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Da hilft nur Geduld und Spucke
Die Selbstbemächtigung stärken
Die Bewältigung schwieriger Lebenssituationen, von »Anforderungen, Krisen und
Entwicklungsaufgaben ist abhängig von einer Balance aus Risiko- und Schutzfaktoren auf Umwelt und personaler Ebene«, so Fröhlich-Gildhoff (2014, S. 52), und
er beschreibt weiter die Selbstreflexion und Selbst(für)sorge als in besonderer
Weise nötig, um für die Bewältigungsprozesse Kapazitäten zur Verfügung zu haben (Fröhlich-Gildhoff 2014, S. 52). Unseren Kindern nutzt es besonders, wenn
wir sie in der Selbstregulation ihrer Traumasymptome unterstützten: Mikel musste
wissen, dass in der Kita immer jemand da ist, sein Bindungssystem war daueraktiviert.
Yasser hatte nun eine Möglichkeit gefunden, ohne Sprache und mit Zeugen das
auszudrücken, was ihn bewegte. Er war mit dem existenziellen Erlebnis nicht
mehr alleine.
Jim brauchte konkrete Hilfe, um das Karussell abstellen zu können.
Niklas brauchte jemanden, der ihn schützte, vor allem vor seinen eruptiven
Ausbrüchen, und damit verhinderte, dass er wieder isoliert ist und die frühen Gefühle von absolutem Alleingelassensein spürbar wurden. Und er lernte, seinen wütenden State, den »Wutnickel« (Picard 2014, S. 78), einzusperren.
Wenn wir die Traumasymptome ernst nehmen, auch wenn sie jeden Tag andere
sind, können wir die Kinder dabei unterstützen, ihre hohe Erregung zu regulieren.
Schon spiegeln entlastet, der einfache Satz »Oh, Gott, hast du eine Wut«, zeigt
Niklas, dass ich ihn sehe und verstehe. Dann können wir ausprobieren, ob Bewegung, essen, Massagen, schnaufen oder rennen helfen. Niklas lernt seine Traumasymptome zu versorgen, sich selbst zu regulieren. Die Fähigkeit zur Selbstregulation schützt nicht nur in der Kita vor Isolation.
Die Unterstützung von Verstehensprozessen geht nicht immer ohne längere Beobachtung. So hatten wir nach einer längeren Zeit festgestellt, dass unser FASKind Jim immer dann in hohe Erregung kam, wenn die Stimmen zu laut, die Eindrücke zu viel und das Essen nicht erreichbar waren. Nachdem wir ihm unsere
Beobachtung erzählt hatten, war er sehr erleichtert. Wir konnten uns nun immer
darauf beziehen und eine jeweils angemessene Form der Selbstregulation finden.
Im Allgemeinen ist es möglich, Kindern angemessen das Zusammenwirken von
Denker, Warnzentrale und Reptiliengehirn zu erklären (Weiß, »Die Pädagogik der
Selbstbemächtigung. Eine traumapädagogische Methode«, in diesem Band; Weiß,
Metzenauer »Verstehen, wie ich ticke. Über die Kraft des gemeinsamen Verstehens
durch Workshops für Mädchen* und Jungen*«, in diesem Band) und mit ihnen
Möglichkeiten der Selbstregulation auch allgemein zu suchen. Selbstverstehen
und Selbstregulation werden auch als mögliche Hilfen, Kinder mit sexuellen Gewalterfahrungen zu stabilisieren, beschrieben (Wittmann 2015). In der Unterstützung von Kindern im Vorschulalter wird es im Wesentlichen darum gehen, sie in