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Zwangsmigration und Traumatisierung
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gogische Praxis gegeben werden. Niedersächsische Sprachlernklassen sind Aufnahmeklassen für neu in Deutschland lebende Schülerinnen und Schüler, unter
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ihnen viele zwangsmigrierte Kinder und Jugendliche.
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Beziehungsarbeit, so hebt es die Lehrerin Karin an vielen Stellen hervor, hat in
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der Arbeit mit neu in Deutschland lebenden Jugendlichen eine herausgehobene
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Bedeutung. Im konkreten Kontext zeigt sich, dass die Fachkraft dabei vielfach mit
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stark zurückgezogenen Verhaltensweisen der Jugendlichen konfrontiert ist. Karin
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beschreibt einen Schüler ihrer Klasse:
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»Kassim war am Anfang total zurückgezogen, hat auch den Kontakt mit anderen
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nicht gesucht […] auch gar nicht richtig zugelassen. […] Der war so blockiert,
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dass er teilweise nicht in der Lage war zu sprechen, also, der konnt sich schon
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gar nicht auf ne neue Sprache einlassen. […] Sein Verhalten mir gegenüber
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[…] war von einer ängstlichen Unterwürfigkeit. […] Geprügelte Hunde reagieren so, wie er reagiert hat […]. Er hat im Grunde die beiden anderen Schüler,
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die nun seine Sprache sprechen, also an die hat er sich nur angedockt, da war
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nicht wirklich ne Beziehung. […] Er konnte nix geben […] er hat nur genommen«
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(Wipperfürth 2014, S. 67).
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Die Selbstreflexion der Klassenlehrerin verweist auf eine deutliche emotionale
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Teilhabe der Fachkraft am traumatischen Geschehen:
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» […] am Anfang, als ich so dis Ausmaß seiner Verstörtheit glaubte erkennen
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zu können, hat mich das sehr äh bedrückt. Ich hab dann so überlegt, was ich
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machen kann, außer dem, was ich immer mache. […] Es hat mich auch so als
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politischer Mensch wütend gemacht […] und dann auch so diese Ohnmachtsanfälle. Ich war also drauf und dran nach [Heimatland von Kassim, Anm. d. Verf.]
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zu schreiben […] an den Konsul […] dort an die Regierung […] (seufzt) aber ich
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hab dann festgestellt, das kann ich mir schenken, ne« (Wipperfürth 2014, S. 69).
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Karin benennt hier zentrale traumaassoziierte Emotionen (Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit) als affektive Reaktion auf die traumatische Erfahrung und das Erleben
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des Jungen. Auch das hohe Maß an Verwirrtheit und die partielle Hilflosigkeit, die
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die Beobachterin selbstreflexiv in ihren Protokollen festhält, verweisen auf die dominanten traumatisch bedingten Affekte, die jene schulische Interaktion prägen.
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Dies zeigt bereits exemplarisch, wie wichtig und gleichzeitig herausfordernd die
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fortlaufende Reflexion des traumatisch beeinflussten Beziehungsgeschehens ist.
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Hilflosigkeit als Teil einer Übertragungsdynamik löst einen Handlungsdruck aus,
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den die Fachkraft jedoch selbst als zu diesem Zeitpunkt wenig zielführend beschreibt.
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