2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/224.md

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224
Schulische BildungsPraxis für vulnerable Kinder und Jugendliche
Entwicklungen, emotionale Kompetenzen, Selbstfürsorge, differenzreflexive
Kompetenz
Soziale Kompetenzen: Perspektivenübernahme/pädagogisches Verstehen,
dialogische Gestaltungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit von Beziehungsprozessen
Systemische Kompetenzen: Kooperationsfähigkeit (Zusammenarbeit und
Teambildung), Weiterbildungsfähigkeit, traumasensible pädagogische Beratungskompetenz
Handlungskompetenzen: diagnostische Kompetenzen im Sinne einer traumapädagogischen Diagnostik und einer sonderpädagogischen Diagnostik.
• Psychotraumatologisches Wissen
Trauma- und entwicklungsspezifisches Fachwissen einschließlich Kenntnisse
zum Phänomen der Dissoziation erweisen sich als unumgänglich, um die Erlebensweisen der Kinder und Jugendlichen sowie das schulische Beziehungsgeschehen verstehen zu können, für pädagogische Reflexionsprozesse nutzbar zu
machen und in didaktische Entscheidungen einfließen zu lassen.
DIALOGISCHE BEZIEHUNG
»Man lernt stets selbst, jedoch verdankt man, dass man lernt, wie man lernt und was
man lernt wesentlich Anderen« (Künkler 2011, S. 541). Dies knüpft an der intersubjektiven Matrix, der Angewiesenheit auf den Anderen, an und ist dennoch nicht
dem Anderen geschuldet, sondern dem »potential space« (Winnicott 1997, S. 121ff.),
dem Beziehungsfeld zwischen mir und Anderen. Lernen ist ein relationales Beziehungsgeschehen zu anderen und zu Inhalten und Gegenständen. Dabei können
Lehrer*innen im Zuge der Adoleszenz eine herausragende Orientierung und Bedeutung haben. »Meist gelingt eine Identifikation mit der Sache (Sachinteresse) erst
über die Identifikation mit der Person, die die Sache repräsentiert und die darin
Vorbild im Bereich von Beruf und Arbeit ist« (Streeck-Fischer 2000, S. 141).
So ist eine aktive, resonanzfähige, beständige Beziehung, welche transparent
wie auch anerkennend gestaltet wird, die Basis jeglicher Lernarbeit und erfordert
ein sich immer wieder neues sich-Einklinken und sich-Hinwenden in der situativen Begegnung sowie eine Wachheit für eine emotionale Wahrnehmung.
SOMATISCHE RESONANZ
Traumatisches Erleben schreibt sich in die Körper ein und installiert ein fluides
Erinnerungsgefüge, welches nun eben kein eingekapseltes neurobiologisch ursächliches Eigenleben führt, wie es in der Traumamainstreamforschung zitiert
wird, sondern tief in soziale Ordnungen eingelassen ist (Wuttig 2016). Dies beinhaltet entscheidende Implikationen für die pädagogische Praxis, insofern sie als
Orientierungsindikator für präreflexive körperliche Zustände über ein gegenseiti-