2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/257.md

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Die praktische Arbeit
Eine weitere Herausforderung in der Arbeit ist die durch das Trauma geschehene Beeinflussung der Bindungskompetenz von Eltern. Die durch eigene, unreflektierte Überforderungserfahrung (Hungern, Todesangst) geprägten Wertehaltungen können in der realen, innerfamiliären Alltagsgestaltung im Zusammenleben
für Kinder zu hohen Irritationen und Verunsicherungen führen. Für die Kinder
entsteht ein Leben zwischen zwei Welten: der von den Erwachsenen in der Vergangenheit durch Belastungsfaktoren geprägten Welt und der von den Kindern
wahrgenommenen durch Gegenwartsbedingungen geprägten Welt. Dieses Spannungsfeld wirkt negativ auf die Qualität der Bindungs- und Beziehungsmöglichkeit, was sich wiederum auf die eigene Beziehungs- und Bindungskompetenz der
Folgegeneration auswirkt. Auch hier führt die Arbeit auf zwei Ebenen pendelnd,
aber auch parallel zwischen Biografiearbeit und konkreten Veränderungen des
Miteinanders zur Alltagsentlastung.
Die oft im Geheimen liegende Lebensgeschichte traumatisierter Eltern lässt deren Kinder eine erhöhte Fähigkeit zur Identifikation mit ihrem Gegenüber bilden.
»Wer keine Stimmen hört, lauscht Stimmungen. Wer die Eltern und ihr Leid
nicht greifen kann, wird hoch empfindsam für Atmosphären, für die Klänge des
Schweigens, für das Ungesagte« (Baer/Frick-Baer 2014, S. 94).
In der Praxis ist zu beobachten, dass die betroffenen Kinder hohe Sensoren für im
Raum stehende, unausgesprochene Themen haben. Dies kann eine Ressource darstellen, sofern sie mit der Möglichkeit einer Abgrenzung einhergeht. Zur Belastung wird die Fähigkeit, wenn die Kinder in den Gefühlen des Leides der Eltern
verhaftet bleiben und dadurch ihre individuelle Entwicklung stark beeinträchtigt
wird. Die Pädagog*innen bieten diesbezüglich im Kontakt an, Verhaltensweisen
und Gefühle zu sortieren. Über Spiegelung und Verstärkung gelingt es, die Anteile
der Individualität und des Selbstwertes zu fördern.
Die praktische Arbeit
Einige Familiensysteme leben in der Wohnung, in der Traumatisierung überlebt
wurde. Die während einer Traumatisierung über Hören, Riechen, Sehen, Fühlen
und Schmecken wahrgenommenen Signale können im späteren Verlauf eines Lebens Auslöser sein, an die erlebte Hilflosigkeits- und Ohnmachtssituation physisch und psychisch erinnert zu werden. Die Gefahr retraumatisierender Momente ist dann hoch. Es gilt daher in einem sehr frühen Stadium der Zusammenarbeit
mit traumatisierten Systemen, ein Augenmerk auf diese sogenannten Trigger im
Lebensraum der Familien zu legen. Hierbei geht um eine bewusste Gestaltung des
gemeinsamen realen Lebensraumes des Systems und innerhalb dessen um die Ge-
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