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Vulnerabilität und schulisches Lernen
rungsprozesse heraus (vgl. Ding 2014, S. 205ff.). Sich ergreifen lassen heißt, mit der Umwelt in Kontakt zu gehen, sich neuen Erfahrungen leiblich-sinnlich zu öffnen und damit Alternativen zu finden zu überlebensstrategisch wichtigen ›Einkapselungsprozessen‹. Das Vermögen subjektiver Wahrnehmung besteht in der Durchlässigkeit des Ich-Welt-Bezugs, worin sich in kleinen Momenten eine neue Welt des Staunens und der Spannung auftun kann als »intermediärer Raum« (Winnicott 1997). Werden ästhetische Erfahrungen thematisch und über eine reflexive Distanz ins Sprachliche überführt, dann werden sie sinnhaft, teilbar und können heilsam sein. Den schulischen Fächern kommt eine besondere Bedeutung zu, da sich über den Bildungsgehalt von Inhalten persönlichkeitsstärkende Momente einstellen können. Der Religions-, Ethik-, Geschichts-, Sozialkunde- wie auch der Deutschunterricht können an existenziellen Themen ansetzen und Impulse geben, zur Entwicklung einer ›somatic biografie‹ und eines Bewusstseins der eigenen Historizität und kulturellen Gewordenheit. Gerade der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht birgt eine Fülle an kreativen ressourcenstabilisierenden Verfahren, die Kinder und Jugendliche durch den lebendigen Inhaltsbezug in ihrer Imagination und ihrer Ich-Identität stärken. Auch über Fabeln, Mythen und Märchen können kräftigende innere (Sinn-)Bilder entstehen und gute innere Welten, sichere Orte und innere Helfer aufgesucht werden, die Verbindung und ein Gefühl des geborgenen Aufgehoben-Seins vermitteln. UMGANG MIT REGELN UND RITUALEN – KLASSENFÜHRUNG IM ENGEN VERSTÄNDNIS Jede Schulklasse ist eine Gruppe mit eigenen Regeln und Dynamiken. Gerade in Gruppensituationen aktualisieren sich Erlebensweisen von Scham, Isolation, Angst und Tabu, die bei Außenstehenden oft Unverständnis und Irritation auslösen, dem letztlich gruppendynamisch zu begegnen ist. Rituale sind neben ihrer strukturierenden Funktion in erster Linie aufgrund ihrer sozialen Funktion überaus bedeutsam, insofern sie Unsicherheit und Ängste reduzieren und Halt in Beziehungen ermöglichen. Da sich Traumatisches über Unterbrechungen zu sich selbst, zu anderen und zur Welt abzeichnet, fungieren Rituale als verbindende soziale Muster, welche performativ, also wiederholend im Tun, inszeniert werden. Unterricht wird in der Schule besonders stark durch eine Fülle von Ritualen zusammengehalten, die für traumatisierte Kinder zu den Bedingungen des Lernens gehören: Morgenkreis, Wochenplan, methodisch strukturierte Wechsel in Sozialformen, Klassenrat, Kummerkasten, Stimmungsbarometer (vgl. Ding 2013, S. 61), Klassendienste, Gesprächsleiter, Lernpaten, Bild- und Symbolkarten, Aufwärmspiele, Entspannungs-, Imaginations- und Bewegungsrituale, Begrüßungs- und Verabschiedungsrituale.
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