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Therapeutische Übergangshilfen: Schutz, Neuorientierung und Perspektivklärung
erlaubt, sich von seinen leiblichen Eltern zu distanzieren, zu trauern und ein realistisches Elternbild zu entwickeln. Es kann handelndes Subjekt werden, eigene Bedürfnisse entdecken und eigene Stärken entfalten. Wilma Weiß schreibt in ihrer Pädagogik der Selbstbemächtigung von der »Notwendigkeit der Rückeroberung des Selbst und die Wiederverbindung zum eigenen Unversehrten« (Weiß 2024, S. 139). Pädagogisch ausgebildete Fachkräfte können zusammen mit diagnostisch und psychotherapeutisch ausgebildeten Spezialisten auf der Grundlage einer umfassenden diagnostischen Untersuchung die Frage nach der Lebensperspektive klären. Die Kinder leben so kurz wie möglich und so lange wie nötig in der Übergangshilfe, bis die Perspektive geklärt ist, bestenfalls die Symptome der Kinder verstanden und erste Heilungsschritte gegangen sind. Wenn sie darüber hinaus neue Erfahrungen mit liebevollen, berechenbaren, schützenden und feinfühligen Bezugspersonen machen, entwickeln viele Kinder im eigenen Tempo wieder den Wunsch nach elterlichen Bezugspersonen. BEISPIEL
So fragt schließlich Jan seine ausgewählte Lieblingspädagogin Conny: »Hast du auch Kinder? Wo wohnst du? Kann ich nicht bei dir wohnen?« Und er bekommt die einfühlsame und auch hoffnungsvolle Antwort: »Du brauchst wirklich Erwachsene, die mehr Zeit für dich haben und immer für dich da sind. Das kann ich leider nicht für dich sein. Aber wir werden auch für Dich Erwachsene finden, die viel Zeit für Dich haben und die für Dich da sind.«
Dies ist der Zeitpunkt, an dem Pflegeeltern dem Kind mehr geben können als Mitarbeiter*innen in einer Gruppe. Im besten Falle sind bereits passende neue Eltern gefunden, auf die ein Kind in kleinen Schritten seine Beziehungswünsche richten kann und ein den Bedürfnissen des Kindes entsprechender Abschied ermöglicht wird. Es geht also darum, den Übergang von der Aufnahme bis zur Entlassung so zu gestalten, dass eine Integration in eine Pflegefamilie gelingt. Für einige Kinder werden kleine geeignete Wohngruppen gesucht, wenn sie sich aufgrund schwerer traumatischer Erfahrungen nicht mehr auf nahe Eltern-Kind-Beziehungen einlassen können (Dörnhoff 2018, S. 205–229). Forschungsergebnisse zeigen positive Effekte einer Übergangshilfe und eine hohe Stabilität der Anschlussperspektive »Pflegefamilie«. Nach drei und fünf Jahren ist die Stabilität der Perspektive »Pflegefamilie« höher als im Bundesdurchschnitt, wenn Kinder zuvor in einer Übergangshilfe untergebracht waren (Dörnhoff/Janning 2010; Janning/Herrmann 2019).
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