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Pflegekindschaft: Chancen für traumatisierte Kinder in neuen Eltern-Kind-Beziehungen
Vorteile einer Heimerziehung mit Schichtdienst gegenüber Bereitschaftspflegefamilien bestehen darin, dass Kinder, für die die Abhängigkeit von Eltern hoch
frustrierend und beängstigend war, nicht gleich wieder mit Eltern konfrontiert
werden und nicht die Fantasie haben müssen, Elternerwartungen erfüllen zu sollen. Sie können selber Nähe und Distanz bestimmen und leichter Zugang zu ihren
Affekten und Gefühlen gewinnen (ebd. 2007, S. 284ff.).
In kleinen Intensivgruppen, wie zum Beispiel in der 1989 gegründeten Therapeutischen Übergangshilfe des Caritas-Kinder- und Jugendheimes in Rheine, leben traumatisierte Kinder vorübergehend mit vier bis sechs Kindern zusammen
(Dörnhoff 2018, Janning 1995). Den Schutzraum »Gruppe« dürfen keine Eltern
und keine fremden Erwachsenen betreten. Viele Kinder fordern das auch ein.
BEISPIEL
Anna fragt den Gruppenpädagogen abends immer wieder, ob er die Tür abgeschlossen
habe und was er tun würde, wenn ihr Vater komme, ob er stark genug sei und ob andere
helfen würden. Er sichert ihr zu, alles dafür zu tun, um sie zu schützen. Vor allem würdigt
er einfühlsam: »Gar nicht so leicht zu glauben, dass Erwachsene dich wirklich schützen.
Das ist doch allzu verständlich bei all dem, was du erlebt hast.«
In einem auf die individuellen Bedarfe der Kinder ausgerichteten heilpädagogischen Milieu erleben Kinder Schutz, Verlässlichkeit, Versorgung, freundliche Zuwendung, Hilfe und ein hintergründiges Verstehen und Beantworten ihrer Bedürfnisse.
BEISPIEL
Jan, der als Kind gehungert hat, sitzt mit vier anderen Kindern am Frühstückstisch und
fragt sich, ob wohl genug Brot für ihn da ist. Jetzt greift er gierig zu, nimmt drei Scheiben
Brot auf einmal und hält den Aufschnittteller in seinen Händen. Die Mitarbeiterin sieht
seine Not und sagt: »Oh ja, Jan, jetzt erst mal drei Scheiben für dich alleine. Hier darfst
du so viel essen, wie du möchtest. Schlimm, wenn man Angst haben muss, nicht genug
zu bekommen oder gar zu verhungern.« Sie holt ein eigenes Brotkörbchen für ihn und
einen eigenen Aufschnittteller. »Das ist jetzt nur für dich«, sagt sie und erwartet nicht,
dass Jan sich nun zurückhält. Er beruhigt sich und lächelt freudig berührt. Eine Erfahrung, die für Jan neu ist. Den anderen Kindern erklärt die Mitarbeiterin, dass sie merkt,
wie wichtig es Jan ist, genug und direkt etwas zu essen zu bekommen. Und sie fügt hinzu »Mir ist es wichtig, dass ihr alle bekommt, was ihr braucht. Aber das ist für jedes Kind
etwas anderes.«
Der Grund der Unterbringung wird dem Kind bei der Aufnahme oder in den
Tagen danach von den Pädagog*innen oder auch von den Eltern selbst mitgeteilt, damit es die Trennung verstehen und verarbeiten kann. Dem Kind wird