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Die unheilvolle Verflechtung von Trauma und Schuld
eines Ereignisses her gedacht ist, wie anhand biografischer Interviews gezeigt werden konnte (Andreatta 2015), so kann doch gelten, dass Scham und Selbstwertverlust von der erlebten Schuld wenig zu trennen sind. Doch Schuld kann anders reguliert werden als Scham. In ihrer Konsequenz kann Schuld zum Handeln führen,
als Reue oder Wiedergutmachung hier sei die Übernahme der Schuld anderer
ausgenommen , wohingegen Scham dem Impuls des Verschwinden- und Versinken-Wollens folgt (Lammers 2016). Die Formen traumabezogener Schuld- oder
Schamgefühle werden sich mit der Art des Traumas unterscheiden, wobei Handlung und Schaden auch nur gedanklich antizipiert sein können (Hirsch 2022,
S. 137), Schuldgefühle als Schutz vor Scham auftreten können, interpersonelle
Traumatisierung eher mit adaptiver Scham als Schuld einhergeht (Wetterlöv et al.
2021) und der Tod einer nahestehenden Person eher mit Schuld als Scham (Erb et
al. 2023).
Die Verflechtungen von Trauma und Schuld
Im Folgenden gilt der Blick den unterschiedlichen Dynamiken der Verknüpfung
von Trauma und Schuld, wobei vor allem die Besonderheit für das traumapädagogische Handeln mitgedacht wird.
1. Schuldgefühle im Dienst der Anpassung
In sehr vielen Situationen »dienen« Schuldgefühle der Anpassung an ein Trauma.
In Anlehnung an den Entwicklungspsychologen Jean Piaget kann dieses Auftreten
von Schuldgefühlen als spezifische Anpassungsleistung an eine nicht assimilierbare Erfahrung verstanden werden. Traumata bedrohen unsere fundamentalsten
Annahmen der Welt und uns selbst. Dabei wird versucht, diese Annahmen in jedem Fall zu schützen, sodass die Illusion der Unverwundbarkeit möglichst aufrechterhalten wird (Janoff-Bulman 2002; Andreatta 2010). Eine Traumatisierung
bedeutet das schutzlose Ausgeliefertsein, die völlige Preisgabe, starke Hilflosigkeit,
Ohnmacht sowie Angst. Indem das Individuum sich selbst die Schuld für ein traumatisches Ereignis zuschreibt und damit auf der eigenen Handlungsfähigkeit beharrt, wirkt es dieser schutzlosen Preisgabe, Kontrollverlust und Hilflosigkeit entgegen. Schuldgefühle funktionieren in diesem Falle als Abwehr bzw. Schutz, indem
sie die subjektive Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Kontrolle und
der Vorhersagbarkeit von Ereignissen ermöglichen, wobei die Illusion der Unverwundbarkeit wiederherzustellen gesucht wird (Janoff-Bulman 2002; Ehlers 1999).
Das traumabezogene Schuldgefühl selbst wird dabei als »Preis« in Kauf genommen. Becker (1992) bringt dies auf den Punkt, wenn er schreibt: »Die Schuldzuweisung [sich selbst gegenüber] kompensiert die Erfahrung der totalen Ohnmacht