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Entwicklung des Schuldgefühls
Die unheilvolle Verflechtung von
Trauma und Schuld
Beate Rohrer, Anna Krimmer und Pia Andreatta
Vacare culpa magnum est solacium.
Von Schuld sich frei zu fühlen, ist ein starker Trost.
Marcus Tullius Cicero
Schuld und Trauma in ihrer Verflechtung, Verknotung und Verstrickung finden sich
in vielen Biografien, auch in denen junger Menschen. Trauma und Schuld können
sich sehr unterschiedlich bedingen und durchdringen. Das Erleben und Überleben
von Trauma führt nur selten an der Schuld vorbei: Kinder und Jugendliche können
sich schuldig fühlen, ohne jedwede Schuld, müssen Schuld ertragen, abwehren oder
verhandeln, werden Verantwortung übernehmen oder von sich weisen. Und vor allem werden sie häufig übernehmen, was so gar nicht zu ihnen gehört.
Im Grunde müsste der sozialen Emotion Schuld, als welche sie häufig bezeichnet
wird, nichts gravierend Negatives unterstellt werden, lädt sie doch zu sozialem
Regulativ, Entschuldigung, Wiedergutmachungsbemühung und Verzeihen wie
Versöhnen also zu durchaus konstruktivem und reifem zwischenmenschlichen
Tun ein. Allerdings zeigt eine wachsende Studienlage, dass bei Traumatisierungen neben Angst und Ohnmacht vor allem auch Schuldgefühle und Scham die
Anpassung langfristig erschweren (Janoff-Bulman 2002; Andreatta 2015; Badour
et al. 2017; Stotz et al. 2015; Kümmerle et al. 2022; Erb et al. 2023).
Dieser Beitrag möchte die Dynamiken der unheilvollen Verflechtungen von
Trauma und Schuld in bereits jungen Biografien in den Blick nehmen. Adressiert
werden (1) Schuldgefühle im Dienste der Anpassung, (2) Überlebendenschuld bei
Jugendlichen, (3) die Übernahme der Schuld von Täter*innen durch die Opfer bei
interpersoneller Gewalt, (4) die Schuld bei der unintendierten Tötung oder Verletzung anderer durch junge Menschen und (5) Fragen der Delinquenz bei Jugendlichen. Vorerst jedoch gilt ein kurzer Abriss der Entwicklung des Schuldgefühls
sowie der Moral und den Verwandten der Schuld: Angst, Scham und Selbstwert.
Entwicklung des Schuldgefühls
Freud betrachtete das Schuldgefühl als das wichtigste Problem der Kulturentwicklung. Allen voran hat er dieses vor dem Hintergrund der psychosexuellen Entwick-
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