlichter Wochenplan für alle Kinder, • ein öffentlich zugänglicher Dienst- und Urlaubsplan der erwachsenen Bezugspersonen, • Rituale für Aufnahmen, Geburtstage, Abschiede und andere Schlüsselprozesse, • Einbeziehen der Kinder und Jugendlichen in Planungsprozesse, • Gruppensprecherwahlen und Kinder-/Jugendgruppensitzungen installieren, • Anleitung zu Verantwortungsübernahmen im Gruppenalltag. Häufig ignorieren oder unterlaufen Kinder diese Strukturen, was bei den erwachsenen Bezugspersonen zu der Annahme führen kann, dass die Kinder und Jugendlichen diese Strukturen nicht als hilfreich erleben. Die Gefahr ist groß, dass die haltgebenden Strukturen nur noch nachlässig angeboten werden und durch starre Gruppenregeln ersetzt werden, die mehr der Funktionalität der Gruppe als den individuellen Nöten und Bedürfnissen der Gruppenmitglieder gerecht werden. Es ist die Aufgabe der Pädagog*innen, für die Umsetzung haltgebender Strukturen zu werben und die Kinder und Jugendlichen so weit wie möglich an der