2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/385.md

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Raw Blame History

Die Expert*innenschaft

um ihr Sein in einer Einrichtung der Kinder und Jugendhilfe in der Anfangsphase deutlich. Sie erzählten von einer großen Verunsicherung, weil sie nichts über die Gründe ihrer Unterbringung wussten oder weil die formulierten Gründe nicht ihrem Erleben entsprachen. Warum bin ich hier? Die Beantwortung dieser Frage in der Hilfeplanung dient der Sicherheit der Mädchen* und Jungen* aus herausfordernden Lebensumständen. Und weil die Hilfeplanung für das Leben der Mädchen* und Jungen* in gleichem Maße entscheidend und mit Stress besetzt ist »[…] gestalten die Mädchen und jungen Frauen im Antonia Werr Zentrum ihr Hilfeplangespräch federführend eine echte Kooperation mit. Sie bereiten in Begleitung der pädagogischen Fachkräfte kreative Methoden vor, um ihre erreichten Ziele darzustellen, ihre Perspektiven und Wünsche mit Freude aufzuzeigen. Sie schaffen gemeinsam im Rahmen des Hilfeplangespräches einen soweit als möglich sicheren Ort, welches ihre aktuelle Situation, ihren Entwicklungsstand und ihre Bedürfnisse berücksichtigten. Der Hilfeplan ist nicht nur Formsache oder Verwaltungsakt, er ist eine wesentliche Chance, die Expertenschaft anzuerkennen, das gemeinsame Verstehen zu etablieren, Partizipation zu pflegen und heilsame korrigierende Erfahrungsräume für eine gelingende Hilfe zu schaffen« (Sauerer/Weiß 2020, S. 642).

Sich einmischen Auch und vor allem die Pädagogik der Selbstbemächtigung kommt nicht ohne politische Prozesse aus, sie ist Wiederherstellung sozialer Teilhabe. Der Selbstbemächtigung dient es, sich gemeinsam mit den Menschen, die die Ausgliederung bestimmter Gruppen aus gesellschaftlicher Teilhabe nicht hinnehmen, zu verbinden. Selbstbemächtigung bedeutet auch, Jugendliche dabei zu unterstützen, neue Formen der Selbstorganisation zu finden und sich in sozialen Bewegungen zu beheimaten; so haben sich z. B. die Careleaver, also junge Menschen, die die stationäre Jugendhilfe verlassen, in einem Netzwerk (www2.careleaver.de) zusammengetan. Und wir müssen auf die Suche gehen: Mit welchen Inhalten kann es gelingen, orientiert an den Bedürfnissen der Mädchen* und Jungen*, altersentsprechend gegen die Individualisierung von Nichtbewältigung und Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsgruppen Widerstand zu leisten? Vielleicht leben im Umfeld Flüchtlinge oder minderjährige Flüchtlinge, die über ihre Situation reden wollen und die Unterstützung brauchen. Das österreichische sozialpädagogische Friedensprojekt Mirno More z. B. bietet als Friedensflotte lebensgeschichtlich belasteten Mädchen* und Jungen* die Möglichkeit, sich mit Mädchen und Jungen aus anderen Nationen auseinanderzusetzen (www.mironomore.org). Wenn es in den 1970er-Jahren möglich war, als Bestandteil einer institutionalisierten Pädagogik Mädchen* und Jungen* beim Verstehen und sich Einmischen in gesellschaftliche und sozialpolitische Prozesse zu unterstützen, ist dies heute notwendiger denn je.

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