2.1 KiB
272
Unbegleitete junge Geflüchtete in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
Unbegleitete junge Geflüchtete in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe Claudia Menesch und Mirja Keller
BEISPIEL
Jalal, 16 Jahre, aus Afghanistan, flüchtet, da seine Eltern und Geschwister von den Taliban getötet wurden. Er begibt sich mit seinem Onkel auf die Flucht. Im Iran werden beide getrennt, und er reist alleine weiter. Jalal reist ohne Sorgeberechtigten in Deutschland ein. Er lebt in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe. Jalal verhält sich sehr auffällig, er ist aufbrausend und aggressiv. Es fällt ihm schwer, sich an die Regeln der Einrichtung zu halten.
BEISPIEL
Awet, 14 Jahre, aus Eritrea, flüchtet, um der Zwangsrekrutierung zum Militär zu entgehen. Er begibt sich alleine auf die Flucht und reist nach Deutschland ein. Die Bundespolizei greift ihn am Hauptbahnhof auf. Awet wird in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht. Die Trennung von seiner Familie und die Eingewöhnung in den neuen Kulturkreis fallen ihm schwer. Er wirkt häufig traurig, zieht sich in sein Zimmer zurück, isst nur sehr wenig und nimmt nur selten an Freizeitaktivitäten teil.
So oder ähnlich klingen die Erzählungen der Kinder und Jugendlichen, die als junge Geflüchtete nach Deutschland einreisen. Regelhaft finden Inobhutnahmen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen statt. Sie werden bei Jugendämtern, Polizei oder in Flüchtlingsunterkünften in Deutschland registriert. Es handelt sich um Minderjährige aus Kriegs- und Krisengebieten, die aus vielfältigen Gründen auf der Flucht sind. Die minderjährigen Geflüchteten sind zu Ortswechseln gezwungen, die – meist ungewollte – Beziehungsabbrüche und psychische Belastungen beinhalten. Diese überschreiten oftmals das Maß der an sie gestellten Entwicklungsaufgaben um ein Vielfaches, bis hin zu den Grenzen des Aushaltbaren. Als Folge traumatischer Erlebnisse vor, während und nach der Flucht zeigen einige der Kinder und Jugendlichen heterogene Probleme und spezifische Belastungsreaktionen, die von Ängsten, psychosomatischen Reaktionen wie Migräne und Bauchschmerzen, aggressivem Verhalten,