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Pflegekindschaft: Chancen für traumatisierte Kinder in neuen Eltern-Kind-Beziehungen

neuen Selbstdefinition bei den Pflegeeltern aufzugeben, sich nun also als liebensund schützenswertes sowie verstehbares Kind zu erleben. In der Fachliteratur werden unterschiedliche Phasen in der Pflegefamilie unterschieden. Mit Blick auf die inneren Prozesse, die Erfahrungen, Ängste und Bedürfnisse des durch eigene Eltern traumatisch belasteten Kindes und die Voraussetzungen zur Entstehung einer echten Eltern-Kind-Beziehung veröffentlichten Nienstedt und Westermann 1989 die Theorie der Integration (Nienstedt/Westermann 1989, S. 45ff.; 2007, S. 80ff.). Sie unterscheiden drei Phasen: Anpassung und Annahme, Wiederholung früherer Beziehungsformen in der Übertragungsbeziehung und Entwicklung persönlicher Beziehungen durch regressive Beziehungsformen.

Die Anpassungsphase Die erste Zeit in der Pflegefamilie erscheint oft problemlos. Ein Kind passt sich den angenommenen Erwartungen der Pflegeeltern an. Es ist geleitet von seinen Wünschen und Sehnsüchten, angenommen, verstanden und geliebt zu werden. Zugleich hält es aber seine Ängste vor erneuter Verletzung und Zurückweisung in Form von Überanpassung in Schach. So ist dieser Prozess auch mit gemischten Gefühlen, Ambivalenzen und Zögern verbunden. Gerade diese erste Phase können Pflegeeltern nutzen, sich als verlässliche, verstehende und liebevolle Eltern zu erweisen und auf diese Weise um ihr Kind zu werben. »Wir sind für dich da. Wir interessieren uns für dich, für deine Bedürfnisse und Nöte sowie für deine Stärken. Hier darfst du so sein, wie du bist.« Die Pflegeeltern sollten »dem Kind erlauben, dass es sie in einem von ihm in Gang gesetzten Dialog verwickelt. So gewinnt es Einfluss auf diejenigen, von denen es abhängig ist. (…) Indem die Eltern sich vom Kind an die Hand nehmen lassen, ermöglichen sie ihm, dass es Einfluss auf sie gewinnt und die aus ängstlicher Unsicherheit resultierende Überanpassung aufgeben kann« (Nienstedt/Westermann 2007, S. 90). So kann das Kind in dieser ersten Phase bereits etwas Vertrauen gewinnen und dann zunehmend wagen, sich auf Nähe einzulassen, die auch Gefühle von Angst, Wut und Ohnmacht weckt. In dieser Phase kann das Kind etwas Hoffnung schöpfen, dass die neuen Eltern auch mit diesen Gefühlen umgehen können. Vielleicht signalisieren sie: »Bei uns darfst du Angst und Wut haben, verzweifelt sein oder uns hassen. All deine Gefühle sind bei uns willkommen. Wir können damit umgehen.« Bleibt ein Kind in der Phase der Überanpassung stecken, kann die Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen und der Aufbau neuer befriedigender Eltern-Kind-Beziehungen kaum gelingen. Oft zeigt sich dann in der Pubertät, dass sich ein Kind nicht angenommen und sich nicht als Kind dieser neuen Eltern fühlt. Vor dem Hintergrund von Todesängsten und massiven Zurückweisungen in Verbindung mit Abhängigkeitsbeziehungen zu Eltern brauchen Kinder wie Jan