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Die Dynamik von Trauma und Gruppe
FAZIT II
Wir arbeiten mit wenig etabliertem pädagogischem Bestandswissen.
Wenn die Traumafolgen der einzelnen Kinder und Jugendlichen auf die Gruppendynamik einwirken, hat das massive Auswirkungen auf das alltägliche Miteinander. Die Kinder und Jugendlichen triggern sich gegenseitig, unbewusst oder absichtlich, es finden immer wieder traumatische Übertragungen und
Gegenreaktionen zwischen den Kindern der Gruppe und mit den erwachsenen
Bezugspersonen statt. Die Kinder und Jugendlichen der Gruppen erleben, wie einzelne Gruppenmitglieder in heftige Konflikte mit den erwachsenen Bezugspersonen geraten oder wie andere Kinder der Gruppe massive Flashbacks erleben. Manipulationen können Bestandteil der Gruppendynamik werden.
FAZIT III
Wir arbeiten in Gruppen in einem verstrickten Geflecht von vielfältigen traumatischen
Wirkmächten, das wir nur schwer entwirren können.
»Der Selbstwert eines Menschen hängt von dem […] Erleben von Selbstwirksamkeit in sozialen Kontakten ab« (Weiß 2009, S. 167). Der Verlust selbstregulatorischer Prozesse führt unter anderem zu Unsicherheiten in Beziehungen (Van der
Kolk/McFarlane/Weisaeth 2000, S. 173). Haben einzelne oder alle Mitglieder einer
Gruppe traumatische Erfahrungen gemacht, wirken diese auf die Gruppendynamik. Die Kinder und Jugendlichen versuchen für sich selbst Sicherheit und Kontrollierbarkeit herzustellen, indem sie sich isolieren oder andere Mitglieder der
Gruppe manipulieren. Es schließt sich ein Teufelskreis. Kinder und Jugendliche,
die wenig Zugang zu selbstregulatorischen Fähigkeiten haben, sind unsicher in
Beziehungen, was verhindert, dass sie sich selbstwirksam in sozialen Kontakten
erleben, obwohl es genau dieses Erleben wäre, was ihnen das Gefühl von Selbstwert zugänglich machen könnte. Wenn die Folgen von traumatischen Erfahrungen Bestandteil von Gruppendynamik sind, arbeiten wir in der Regel nicht mit
Gruppen, sondern vielmehr mit einer Ansammlung von Kindern und Jugendlichen, die versuchen, ihre Unsicherheit in sozialen Bezügen über Isolation und Manipulation zu kompensieren und weit davon entfernt sind, sich in sozialen Kontakten selbstwirksam zu erleben.
FAZIT IV
Wir arbeiten zunächst nicht mit Gruppen, sondern mit einer Ansammlung von Einzelkämpfer*innen. Es ist die Verantwortung der Pädagog*innen, diese Einzelkämpfer*innen immer wieder in Gruppenbezüge zu bringen.
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